Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. September 2017

Ein Heimspiel für den Kandidaten

Grünen-Kandidat Ulrich Martin Drescher diskutiert in Oberried mit dem Landesgesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha.

  1. Ulrich Martin Drescher (links) und Manfred Lucha Foto: Jonas Hirt

OBERRIED. Es ist fast ein Heimspiel für Ulrich Martin Drescher. Für die Grünen tritt er im Wahlkreis Waldshut zur Bundestagswahl an. In Oberried redet er mit seinem Parteikollegen Manfred Lucha, Landesminister für Soziales und Integration. "Auf dem richtigen Weg für gesellschaftlichen Zusammenhalt" ist der Titel des Gesprächs, in dem sich Drescher den Zuhörern vorstellt.

Es ist kurz vor 20 Uhr als Ulrich Martin Drescher die Tür der Klosterschiire öffnet und einige Wartende in die Ratsstube leitet. Rund 15 Zuhörer nehmen dort Platz, der kleine Raum ist gut gefüllt. Drescher sitzt im Kirchzartener Gemeinderat, nicht nur deswegen ist es eine Art Heimspiel. Die Atmosphäre ist vertraut. Ein Teil der Zuhörer und der Kandidat duzen sich, Drescher nennt den Minister Manne. Vorne sitzen Minister und Kandidat einträchtig nebeneinander, hinter ihnen zwei Plakate mit dem Schriftzug "Grüner Pionier Unternehmer." So ähnlich stellt sich Drescher dem Publikum vor. Drei Punkte seien ihm wichtig: Mut, um in Freiheit zu leben, die Umwelt schützen und die Heimat bewahren sowie Ideen für ein gutes Morgen. Beim ersten Punkt zeige sich seine liberale Haltung. Drescher plädiert dafür, Herausforderungen unternehmerisch anzugehen. Er sieht sich als Pionierunternehmer, 1991 war er bei den Schönauer Stromrebellen dabei. Seit vielen Jahren begleitet er ökologische Unternehmen von deren Beginn an. Beim zweiten Punkt spricht Drescher von einer Energie- und Agrarwende: "Es geht darum, die Natur, die Umwelt zu schützen." Bei den Ideen für ein gutes Morgen verweist der Kandidat auf die Digitalisierung. "Wir sind mitten in einer radikalen Veränderung", so Drescher. Er wolle den Gründergeist wieder anfachen. Was er als Unternehmer versuche voranzubringen, wolle er nun in die Politik bringen.

Werbung


Drescher sagt zu Beginn, dass er das Direktmandat gewinnen wolle. Im Raum kommt Stimmung auf: "Never give up" – gib niemals auf, sagt Lucha dazu. Der gebürtige Bayer fällt mit seinem Dialekt auf. Der Bundestagskandidat verweist auf den Minister. Er holte bei der Landtagswahl 2016 das Erstmandat im Wahlkreis Ravensburg. Bei den Themen des Ministers nickt Drescher häufig, das Publikum hört konzentriert zu. Die Sätze der beiden Politiker werden regelmäßig von Blasmusik übertüncht: In einem anderen Raum der Klosterscheune probt eine Musikkapelle. Lucha hebt die Leitmotive der Grünen hervor: Akzeptanz, Vielfalt und Offenheit. "Zu unserer Werteposition gibt es keine Alternative", so Lucha beim Thema Flüchtlinge. Er plädiert zudem für ein eindeutiges Einwanderungsgesetz. Bei der Sozialpolitik solle der Staat Rahmenbedingungen für den Aufstieg schaffen. Lucha grenzt die Grünen ab von "einem neoliberalen friss oder stirb" und von einem linken übervorsorglichen Staat. "Hilfe und Autonomie widersprechen sich nicht", stimmt Drescher zu.

Bei den Fragen dreht sich viel um das Thema Landwirtschaft. Reibungspunkte zwischen Kandidat und Publikum ergeben sich wenige. Ein junger Zuhörer erzählt, dass er von Landwirten oft höre, dass die Grünen alles kaputtmachen würden. "Wie reagieren wir darauf?" Es gehe ihm um die Unterstützung der Landwirtschaft. "Es ist wichtig, regional und ökologisch zu produzieren", sagt Drescher. Lebensmittel würden zu oft hin und her transportiert. Böden müssten schadstofffrei gehalten werden. "Unsere Buchführung bildet die ökologischen und sozialen Kosten nicht ab", bemängelt Drescher. Ein Zuhörer wendet ein, dass viele kleine Betriebe aber gar keine Buchführung hätten. Entscheidend sei aber der Verbraucher. Drescher führt das Beispiel Freiburg an. Die regionale Versorgung liege laut einer Studie bei acht Prozent. Als Region gelte in der Studie das Gebiet im Umkreis von 50 Kilometern. "Das ist der Punkt, wo wir ansetzen müssen", fordert der Kandidat. Kleinere und mittlere Strukturen sollten gefördert werden.

Autor: Jonas Hirt