Planungen

Bahn wirbt für zweiröhrigen Tunnel in Offenburg

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Fr, 27. Juni 2014 um 07:30 Uhr

Offenburg

Nach fast einjähriger Pause kommt wieder Bewegung in den Offenburger Tunnelkampf: Die Bahn setzt in Offenburg klar auf einen zweiröhrigen Tunnel und wünscht sich dafür die Unterstützung der Stadt.

In nichtöffentlicher Runde haben Vertreter der DB Netz AG am Mittwoch aufgezeigt, dass eine zweiröhrige Lösung erhebliche Vorteile gegenüber nur einer Röhre hat, wie Offenburg sie bisher vehement fordert. Noch vor der nächsten Sitzung des Projektbeirats am 14. Juli in Berlin muss der Gemeinderat daher in einer Sondersitzung seinen bisherigen Beschluss kippen – oder zumindest erweitern.

Nach fast einjähriger Pause kommt wieder Bewegung in den Offenburger Tunnelkampf: Am 14. Juli befasst sich der Projektbeirat in Berlin mit der Forderung nach einem Güterzugtunnel. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben im Vorfeld zwei Experten der Bahntochter DB Netz am Mittwoch vor dem Planungsausschuss in Offenburg ihre Untersuchungen zu den möglichen Tunnelvarianten vorgestellt. Die Sitzung fand im Vorfeld der nächsten regionalen Runde des Clusters 3 (Abschnitt Offenburg-Riegel) statt, die Anfang Juli tagt und die Beratung im Projektbeirat in Berlin vorbereitet.

Zu wenig Platz in Lahr für Verlegung des Güterbahnhofs?

Die Kosten werden bisher je nach Ausführung auf 767 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Andere Zahlen gab es auch am Mittwoch nicht. Am günstigsten bleibt ein einröhriger Tunnel mit zwei Gleisen und Anschluss an eine autobahnparallele Trasse, am teuersten ein zweiröhriger Tunnel mit Anschluss an die bestehende Rheintalstrecke. Schon aus politisch-taktischen Gründen pochten die Stadt und die große Mehrheit im Gemeinderat bisher auf einen einröhrigen Güterzugtunnel: Zum einen gibt es die Angst, als ICE-Halt abgehängt zu werden, weil dann auch Personenzüge Offenburg umfahren könnten. Zum anderen geht die Stadt mit der finanziell günstigsten Lösung ins politische Finanzierungs-Rennen, wenn sie einen einröhrigen Tunnel fordert.

Zweiröhriger Tunnel hat erhebliche Vorteile

Davon soll sie nun abkehren, geht es nach der Bahn AG. BZ-Informationen zufolge haben die Vertreter der DB Netz in Offenburg sehr überzeugend dargelegt, dass ein zweiröhriger Tunnel ganz erhebliche Vorteile hat – und das nicht nur betriebstechnisch. Bei nur einer Röhre müsste unter anderem massiv in FFH-Gebiete eingegriffen werden: Weil im Notfall nicht auf eine zweite Röhre ausgewichen werden kann, müssten alle 500 Meter Rettungsausstiege mitten im geschütztem Stadtwald eingerichtet werden – samt großflächigen Sammelplätzen, Hubschrauberlandeplätzen und Rettungszufahrten.

Nicht nur der Bund für Umwelt- und Naturschutz, auch die Bürgerinitiative Bahntrasse waren deshalb schon immer "zweigleisig" unterwegs: "Wir haben es im Projektbeirat immer offen gehalten, ob ein ein- oder zweiröhriger Tunnel gebaut wird", sagte Manfred Wahl im Vorfeld der nichtöffentlichen Sitzung. Für den BI-Vorsitzenden war schon länger klar, was die Vertreter der Bahn jetzt als Nachteil eines einröhrigen Tunnels nochmals darstellten: "Bei einer Betriebsstörung oder bei Wartungsarbeiten wird sonst der ganze Pulk an Güterzügen wieder über die alte Strecke mitten durch die Stadt geleitet."

Angst vor dem Verlust des ICE-Halts

Das bestätigten BZ-Informationen zufolge auch die Bahn-Experten. Sie machten deutlich, dass schon bei Routinekontrollen und Wartungsarbeiten, etwa dem schlichten Wechsel von Glühbirnen, ein einröhriger Tunnel gesperrt werden müsste. Weil solche Wartungsarbeiten in der Regel nachts stattfinden, müsste der oft kreischend laute und in jüngster Zeit für viele Offenburger spürbar zunehmende Güterzugverkehr vor allem nachts wieder mitten durch die Stadt geleitet werden.

Auch die Sorge nach einem Verlust des ICE-Halts teilte Wahl nie: "Dieses Argument hat schon dadurch seine Schlagkraft verloren, dass Offenburg zu den am meisten frequentierten Bahnhöfen gehört." Wie mehrere Räte am Mittwochabend der BZ bestätigten, ist ein "Abhängen" des ICE-Halts Offenburg auch für die Bahn-Vertreter kein Thema. Dies sei in der Sitzung glaubhaft versichert worden.

Gestreift wurde in der nichtöffentlichen Runde ebenfalls die Frage nach einer Verlegung des Offenburger Güterbahnhofs nach Lahr. Wie berichtet, ist im Projekt "Code 24" der Nachbarstadt angedacht, auf dem Flugplatz ein Logistik-Zentrum zu installieren. Nach Aussagen der Bahnvertreter in Offenburg soll der zur Verfügung stehende Platz in Lahr aber gar nicht ausreichen, um die sehr großflächigen Anlagen des Offenburger Güterbahnhofs aufzunehmen. Eine offizielle Bestätigung dieser Aussage gibt es möglicherweise von OB Edith Schreiner, die an diesem Freitag öffentlich machen will, was am Mittwoch hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde.

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