Von Franz Schubert bis zu den Prinzen

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Do, 03. Januar 2019

Oberried

Jahreskonzert des Männergesangvereins Oberried.

OBERRIED. Es ist der etwas andere Chor im Dreisamtal und wahrscheinlich auch in der weiteren Umgebung. Der Männergesangverein (MGV) Schwarzwald aus Oberried hat sein Repertoire mit dem Blick über den nationalen Tellerrand hinweg und ohne Berührungsängste mit Rock- und Pop-Titeln erfrischend erweitert. Der Mehrgenerationenchor scheut sich nicht, seine gesangliche Qualität, die ihm das offizielle Prädikat Konzertchor eingebracht hat, bei Auftritten wie dem jüngsten Konzert mit lockeren und einfallsreichen Choreografien anzureichern. Ein gutes Dutzend der Sänger wandelt zudem unter dem Label Ohrwürmer erfolgreich in den Spuren angesagter A-cappella-Gruppen. So kann der MGV aus dem Vollen schöpfen, und das hat sich offenbar herumgesprochen, denn die Goldberghalle war beim Jahreskonzert rappelvoll.

Das Opening gehörte allerdings dem Kinder-Projektchor aus Oberried. Michael Weh, im 20. Jahr musikalischer Leiter des MGV, ist sich nicht zu schade, auch die Jüngsten für das Singen zu begeistern. Er führte elf beherzte Schülerkehlen in nur drei Proben zu einem weihnachtlichen Kurzprogramm, das neben zwei Liedern über den Stern zu Bethlehem den Friedenskanon "Shalom chaverim" und "Irish Blessing" in deutscher Übersetzung enthielt. Verdienter Lohn: je ein Kinogutschein für alle aus der Hand des MGV-Vorsitzenden Gerald Lauby.

Ebenso weihnachtlich war dann der erste Programmteil des Gesamtchors. Auf einen gefühlvollen Satz des traditionellen "Macht hoch die Tür" folgte mit "Das Licht aus dunkler Nacht" eine ebenso gefühlvolle deutsche Adaption von "Gesú Bambino" von Pietro Yon.

Schwungvoll folgte dann José Felicianos "Feliz Navidad" im Chacha-Rhythmus, unterstrichen durch Cajón-Percussion. Einen ersten Höhepunkt setzte der Chor mit dem poppigen "You raise me up" von Rolf Løvland und Brendan Graham. Gerald Lauby (Tenor) und Gerhard Thomann (Bassbariton) glänzten mit kraftvollen Soli. Der Wechsel ins Klassik-Fach wurde durch Franz Schuberts italophiles Lied "Gondelfahrer" eindrucksvoll eingeleitet und bereitete den Weg für den Stargast des Abends. Die mit dem Chor bereits mehrfach aufgetretene Opern-Sopranistin Petra Labitzke aus Köln schlüpfte als Marie in die Rolle der Marketenderin in "La fille du Regiment" von Gaetano Donizetti. Hier wie im Lied der "Vilja" aus Franz Lehars "Lustiger Witwe" ergänzten sich Chor und Solistin kongenial und stimmgewaltig und ernteten langanhaltenden Beifall.

Wieder allein auf sich gestellt präsentierte der Chor die von Tommaso Giordani komponierte Gedichtvertonung "Caro mi oben" und zeichnete anschließend mit der "Borromeo Suite" von Luigi di Ghisallo ein farbenprächtiges Bild der drei Borromäischen Inseln im Lago Maggiore. Beide Werke wurden in der Originalsprache Italienisch gesungen, und selbst in der Fremdsprache artikulierten die Sänger präzise und verständlich. Dies ist nur ein Merkmal der weit entwickelten handwerklichen Klasse des MGV. Stets verlässlich begleitet wurden die Sänger von Barbara Sachs am Klavier.

Lockere Performance, launige Ansagen

Nach der Pause schlug die Stunde der vereinseigenen Ohrwürmer. Die zwölfköpfige Spezialeinheit enthüllte in Nachfolge zu den Prinzen, dass ja "Alles nur geklaut" sei. Zu den Sängern stieß dann erneut Petra Labitzke, und gemeinsam intonierten sie höchst vergnüglich "Er gehört zu mir" nach der Charts-Version von Marianne Rosenberg. Im Lied über die aus der Ferne angebetete Liebe "Lara" von der Boy-Group Basta enthüllte Solist Gerald Lauby, dass er ihr zuliebe – um seine Chancen zu erhöhen – sogar jeden Tag ein Schwimmtraining absolviere, da sie ja vornehmlich auf Schwimmer stehe. Der poppige Reigen schloss mit dem fetzigen Bee-Gees-Hit "How deep is your Love" aus dem Film "Saturday Night Fever".

Lockere Performance, präziser, mitreißender Gesang und ausgearbeitete Choreografien, die auch das Auge zu seinem Recht kommen ließen, begründeten den großen Publikumsjubel.

Auch der Gesamtchor kann’s leicht: Im Schlussteil boten die Sänger mit "Oh happy Day" eine schwungvolle Version des Gospel-Hits und eine Interpretation von "Sing, sing" des Swing-Heros Benny Goodman. Addiert man zu allen musikalischen Genüssen die launigen Ansagen des Moderatoren-Duos Peter Bolands und Joachim Hölderle, die sie unter anderem mit Vierzeilern von Wilhelm Busch und Heinz Erhardt angereichert hatten, kann ein gelungener Abend zur vollsten Zufriedenheit der Besucher resümiert werden.