Nations-League

Nullnummer als Mutmacher: Deutschland - Frankreich (0:0)

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Fr, 07. September 2018 um 06:47 Uhr

Fussball International

Keine Tore, aber viel Erleichterung. Das 0:0 gegen Frankreich sorgt nach der WM-Schmach für einen Hoffnungsschimmer. Die Kniffe von Joachim Löw gehen gegen den Weltmeister auf.

Vor dem Auftakt in einen neuen Wettbewerb darf nicht viel schiefgehen. Eifrige Helfer in der Arena in München haben penibel mit dem Maßband vermessen, dass die Flaggen von Deutschland und Frankreich zum Banner der Nations League richtig auf dem Rasen liegen. Das Duell zwischen dem entthronten und aktuellen Weltmeister war ja das Beste, was diesem noch gewöhnungsbedürftigen Format passieren konnte.

Fortschritt in Tippelschritten

Und auch für die deutsche Nationalmannschaft ergab diese Konstellation letztlich mehr Chance als Risiko: Der Neuanfang nach einem historischen WM-Desaster ist halbwegs geglückt: Mit einem torlosen Remis hat die DFB-Auswahl zumindest mal wieder Boden unter den Füßen. Das Streben nach Stabilität stand zwar zunächst an erster Stelle, aber vor allem die zweite Hälfte muss als Mutmacher dienen. Motto: Mitunter muss Fortschritt erst wieder in Tippelschritten erarbeitet werden. Den spielerischen Glanz blieb vor allem der Titelträger aus Frankreich schuldig.

Vor Anpfiff wurden Deutschlands WM-Versager – immerhin sieben Akteure aus der Südkorea-Blamage standen in der Anfangself – mit freundlichem Beifall begrüßt, dazu formte der Fanklub mit weißen Flaggen ein großes Herz, in dem die Zuschauer fleißig schwarz-rot-goldene Fähnchen schwenkten. Der Vertrauensvorschuss war spürbar – und in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten. Vielleicht aber nimmt die Basis dem Verband und dem Team das Bemühen um mehr Bodenständigkeit tatsächlich ab.



Joachim Löw hatte harte taktische Schlüsse aus dem teils vogelwilden Auftreten in Russland gezogen: Der Blick auf den Aufstellungsbogen verriet, dass für den Bundestrainer eine sattelfeste Abwehr erstes Gebot sein würde. Die Viererkette bestand – wie zeitweise während der WM 2014 mit der so genannten "Ochsen"-Abwehr – aus vier robusten Innenverteidigern: Dem Bayern-Block Jerome Boateng und Mats Hummels standen Matthias Ginter (rechts) und Antonio Rüdiger (links) zur Seite. Als zentrale Absicherung fungierte Joshua Kimmich, der zuletzt im Verein und Nationalteam fast nur als Rechtsverteidiger agiert hatte. Unter diesen Umständen schlug sich der spielintelligente 23-Jährige in der wichtigen Rolle beinahe vorzüglich.

Mit einem 4-3-3 orientierte sich Löw eng an den Systemen von Real Madrid oder Bayern München – oder auch Weltmeister Frankreich. Heraus kam jedoch eine erste Halbzeit, in der sich die beiden Kontrahenten lange neutralisierten. Die deutsche Elf erspielte sich nur eine Chance, als Timo Werner den französischen Torhüter Alphonse Areola prüfte (18.). Obwohl der Dreiersturm mit Thomas Müller, Marco Reus und Werner ständig rochierte, fehlten zündende Zuspiele aus der zweiten Reihe.

Frankreich lange im Verwaltungsmodus

Die Weltmeister von Didier Deschamps verlegten sich lange Zeit auf einen Verwaltungsmodus. Bei einigen Ballpassagen blitzte die spielerische Überlegenheit auf, die jedoch selten in Abschlussaktionen mündete. Einmal setzte Olivier Giroud einen Kopfball an, den Manuel Neuer aus dem bedrohten Eck lenkte (36.), dann brachte ein Hackentrick von Giroud noch Gefahr (45.). Ansonsten konnte Kylian Mbappé zwar mit seiner Handlungsschnelligkeit beeindrucken, nicht aber das deutsche Tor gefährden.

Richtig aufregend wurde es erst nach einer Stunde: Da zeigte Keeper Neuer bei einem Fernschuss von Griezmann eine Prachtparade (64.), dann wehrte Gegenüber Areola nicht weniger gekonnt den Schlenzer von Reus ab. (65.). Wichtiger noch, dass kurz darauf Ilkay Gündogan bei seiner Einwechslung überwiegend mit Applaus begrüßt wurde (66.). Dann könnte die Erdogan-Affäre vielleicht wirklich bald ad acta gelegt werden. Auf jeden Fall klappten die Teams nun immer häufiger das Visier auf: Ein Vorstoß des starken Hummels hätte beinahe im Führungstor gemündet, doch war auch hier der Pariser Torhüter Areola genauso zur Stelle (72.) wie bei einem Heber von Müller (74.) und einem Ginter-Kopfball, den der 25 Jahre alte Debütant der Equipe Tricolore in Weltklassemanier parierte (75.).

Für die Schlussviertelstunde heimste der nun zeitweise vehement drängende Gastgeber noch einmal viel Anfeuerung ein, doch der in dieser Phase nicht unverdienter Siegtreffer ließ sich eben nicht auf den Rängen erzeugen. Vielleicht aber veranlasst vor allem die couragierte Vorstellung in der zweiten Halbzeit noch den Einen oder Anderen, sich am Sonntag das Spiel gegen Peru anzusehen.