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13. Januar 2010

Nur auf den ersten Blick perfekt

Nora Jacobi und Jürgen Burkhart mit der Ausstellung "Durchsicht" im Waldkircher Georg-Scholz-Haus .

  1. Nora Jacobi (Malerei) und Jürgen Burkhart (Objekte) sind die ersten Künstler, die im neuen Jahr im Waldkircher Georg-Scholz-Haus ausstellen. Foto: Frank Berno Timm

WALDKIRCH. Schön, dass Nora Jacobis Kunst nun auch im Georg-Scholz-Haus zu sehen ist. Mit Jürgen Burkhart (Merdingen) hat die Kollnauer Malerin nicht nur in den Neunziger Jahren ein Atelier geteilt, sondern ihn auch gefragt, ob er nun mit in Waldkirch ausstellen will.

Sie finde, dass Burkharts Arbeiten ihre Bilder optimal ergänzten, sagt die Künstlerin der BZ. Wer Jürgen Burkhart aus früheren Ausstellungen kennt, ordnet ihn eigentlich als Maler ein: Doch dort, sagt Burkhart, habe sich "nichts mehr bewegt". Nun beschäftigt sich der Merdinger zumeist mit filigranen Objekten aus Rebholz, einem Abfallprodukt aus dem Weinbau, die er mit Kabelbindern zu Objekten zusammenfügt und einfärbt. Dabei gehe es nicht um Assoziationen wie Gefangensein oder Einsperren, erläutert er – ihn interessierten geometrische Strukturen, Linien und Flächenaufteilungen. Diese Kunstwerke sind im Grunde eine Fortsetzung von seiner Malerei: Auch dort ist es "um die Grenzlinie von Kultur und Natur" gegangen.

Nora Jacobis Bilder leben wie eh und je von ihren kräftigen Farben. Zu Rot, Gelb und Orange kommt als neue Farbe Grün hinzu. Auch beim wiederholten Ansehen fühlt man sich an Feuer, im Grunde an Katastrophen erinnert – im Kontrast dazu die kleinen Notizen, die sich hier und dort in den Bildern finden: "conserve your sweet memories" ("erhalte deine süßen Erinnerungen") heißt es da.

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Nora Jacobis und Jürgen Burkharts Arbeiten sind nicht getrennt voneinander ausgestellt. Sie sind in den verschiedenen Räumen des Georg-Scholz Hauses gruppiert, als kennten sie sich schon lange. Beide Künstler treten zurecht dem ersten Eindruck, dass die Brüche fehlten, entgegen: Jürgen Burkhart macht auf Kontraste zwischen seinen einfarbigen Arbeiten und der Farbigkeit in den Bildern Nora Jacobis aufmerksam. Er zeigt, wie sich Jacobis Rot in Schatten seiner Skulpturen wiederfindet. "Die Strenge in meinen Formen kommt bei Nora in Ansätzen vor", sagt Burkhart. Und Nora Jacobi findet, Burkharts Objekte "haben nicht die Funktion, die Bilder zu beruhigen".

Und in der Tat: Jürgen Burkhart schafft es, mit seinen Objekten nicht nur eine eigene Sprache zu entwickeln, er baut im Grunde eine eigene Welt. Hier und dort blitzen Assoziationen auf, fühlt man sich an die Dornenkrone, an streng vergitterte Fenster, an einen Korb (oder gar eine große, bauchige Flasche) erinnert. Er habe mit den "Objekten noch einiges zu tun", sagt Burkhart, gemalt hat er seit zwei Jahren nicht mehr.

Volker Lindemann vom Georg-Scholz-Haus-Kunstforum schätzt, dass die Ausstellungen an der Merklinstrasse jeweils von rund 300 Besuchern gesehen werden. Abhängig seien die Zahlen auch von der Bekanntheit der Künstler, fügt Lindemann hinzu. Viele kämen zu den Begleitveranstaltungen. Von der Möglichkeit, auch zwischendurch die Ausstellungen in Ruhe anzusehen, wird nach seinen Worten noch zu wenig Gebrauch gemacht. Das sollte sich vielleicht ändern.

Nora Jacobis und Jürgen Burkharts Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 17. Januar, um 11 Uhr eröffnet. Nicht versäumen.

Das Programm und die Öffnungszeiten: http:// georg-scholz-haus.de/ausstellung.html

Autor: fbt