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02. Februar 2012
Ziel ist ein gemeinschaftliches Dorf
Die Gemeinde Oberried prüft die Chancen für ein Generationsprojekt auf dem Areal der Ursulinen an der Brugga.
OBERRIED. Das Areal der Ursulinen, auf dem die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ein Behindertenwohnheim betreibt, steht wegen Umzugs der Einrichtung 2013 zur Disposition. In der Gemeinde Oberried gibt es Überlegungen, das Areal als zentralen Ort eines lokalen sozialen Netzwerks zur bürgerschaftlichen Selbsthilfe zu entwickeln. Damit will man auf die Auswirkungen der demografischen Entwicklung reagieren.
*Das Ziel ist: Erwerb und Nutzung durch die Gemeinde Oberried im Rahmen eines gemeinnützigen und sozial ausgerichteten Bürgerprojekts zur Seniorenbetreuung und Familienförderung. Der Gemeinderat hat am 22. März 2011 den Bereich des Behindertenheims mittels Erweiterungssatzung in das bereits bestehende Sanierungsgebiet Ortsmitte Oberried einbezogen und damit städtebaulich, förder- und steuertechnisch die Voraussetzungen für die dargelegte Zielsetzung optimiert. Der durch viele Projekte renommierte Sanierer Willi Sutter hat das bestehende Objekt in Augenschein genommen.Der Gebäudekomplex besteht aus zwei Gebäudeteilen, die durch einen Zwischenbau gekoppelt sind. Der ältere Gebäudeteil im westlichen Bereich stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Der jüngere Gebäudeteil wurde in den sechziger Jahren erbaut. Das ebene Grundstück mit seinen Gebäuden liegt zentral in der Ortsmitte zwischen Brugga und Kreisstraße, die in den Ortskern führt. Die Ortsmitte ist zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Im Hinblick auf den verschärften Hochwasserschutz könnten im Rahmen von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen Einschränkungen, beziehungsweise Auflagen hinsichtlich der Nutzbarkeit und Bebaubarkeit gegeben sein. Das Grundstück ist überdurchschnittlich hochwassergefährdet.
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Der Gebäudeteil im östlichen Bereich ist durch einen Außenaufzug barrierefrei erreichbar. Im Innern sind die beiden Geschosse wiederum durch einen Aufzug miteinander verbunden, so dass auch hier Barrierefreiheit gegeben ist. Das Gebäude ist im Moment mit mehreren Einzel- und Doppelzimmern ausgestattet, die jeweils über getrennte Bäder vor den Zimmern verfügen. Die Substanz ist sanierungsbedürftig und entspricht in allen Anforderungen nicht mehr heutigen Standards. Das betrifft vor allen Dingen den ungenügenden Wärmeschutz.
Der Gebäudeteil 1 eignet sich durch die bisherige Raumaufteilung und Anordnung der Flure für die Unterbringung von Wohngruppen für ältere Menschen, aber auch in Teilbereichen für einen Umbau in Appartements für ältere Paare oder Einzelpersonen. Diese sind bereits im obersten Geschoss vorhanden. Im Untergeschoss befinden sich ein kleines Schwimmbad und die Großküche. Dieser Bereich könnte der Fitness dienen und eine Versorgung vor Ort ermöglichen.
Das ältere der beiden Gebäude (Gebäudeteil 2) ist in seiner Grundsubstanz zwar erhaltenswürdig, muss aber grundlegend saniert werden. Es gibt Mängel im Bereich des Wärmeschutzes und der Fenster, ebenso des Daches. Das Gebäude ist einerseits an den jüngeren Gebäudekomplex durch den Zwischenbau angebunden, verfügt indes über einen getrennten Eingang. Das ermöglicht eine unabhängige Nutzung, bietet aber auch die Möglichkeit der Kopplung an die Einrichtung für ältere Menschen. Hier ist ein Miteinander von Alt und Jung vorstellbar. Unterstützung beim Einkauf oder Babysitten.
Beide Gebäudeteile sind in ihrer Gesamtheit nach Einschätzung von Sanierer Sutter für die angestrebte Nutzung geeignet, allerdings mit einem hohen Kostenaufwand.
Die Gemeinde Oberried möchte sich in den kommenden Jahrzehnten in unterschiedlicher Weise den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen. Der Wegzug älterer Menschen zwingt dazu, die Attraktivität des Ortes zu erhöhen. Noch 2012 soll der Handlungsbedarf ermittelt werden. Schon heute steht fest, dass es in Oberried zu wenig barrierefreie Wohnungen gibt. Ebenso fehlt es an Wohn- und Pflegeangeboten für von Demenz betroffene Personen. Sie müssen, wenn die häusliche Versorgung nicht mehr möglich ist, Oberried verlassen.
Die Gemeinde Oberried erwirbt die Grundstücke und sichert den heutigen Eigentümern (Ursulinen) zu, diese nur für die beschriebenen Zwecke zu nutzen. Voraussetzung für den Erwerb der Grundstücke durch die Gemeinde ist es, dass diese spekulativer Investitionen entzogen werden. Die Gemeinde könnte die Grundstücke selbst nutzen oder über ein Erbbaurecht anderen gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Die Grundstücke könnten auch in eine Stiftung eingebracht werden. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten.
Das Nutzungskonzept würde sowohl barrierefreie Wohnungen, Familienwohnungen, Wohnungen für ältere Menschen und Wohnraum für eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz und Pflegebedarf vorsehen. Investitionen könnten durch eine Baugenossenschaft erfolgen. Die Einbindung von Genossenschaften bietet sich an, weil sie keine gewinnorientierten Kapitalgesellschaften, sondern zweckorientierte Gemeinschaften bilden, die das Gemeinwohl verfolgen. Auch hier gibt es noch andere Möglichkeiten.
2012 wird zum entscheidenden Jahr in der Projektentwicklung. Noch ist nicht klar, ob der eingeschlagene Weg zum gewünschten Ergebnis führt. Die Verhandlungen mit den Ursulinen sollten zügig geführt werden, da der Orden Ende des Jahres Oberried verlässt.
Das dem Gemeinderat vorliegende Konzept wurde von Bürgermeister Franz-Josef Winterhalter mit Unterstützung von Professor Thomas Klie, Experte auf dem Gebiet der Gerontologie und Geriatrie, und Willi Sutter erstellt, der auch für die Sanierung der Klosterscheune verantwortlich war. Dem Konzept ist ein Auszug aus dem Kreisseniorenplan 2015 und eine Stellungnahme des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes zum Thema Kommunen und Genossenschaften im Jahr 2012 beigefügt.
Wie einem Bericht der Sozialstation Dreisamtal zu entnehmen ist, lebten zum 31. Dezember 2010 in der rund 2800 Einwohner zählenden Gemeinde Oberried 485 Personen über 65 Jahre.
Autor: Wolfgang Grosholz


