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18. September 2009

Milchbauern bangen um ihre Höfe

Immer mehr Landwirte schließen sich dem Milchprotest an / Verbraucher sollen verstärkt aufgeklärt werden.

DREISAMTAL. "Sie streiken wieder, die Milchbauern!" – Nein, sie protestieren, sagen die Milchbauern, sie protestieren für eine gerechte Bezahlung ihres sorgfältig erzeugten Vollwert-Produktes Milch. Streik setzte eine Streikkasse voraus, aus der der Streik bezahlt wird, die protestierenden Landwirte erhalten keinerlei Streikgeld, sie nehmen zusätzlich den Verlust des Gegenwertes ihres Produktes in Kauf.

Blanke Existenzangst treibt sie dazu, derzeit ihre Milch wegzuschütten, statt sie in der genossenschaftlichen Molkerei abzuliefern. "Wir alle kämpfen für den Erhalt eines ernährungswissenschaftlich anerkannten, ausgewogenen und unveränderten gesunden Grundnahrungsmittels", betont Maria Stiegeler aus Buchenbach. "Kaum einer kann sich vorstellen, wie es ist, morgens das Vieh zu versorgen und nach dem Melken das mühsam Erwirtschaftete in die Güllegrube zu leiten". Dennoch steht sie hinter dem Protest, "denn wir streiken mit der Produktqualität auch für den Verbraucher".

Der Preis für frische Milch, das natürlich gewonnene, gesunde Nahrungsmittel, droht von derzeit 20 Cent weit unter die 18-Cent-Marke pro Liter zu sinken. Es ist zu viel Milch auf dem Markt, in Deutschland, in Europa, weltweit. Der Verbrauch ist rückläufig, wobei das Ernährungsverhalten eine große Rolle spielt, insbesondere bei der Fast-Food-Generation. Die spiegelt deutlich das Kaufverhalten zwischen Vollwertmilch und Industriekäse wider.

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Bis 2015 gilt die quotengeregelte Milch-Abgabemenge. Molkereien und Handelsunternehmen drücken den Milchpreis kontinuierlich. Eine "Bezahlung", die die Produktionskosten deutlich unterschreitet und vor allem kleinere Erzeuger in den Ruin treibt, vor allem jene Höfe, die an den Steillagen des Schwarzwaldes produzieren und bedeutend zur Offenhaltung der Landschaft, sprich touristischen Attraktion des Gebietes, beitragen. Vom Milchgeld allein leben können die meisten schon lange nicht mehr. Verraten fühlen sich die Milchbauern von Landes- bis Europapolitik und ihrem Bauernverband, denen es bislang nicht gelang, die Mengensteuerung der Milch zu erhalten.

Auf das Wesentliche konzentrieren, lautet die Losung: "Wir sitzen alle in einem Boot, unser Boot hat ein großes Loch. Wenn Frau Fischer-Boel von der EU kommt und es nur mit einem Lappen stopfen will und wir nicht in eine gemeinsame Richtung rudern, gehen wir unter!", erklären BDM-Kreisvorsitzender Franz Schweitzer, Oberried, Landesvorsitzenden-Stellvertreter Anton Rombach, Stegen-Eschbach, und Landwirt Eugen Lorenz.

Es gibt im Land nur noch halb so viele Höfe wie vor zehn Jahren

Matthias Mayer, Kirchzarten, einer der ersten, die mitmachten: "Wir kämpfen für unsere Familie, die die Arbeit schultert, jeder muss seinen Hof retten, 1999 gab es noch 22 000 in Baden-Württemberg, heute existiert nur noch die Hälfte". Auch er hält Mahnwache vor der genossenschaftlichen Breisgau-Molkerei und beobachtet den Milcheingang. "Faire Milch" beispielsweise wäre eine konstruktive Idee, doch Handel und Milchindustrie arbeiten dagegen. Darum setzen die Bauern auf vielerlei Aufklärungsaktionen angesichts des Lieferstopps: "Es ist der erste europäische Lieferstopp" – und, wenn er nicht greift, auch der letzte. "Die Solidarität mit den europäischen Kollegen so lange wie möglich aufrechterhalten", dafür setzt sich Schweitzer ein. Der Streik vergangenes Jahr habe zu schnell geendet. Immer mehr Mitglieder des Bundes Deutscher Milchbauern (BDM) erklären sich solidarisch mit ihren Berufskollegen auf der französischen Seite, zunehmend schließen sich Milchbauern aus anderen europäischen Staaten an. "Und es gibt noch immer Landwirte, die zögern, mitzumachen", das kann Landwirt Paul Stiegeler nicht verstehen.

















Autor: Monika Rombach