Nordfriesen freuen sich auf Kurven

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Di, 14. August 2018

Friesenheim

Zum 44. Motorradtreffen in Oberschopfheim kamen wieder viele Stammbesucher.

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Wenn die Motorradfreunde Oberrhein zu ihrem Treffen am Lendersbach einladen, geht der Ruf bis nach Nordfriesland oder in die Champagne. "Ich war zwölf Stunden auf dem Motorrad unterwegs", sagt Daniela Heine. Sie und ihr Mann Axel gehören zum Kreis der Nordfriesen, die seit vielen Jahren zum Lendersbachfest kommen. Reiner Thomson gehört dazu, unter den Motorradfreunden "Deddel" genannt, so wie jeder einen Spitznamen hat. "Deddel" ist zum 38. Mal dabei und bedauert, dass kommendes Jahr, wenn das 45. Fest steigen soll, es auch das Ende des Motorradtreffens sein soll. Man werde in Nordfriesland die Flagge auf Halbmast setzen, sind sich die Nordlichter einig.

Ute Ehret, die vor 38 Jahren aus Viöl zum ersten Mal nach Oberschopfheim kam, erinnert sich, dass sich beim Lenderfest so einige Ehen angebahnt haben und "wir bis zu 90 Nordfriesen waren." Ganz so viele waren es diesmal nicht mehr, aber die Stimmung unter den Husumern war beachtlich.

Man kennt sich und freut sich beim Abschied aufs nächste Treffen. Daniela Heine schätzt an der Veranstaltung die ruhige und familiäre Atmosphäre. Genau wie Peter Webel aus Sexau, ebenfalls ein Stammgast: "Es ist ein geiles Fest", sagt er und erzählt, dass er nur durch Zufall das erste Mal zum Lendersbachfest gekommen und schon damals vom "Virus Lendersbach ergriffen" worden sei.

Erinnerungen an skurrile Spiele

Während DJ Latsche, bereits seit zwölf Jahren erprobt, heiße Scheiben auflegt, tauschen die Motorradfreunde Erinnerungen aus. Dazu gehören die obligatorischen Samstagstouren, die die MFO für die Biker durch den Schwarzwald organisiert hatten. "Wir aus Nordfriesland freuen uns immer darauf, Kurven fahren zu dürfen", so Daniela Heine. Oder die Spiele, die die MFO veranstalten. In diesem Jahr stehen Präzision beim Bierkrugschieben, Bierkistenstapeln und das Zielwerfen von Motorradreifen auf dem Programm. Peter Webel erinnert sich, dass er einmal auf einem Fahrrad sitzend, strampelnd über eine Spezialmechanik ein Weizenglas passgenau zu seinem Mund bugsieren musste, um es auszutrinken. Der Spaß sei immens gewesen. Auch Daniela Heine erinnert sich gut an die Gaudi diverser Spiele. Das und die Gespräche mit den anderen seien ein Grund, immer wieder zu diesem Fest zu kommen.

Die Band "Rocking Bullet" stand am Samstag für rockige Musik, und am Sonntag machten sich die Biker auf die Reise zurück in alle Himmelsrichtungen – mit der Ansage, dass sie zum 45. und letzten Lendersbachfest kommen. Knapp 1000 Motorradfreunde und Besucher waren da. Warum soll so ein erfolgreiches Fest 2019 zum letzten Mal stattfinden? "Der Nachwuchs ist hilfsbereit, engagiert sich, will aber die Gesamtverantwortung für die Veranstaltung nicht übernehmen", sagt Ute Ehret. Die Finanzchefin der MFO erklärt, dass der Aufwand "riesig" sei, dazu zähle auch das Festzelt. Dann fehle es an Nachwuchs. Bei der Ausrichtung eines Zeltfestes abseits der Ortsbebauung und dem damit verbundenen logistischen Aufwand seien die Mitglieder aufgrund ihrer Altersstruktur längst an ihre Grenzen gestoßen. Nicht wenige Mitglieder haben die Altersgrenze von 60 Jahren bereits überschritten. Jahr für Jahr nutzten sie eine Urlaubswoche für Auf- und Abbau. Zwischen 60 und 70 Helferinnen und Helfer seien im Einsatz, auch Leute, die nicht im Verein seien. "Bei einem Wetter wie an diesem Wochenende ist es ein Einfaches", sagt Ute Ehret. Aber es habe schon Schlechtwetterfeste gegeben, da sei die Logistik zum Riesenproblem geworden.

Derweil leuchten die Karossen in der Abendsonne. "Allein der Anblick der Maschinen lohnt schon den Weg hierher", sagt Karl-Heinz Kauer. Der Frankfurter war in der "Riedmühle" und hörte von dem Motorradtreffen. Er selbst habe eine 850er BMW, aber er sei mit seinem Roller gekommen. Aus Frankfurt? "Nein", lacht er: Er wohne jetzt in Meißenheim und werde auch nächstes Jahr dabei sein.