Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
20. April 2009
Arbeitsleistung und Wahnvorstellungen durch Drogen
Computerfachmann putschte sich für seinen Programmiererjob auf und muss sich jetzt dafür vor Gericht verantworten
OFFENBURG. Um seine Arbeitsleistung auf einem hohen Niveau zu halten, hat ein 27-jähriger Computerfachmann exzessiv verbotene Substanzen konsumiert. Er muss sich deshalb vor dem Landgericht Offenburg dafür verantworten. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten fand die Polizei nicht weniger als 9,6 Kilogramm Haschisch, vier Kilogramm Marihuana und 300 Gramm Amphetamin, auch Speed genannt, ein verbotenes Aufputschmittel.
Zu der Durchsuchung kam es, weil der junge Mann kanadischer Abstammung am Bahnhof Kehl mit 195 Gramm Haschisch erwischt worden war, die er im Schuh versteckt hatte. Der Software-Entwickler war bereits zuvor als Drogenkonsument aktenkundig.
Vor dem Gericht räumte er die ihm zur Last gelegten Vergehen umstandslos ein. Leugnen wäre angesichts der Sachlage auch nicht hilfreich gewesen. Des Weiteren schilderte er im Detail seinen exzessiven Drogenkonsum. Demnach will der Mann täglich zwei bis drei Gramm Haschisch oder Marihuana konsumiert haben, mehrfach wöchentlich das verbotene Aufputschmittel Ecstasy sowie "viel Speed, wegen der Arbeit", wie der junge Mann erklärte. Er habe die Drogen genommen, um leistungsfähig zu sein. Er habe wöchentlich 50 bis 70 Stunden PC-Programme entwickelt. Im Zuge einer Entgiftungskur habe er es ohne versucht, aber es habe nicht funktioniert: "Ich hatte keinen Fluss und keine Ideen. Es war wie ein Stau im Kopf. Mit den Drogen konnte ich ständig lang arbeiten ohne Problem."
Werbung
Was so nicht stimmt, denn der 27-Jährige erzählte auch von paranoiden Wahnvorstellungen, die ihn mit der Zeit befielen. So glaubte er sich von der "russischen Mafia" verfolgt und bedroht. Bei Bahnfahrten habe er die Titel von Büchern, die Mitreisende lasen, als verschlüsselte Botschaften aufgefasst. Lediglich in seinen eigenen vier Wänden habe er sich völlig sicher gefühlt. Auch sozial war er offenbar isoliert. Seine Freundin habe sich von ihm getrennt. Am Wochenende suchte er Diskotheken mit elektronischer Rockmusik auf und konsumierte massiv Ecstasy.
Die Drogenkarriere des 27-Jährigen begann in der Schulzeit durch einen Freund. Geboren ist der Angeklagte in Frankreich. Sein mittlerweile verstorbener Vater war Angehöriger der kanadischen Streitkräfte. Durch dessen Versetzung sei er als Vierjähriger ins Badische gekommen, habe unter anderem die kanadische Schule in Söllingen besucht. Die Schulzeit habe ihm nicht so zugesagt, im Gegensatz zu seiner Ausbildungszeit zum Fachinformatiker und Softwareentwickler bei einer am Baden-Airport Söllingen ansässigen Firma. Er habe oft auch samstags und sonntags gearbeitet – allerdings schon mit Hilfe von Drogen. Die Arbeit habe er verloren, weil er wegen der Drogen mit dem Gesetz in Konflikt kam.
Nach einer Zeit ohne Arbeit habe er eine Ich-AG gegründet, mit guter Auftragslage. Einer seiner Kunden aus Österreich habe ihm dann gebeten, exklusiv für ihn zu arbeiten. Er habe in der Folge Programme unter anderem für österreichische Wirtschaftsverbände entwickelt. Dennoch meldete der 27-Jährige Privatinsolvenz an. Angeblich sei seine Wohnung zu teuer gewesen. Auch habe er sich mit Versicherungen und Ratenkäufen verschuldet. Auf die Frage, wie er seinen Drogenkonsum finanziert habe, verweigerte er jedoch eine Antwort. Ein Urteil wird Mitte dieser Woche erwartet.
Autor: Robert Ullmann
