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30. Oktober 2008

"Nur das tun, was mich interessiert"

Leute in der Stadt: Gerd Heinz denkt nicht ans Altenteil

Gestern Abend hat Gerd Heinz, bis zum Sommer Professor an der Freiburger Musikhochschule, den mit 7000 Euro dotierten Preis der E.T.A.-Hoffmann-Stiftung "für seine Verdienste um die künstlerische und pädagogische Initiierung und Durchführung von Gesamtwerken" verliehen bekommen. Für den 68-Jährigen ist das "eine wunderbare Geschichte". Schließlich sei die Arbeit an der Musikhochschule eine Herzensangelegenheit für ihn gewesen, zu der er auch die vier Jahre als Operndirektor am Freiburger Theater zähle.

Im Juni hat Gerd Heinz mit einer Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" Abschied von der Freiburger Musikhochschule gefeiert (die BZ berichtete), wo er elf Jahre lang Leiter des Instituts für Musiktheater war. Doch emeritiert zu sein bedeutet für den 68-Jährigen keineswegs, sich als Ruheständler auf die Parkbank zu setzen. Wenn man Gerd Heinz fragt, was er jetzt so vorhabe, bekommt man eine lange Auflistung von Engagements, die bis weit ins kommende Jahr reichen. Mehr Zeit? "Leider nicht", sagt er, lacht und erzählt, dass ihn just an diesem Morgen seine Frau ermahnt habe, auch einmal Nein zu sagen. Immerhin: Seinen Sitz im Theaterausschuss der Stadt Freiburg hat er bereits im vergangenen Jahr niedergelegt, nachdem er festgestellt hatte, dass er von sechs Sitzungen höchstens an zweien hätte teilnehmen können. Das solle aber nicht heißen, dass er sich nicht mehr in die Kulturpolitik reinhänge.

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In den 80er Jahren war Heinz Intendant am Schauspielhaus Zürich; er arbeitete jahrzehntelang an vielen Theatern von Wien bis Hamburg, in den Anfängen auch als Schauspieler. Und am Theater will er auch weiterhin arbeiten – "so lange Herz und Knochen mitmachen", nur eben nicht mehr wie bisher unter Hochdruck. "Ich will nur noch das tun, was mich wirklich interessiert", bekräftigt er. Fürs kommende Jahr ist er denn auch bereits für drei Produktionen fest gebucht, unter anderem führt er beim "Parsifal" am südthüringischen Staatstheater Meiningen Regie. Er könne es sich derzeit sogar leisten, Angebote von großen Theatern abzulehnen, wenn ihm das Stück nicht gefalle, sagt er. Und weiß vom "Altersrassismus" zu berichten, unter dem mancher gleichaltrige Kollege leide, den er beim Klinkenputzen getroffen habe.

Neben der Theaterarbeit hält Heinz kulturphilosophische Vorträge und Lesungen, und er wird Gastprofessuren an Hochschulen in Hamburg, Salzburg und Stuttgart übernehmen. "Ich vermisse die jungen Menschen." Außerdem wäre da noch Heinz’ schriftstellerische Ader: Endlich will er die Prosatexte schreiben, die er schon lange im Kopf hat.

Freiburg, sagt der gebürtige Aachener, werde seine Heimat bleiben – vorerst allerdings neben seinem Domizil im Schwarzwald. Im kleinen Dorf Schönenberg nahe dem Belchen hat er auf 800 Metern ein Haus mit Blick aufs Wiesental. "Die Natur dort ist mir unglaublich ans Herz gewachsen. Da kann man stundenlang laufen, ohne einen Menschen zu treffen", schwärmt er.

Autor: Frank Zimmermann