Der Hundsrücken ist raus

Christian John

Von Christian John

Mi, 26. November 2014

Oberried

Keine Windkraft auf Oberrieder Gemarkung / Jetzt ist der Gemeindeverwaltungsverband Dreisamtal am Zug.

OBERRIED. Ausführlich legten Experten am Montag in der öffentlichen Gemeinderatssitzung die Chancen der Windkraft im Dreisamtal und besonders in Oberried vor. Die wenigen möglichen Standorte auf Oberrieder Gemarkung fallen allen bestehenden Gesetzen und Restriktionen zum Opfer, zum Bedauern vieler Räte. Man hält sich jedoch noch eine Hintertür offen.

Stefanie Burg vom Büro "Fsp.stadtplanung" und Eric Lippe von Faktorgrün informierten die Oberrieder Gemeinderäte ausführlich über den aktuellen Stand der Windkraftplanungen im Dreisamtal. Ein so genannter Teilflächennutzungsplan soll in Kürze ausgewiesen werden: Dieser Plan legt für das Dreisamtal diejenigen Flächen und Konzentrationszonen fest, auf denen künftig Windkraftanlagen möglich wären. "Dies heißt gleichzeitig, dass außerhalb dieser Konzentrationszonen dann keine Windkraftanlagen erlaubt wären", erläuterte Stefanie Burg. Der Nutzungsplan wird vom Gemeindeverwaltungsverband (GVV) beschlossen, der am heutigen Mittwoch, 26. November, tagt.

Nur 13 Standorte verfügen über die nötige Windhöffigkeit

Eric Lippe legte dar, wie es aktuell um potentielle Windkraftstandorte im Dreisamtal bestellt ist. Viele Flächen fielen schon früh durch aufgrund von "harten Tabukriterien", wie Lippe es beschrieb. Diese seien Naturschutzgebiete, Bann- und Schonwälder. Hier sei Windkraft von vornherein rechtlich unmöglich. Nach Anwendung aller harten Tabukriterien blieb am Ende eine schwarze Karte vom Dreisamtal übrig: 13 Standorte kamen nur noch in Frage.

Sie weisen die nötige Windhöffigkeit auf, also eine errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit des Windes von mindestens 5,25 Metern pro Sekunde in 100 Metern Höhe, sowie ausreichend Abstand zu Siedlungen. Aus den 13 Standorten mussten dann weitere fünf gestrichen werden: Der Hinterwaldkopf habe zwar guten Wind, aber zahlreiche Biotope. Das Sonneck weise ausreichend Wind auf, liegt aber teilweise in einem Landschaftsschutzgebiet. Kohlwald und Langimmiwald weisen wenig Wind auf, liegen dafür aber in Vogelschutzgebieten und der Tote Mann kann sich zwar mit viel Wind brüsten, die zahlreichen Biotope, seine Einordnung als FFH- und Vogelschutzgebiet lassen ihn ebenfalls von der Windkarte verschwinden.

Für Oberried schaffte es ein Standort in die engere Auswahl: der Hundsrücken. Für ihn wurde mitunter die größte Windhöffigkeit errechnet. Dem Standort Hundsrücken macht zu schaffen, dass er in einem Vogelschutzgebiet liegt, das Auerhuhn dort zu leben pflegt und kollisionsempfindliche Vogelarten über ihm kreisen. Vor allem Greifvögel fallen den Rotorblättern zum Opfer, erklärte Lippe, und die kämen am Hundsrücken häufig vor. Dass der Hundsrücken dazu noch wichtig für das regionale Landschaftsbild und eine Naherholungszone sei, käme verschärfend noch hinzu.

Das Planungsbüro Faktorgrün schlägt drei Standorte im Dreisamtal vor, die in den Teilflächennutzungsplan aufgenommen werden sollen: der Flaunser, das Streckereck und der Brombeerkopf. Ob alle drei Standorte oder nur der Brombeerkopf in den Plan aufgenommen werden, wird der GVV entscheiden. Einige Oberrieder Gemeinderäte zeigten sich enttäuscht, dass keine Windkraft auf ihrer Gemarkung möglich sein wird. "Ich würde gerne mit mehreren Standorten in die Abstimmung gehen. Wir sind mit Wind gesegnet und können uns erst zurücklehnen, wenn wir im Dreisamtal 100 Prozent unseres Stromes mit Wind erzeugen", sagte Johannes Rösch (FW).

Rechtlichen Hürden gibt es einfach

Emotional reagierte Eugen Schreiner (SPD). Für ihn sei es unverständlich, dass aus ehemals 26 Standorten nur einer übrig bleibe. "Den besten Standort [der Hundsrücken, Anm. d. Red.] schmeißt man raus. Man sollte dort lieber ein Pilotprojekt einrichten", äußerte sich Scheiner. "Niemand schmeißt den Hundsrücken raus. Auch wenn wir uns auf den Kopf stellen, sind die rechtlichen Hürden einfach da", erwiderte Bürgermeister Klaus Vosberg.

Daniel Schneider (CDU), bekennender Windkraft-Befürworter, zeigte sich ebenfalls enttäuscht über die wenigen Flächen. "Aber ich bin froh, dass wenigstes drei Standorte gefunden wurden", versuchte er die Lage optimistisch einzuordnen. Julia Lauby (FW) plädierte dafür, nur den Brombeerkopf in den Plan aufzunehmen. "Ich tue mich schwer, den Stegenern drei Standorte aufzuzwingen. Außerdem bin ich für den Energiemix und denke nicht, dass wir 100 Prozent Windkraft brauchen".

In die Begründung des Teilflächennutzungsplans wird die Gemeinde Oberried noch einen Passus aufnehmen, der dokumentiert, dass der Hundsrücken ein gewünschter Standort war, der jedoch auf Grund rechtlicher Auflagen nicht realisiert werden konnte. Die Hoffnung dabei ist, dass in einigen Jahren vielleicht bestimmte Restriktionen weggefallen sind und der Hundsrücken als potentieller Windkraftstandort Oberrieds wieder in das Auge der Planer oder Investoren fallen könnte.