OECD lobt deutsche Kitas

dpa

Von dpa

Mi, 12. September 2018

Deutschland

Bildungsstudie zeigt aber auch, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund oft abgehängt sind.

BERLIN (dpa). Kinder aus ärmeren Familien schaffen in Deutschland oft keinen Aufstieg durch Bildung. Für die Mehrheit der jungen Menschen sind die Bildungs- und Berufschancen dagegen gut bis ausgezeichnet. Lehrer verdienen zudem hierzulande im internationalen Vergleich besonders viel. Das zeigt eine neue Studie, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin präsentierte.

Zu den Fortschritten zählt, dass weit mehr Kinder als früher eine Kita besuchen. Der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die in frühkindliche Bildungseinrichtungen gehen, stieg von 17 Prozent 2005 auf 37 Prozent 2016. Dabei ist der Betreuungsschlüssel in Deutschland überdurchschnittlich: Knapp zehn Kinder kommen auf eine Kita-Erzieherin – OECD-weit sind es mehr als 14. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hob die Fortschritte bei der frühkindlichen Bildung hervor, betonte aber: "Kinder aus ungünstigen sozialen Schichten, die es am dringendsten brauchen, bekommen in Deutschland am wenigsten frühkindliche Bildung. Diese soziale Schere ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen."

Der Anteil junger Erwachsener ohne Abitur oder Berufsabschluss sank binnen zehn Jahren leicht von 15 auf 13 Prozent. Diese jungen Menschen sind besonders von Arbeitslosigkeit bedroht – die Beschäftigungsquote liegt hier nur bei 55 Prozent. Akademiker oder Meister bekommen zu 87 Prozent einen Job. Dabei sind die Berufsaussichten auch nach einer Ausbildung gut. "Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen in Deutschland einen sicheren Weg in die Beschäftigung", so die OECD. Schwer haben es junge Menschen mit Migrationshintergrund. So sind 24 Prozent nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung.

"Es gibt Erfolge, und manches läuft auch gut", sagte der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer. Vieles sei aber verbesserungswürdig. "Deutschland muss besser werden, wenn es sich erfolgreich den Herausforderungen der Zukunft stellen will." So seien über 40 Prozent der Lehrer hierzulande über 50 Jahre alt. "Absehbar werden hunderttausende neue Lehrer gebraucht." Bei den Lehrergehältern liegt Deutschland mit an der Spitze. Lehrer der Sekundarstufe I verdienen im Schnitt gut 54 000 Euro, fast doppelt so viel wie im OECD-Schnitt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte: "Natürlich gibt es noch eine Menge zu tun, doch die Fortschritte sind erkennbar und deutlich." Das Bildungssystem eröffne Chancen, berufliche und akademische Bildung seien gleichwertige Karrierealternativen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Ressortchef Helmut Holter, forderte höhere Bildungsausgaben.