Aufschlag in die Zukunft

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mi, 16. Januar 2019

Volleyball

NACHGEFRAGT: In der Regionalliga spielt das Team, das zukünftig das Offenburger Frauenvolleyball tragen könnte.

VOLLEYBALL. Die gewohnte Qualität im Frauen-Volleyball in Offenburg ist eine hohe. Angesichts dessen öffnet ein Besuch in der Regionalliga die Augen. Das ist kein Vorwurf an die junge Mannschaft, die dort die Tabelle anführt. Erkennbar wird, welche Entwicklung in der vergangenen Dekade beim VCO vollzogen wurde.

Tanja Scheuer, die Trainerin des Regionalligateams, gibt von der Seitenlinie Anweisungen. Ruhig, überlegt. Lisa Solleder dirigiert das Team auf dem Feld. Michael Gabler sitzt recht entspannt auf dem Stuhl, der dem Co-Trainer vorbehalten ist. Auf einem Schreibblock notiert er fleißig, was an Fehlern auffällt. Es ist an diesem Samstag etwas mehr Arbeit als sonst. "Der Januar ist bei Hobbymannschaften gerne etwas zerfahrener", erklärt der erfahrene Mann verständnisvoll. Die Trainingseinheiten waren unterbrochen durch den Jahreswechsel und dabei ging einiges von der Abstimmung verloren, die ansonsten in drei Trainingseinheiten pro Woche eingeübt wird. Dies zeigte das Spiel gegen den Tabellenletzten USC Freiburg. Phasenweise wirkte der 3:0-Erfolg wie eine Qual – zur echten Herausforderung für das Offenburger Topteam in spe wurde es nicht, obwohl es in jedem Durchgang galt, einen Rückstand aufzuholen. Nach 67 Minuten stand der neunte Sieg im neunten Spiel fest.

Die Regionalligamannschaft rückt nicht nur als bislang unbesiegter Tabellenführer in den Fokus. Seit der Verein mit dem Gedanken spielt, in der Zukunft nur noch in der Dritten Liga aufzuschlagen, nimmt das Interesse an dieser Mannschaft zu, die nur aus eigenen Akteurinnen gebildet ist. Immerhin rund eine Hundertschaft an Fans hat sich auf dem Mittelblock der Tribüne versammelt. Fans und natürlich die Eltern von Spielerinnen, die gut zu erkennen sind: Da wird schon einmal das Handy gezückt und das Spiel der Tochter digital festgehalten. Es ist ein Ausflug in die Vergangenheit. Die elektrische Anzeigentafel bleibt aus. Die Täfelchen am Tisch der Anschreiber sind die einzige Orientierung für die Zuschauer.

Und auf dem Spielfeld? Da reibt sich der zweitliga-verwöhnte Zuschauer verwundert die Augen. Die Aktionen sind weit weniger abgestimmt. Der Zufall prägt viele Ballwechsel und Punkte. Taktische Strategien beim Gegner sind keine zu erkennen. Und so plätschert das Spiel dahin, mit klar erkennbaren Vorteilen bei den individuellen Qualitäten auf der Offenburger Netzseite. Lisa Solleder, die vor einem Jahr noch in der Zweiten Liga schmetterte, stellt fest: "Es fällt mir manchmal schwer mit dem Angriff, da ich noch die Pässe der Damen eins gewohnt bin." Die sind schneller, ebenso wie das gesamte Spiel. "In der Regionalliga ist alles viel langsamer", sagt die Angreiferin. Es ist Amateurvolleyball mit viel Leidenschaft, wie Michael Gabler sagt.

Tanja Scheuer hat es hernach eilig, sammelt Tochter Leni ein, die noch mit ihrer Trainerin Nele Iwohn spielt. "Morgen ist in Freiburg das erste Turnier für die Kleinen." Mit Greta Konprecht bildet die Trainertochter "das Traumduo", so die Mutter. 2011 und 2012 sind die beiden Mädels geboren. Es geht also weiter im VCO. Trainieren, trainieren, trainieren, dieses Motto gab Tanja Scheuer den Mädels in der Regionalliga mit auf den Weg. Nicht nur ihnen.