Als Gasthörer regelmäßig in Uni-Vorlesungen

Rosel Kesel

Von Rosel Kesel

Do, 13. September 2018

Offenburg

IM PORTRÄT: Erwin Hampp, langjähriger Leiter des Straßenbauamtes, wird 80 Jahre alt / Noch immer reiselustig und wissensdurstig.

OFFENBURG. Einen Gesprächstermin mit Erwin Hampp zu finden, ist nicht leicht. Kaum aus dem Urlaub in der Provence zurückgekehrt, werden schon wieder die Koffer gepackt – wobei Ehefrau Nicole dezent stöhnt. Die nächste Reise geht ins Allgäu, wo der ehemalige Leiter des Straßenbauamtes Offenburg diesen Donnerstag in Kempten seinen 80. Geburtstag mit Verwandten und alten Bekannten feiern will; Tochter Véronique kommt aus Marseille.

Dass Hampp aus dem Allgäu stammt, lässt sich aufgrund seines Dialektes kaum leugnen. Dass die Allgäuer wortkarg seien oder gar eigenbrötlerisch, kann man nicht nachvollziehen, wenn man Erwin Hampp kennt, der stets charmant ist und eine offene Art hat.

"Man sieht, was man gemacht hat"

Geboren wurde Erwin Hampp in Memmingen, er wuchs in Oy auf und erinnert sich noch gerne an die wunderbare Zeit seiner Kindheit. Nach dem Abitur sei er ziemlich ratlos gewesen, was seine berufliche Zukunft betrifft. Für ihn hilfreich war der damalige Straßenbau-Boom: Überall waren Brücken, die den Abiturienten faszinierten, und so entschied er sich für ein Studium an der TH München. Bevor sich der Diplom-Bauingenieur nun ganz dem Beruf widmete, wollte er erst noch einen Auslandsaufenthalt absolvieren. Ein Stipendium an der Ecole Nationale Supérieure in Toulouse ermöglichte es. An der Universität lernte Hampp seine Frau Nicole kennen, die Spanisch studierte. Nach einem Jahr sah Hampp sich nach einer Arbeitsstelle um, die er in Frankfurt bei der renommierten Baufirma Wayss & Freytag fand. 1966 heiratete das Paar und bezog eine Wohnung in Straßburg, wo Nicole als Gymnasiallehrerin tätig war. Nach vier Jahren, so Hampp, habe er festgestellt, dass der Arbeitsplatz für ihn nicht das war, was er sich von seinem Beruf erhoffte. Er wollte eher eine Tätigkeit, die etwas für die Allgemeinheit bringt, außerdem habe er eine Stelle gesucht, die näher an seinem Wohnort war. Er bewarb sich bei der Baden-Württembergischen Straßenbauverwaltung und wurde nach Ablegen der zweiten Staatsprüfung beim Straßenbauamt Offenburg eingestellt. Die Familie wohnte bis 1977 in Straßburg.

Der tägliche Weg zur Arbeit sei lästig gewesen, wenn an der Grenze mal wieder Dienst nach Vorschrift gemacht wurde – heute sei das ja kein Thema mehr. Eine Wohnung in Offenburg war die Lösung des Problems, auch sollten die Kinder eine deutsche Schule besuchen für den Fall einer Versetzung des Vaters in eine Stadt, die nicht in Grenznähe liegt. Seine Berufswahl hat Erwin Hampp nie bereut, und man spürt beim Erzählen, mit welcher Freude er diesen ausgeübt hat: "Man sieht, was man gemacht hat". Wichtige Bauwerke seien die Tunnel bei Wolfach, Hausach und Hornberg gewesen, ein für ihn damals neues Terrain. Beim Bau der Pflimlin-Brücke über den Rhein waren seine sehr guten französischen Sprachkenntnisse von großem Vorteil. Neben der technischen Seite habe er in seiner Tätigkeit besonders die Personalführung geschätzt wie auch die Kontakte nach außen.

Als er 2003 altersbedingt pensioniert wurde, sei das für ihn eine schwierige Zeit gewesen – er hätte gerne noch länger gearbeitet. In seinem Arbeitszimmer steht der Pensionär vor den in Regalen wohlgeordneten Büchern, für die er noch die Zeit sucht, sie zu lesen: Der Senior interessiert sich für Archäologie, Kunst, Religion und Wandertouren. Gerne liest er auch Romane und Krimis – dass die Allgäu-Krimis mit Kommissar Kluftinger dabei sind,versteht sich von selbst. Den Urlaub verbringt dass Ehepaar seit einigen Jahren in der Provence, am Fuße des Mont Ventoux. Beim Wandern ist Hampp lieber allein, da braucht er keine Gesellschaft. Den Jakobsweg hat er auf der französischen Seite begonnen, bis nach Santiago de Compostela fehlen noch einige Etappen. Vielleicht geht er aber noch einmal den Stevensonweg in den Cevennen. Beim Besuch in Marseille stellt der Opa mit Vergnügen fest, wie seine Tochter mit seinen Enkelinnen Louise und Emma konsequent deutsch redet, diese aber ebenso konsequent französisch antworten – und alle verstehen sich. Die Frage, ob er, falls möglich, im Nachhinein etwas in seinem Leben ändern würde, beantwortet er mit einer Gegenfrage: "Wer ist mit seinem selbst gestalteten Leben voll zufrieden?"

Erwin Hampp fährt jeden Mittwoch und Donnerstag nach Freiburg. Als Gasthörer sucht er die ihn interessierenden Uni-Vorlesungen aus. 30 Mal hat er das Sportabzeichen abgelegt und ist auch mit 80 Jahren noch recht fit. Er lebt gerne in Offenburg, es habe ein Flair, das ihm gefällt und das von der Vermischung mit dem nahen Frankreich profitiert. Der Lieblingsort des Seniors ist der Garten am Haus, der wenig Pflege brauche, er lasse alles wachsen, was von selbst komme, lediglich der Rasen wird gemäht.

Zur Person: Erwin Hampp wurde in Memmingen geboren und war von 1990 bis 2003 eiter des Straßen- bauamtes Offenburg. Er ist Mitglied beim TuS Rammersweier und im Deutsch-französischen Freundeskreis.