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22. Juli 2009
Bahnlärm gefährdet die Gesundheit
Entlang des Bahngrabens leiden 1800 unter nächtlichem Pegel von mehr als 60 Dezibel / Lärmaktionsplan wird offengelegt
OFFENBURG. Der Bau eines Güterzugtunnels ist die zentrale Forderung des Lärmaktionsplans: Die Analyse der vorgenommenen Kartierungen ergab, dass allein im Bereich des Bahngrabens 1800 Menschen mit einem nächtlichen Lärmpegel von über 60 Dezibel leben müssen. Diese Größe bedeute Gesundheitsgefahr, so Guido Kohnen vom beauftragten Ingenieurbüro, das gemeinsam mit der Stadt die Werte ermittelt und untersucht hat. Am Montag bringt der Gemeinderat den Lärmaktionsplan in die Offenlage.
"Wir leben in einer Stadt, in der Lärm zu den Top-Themen zählt", sagte Bürgermeister Dieter Eckert in der jüngsten gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Verkehrsausschuss. Die Stadt Offenburg gehöre daher zu den wenigen deutschen Kommunen, die sich intensiv mit dem aufwändigen Verfahren auseinandersetze und sich nicht mit der EU-Mindestkartierung zufrieden gebe: Ausgehend von der europäischen Richtlinie werden Straßen erfasst, die von mehr als 16 000 Fahrzeugen pro Tag genutzt, und Gleisverbindungen, die von mehr als 160 Zügen täglich befahren werden. Mit diesem "Flickenteppich" wollte man sich nicht begnügen, führte Kohnen aus und stellte die "gesamtkonzeptionelle Planung" vor.Werbung
Demzufolge gibt es in der Stadt 28 Aktionsbereiche, die in drei Kategorien eingeordnet werden. Obere Priorität haben Bereiche entlang des Bahngrabens sowie an der Okenstraße Richtung Windschläg. Hier sind konkrete und verbindliche Maßnahmen erforderlich. Für Bereiche der zweiten Priorität sollten möglichst noch in diesem Jahr Lärmschutzvorhaben beschlossen werden. Straßen, die zur dritten Priorität gehören, sollten in den kommenden Jahren angegangen werden. Bei gemeindeeigenen Verkehrswegen ist die Stadt Baulastträgerin. Bei Schiene oder übergeordneten Straßen müssen Bahn, Regierungspräsidium und weitere Träger öffentlicher Belange herangezogen werden. Dass hier bereits Nachholbedarf besteht, macht ein Blick auf die ausgebaute Bahnstrecke zwischen Appenweier und Offenburg deutlich: Bis heute hat die Bahn den zugesicherten passiven Lärmschutz nicht umgesetzt.
Die Stadt Offenburg hofft, mit einem Ende des Jahres verabschiedeten Lärmaktionsplan ein weiteres wirksames Mittel in der Hand zu haben, um auf die Bahn Druck auszuüben. Was den Bahngraben betrifft, geht es um vorgezogene Lärmsanierung, da heute schon die zuträglichen Werte überschritten werden. Entscheidende Forderung wird die nach einem Güterzugtunnel sein: "Eine Untertunnelung ist das Mittel der Wahl", so Eckert. Die Ergebnisse des Aktionsplans verdeutlichten: "Wir haben es hier mit einer Ex-tremsituation zu tun." Tiefbauchef Günter Häberle unterstrich die Wichtigkeit, den Plan noch im Dezember zu verabschieden: "Wir wollen diese Erkenntnisse in das Planfeststellungsverfahren 3. und 4. Gleis einfließen lassen."
Stimmt der Gemeinderat zu, wird der Aktionsplan vom 14. September bis 11. Oktober im Bürgerbüro Bauen offen gelegt werden und auch im Internet einsichtig sein. Zwei öffentliche Informationsveranstaltungen während der Offenlage sind vorgesehen. Die Sprecher aller Fraktionen begrüßten das Vorhaben und sprachen sich für eine Offenlage aus. Eine rege Bürgerbeteiligung sei jetzt ein wichtiges Signal, unterstrichen Heinz Hättig (SPD) und Thomas Marwein (Die Grünen). Willi Wunsch (CDU) störte sich daran, dass lediglich Durchschnittswerte und keine Spitzenwerte zugrunde gelegt werden: "Das verstehen die Bürger nicht."
Während Wolfgang Schrötter (Freie Wähler) sich erfreut darüber zeigte, dass sich die Stadt nicht mit dem Minimalstandard zufrieden gebe, verwies Thomas Bauknecht (FDP) auf die Folgekosten: "Die Umsetzung wird richtig Geld kosten." Häberle betonte, dass die Stadt für jede Baumaßnahme eine separate Kostenaufstellung vornehmen werde. Werner Heinze kritisierte, dass das Hauptaugenmerk auf die Bahn gelegt werde. "Wir sollten mehr tun."
Autor: Gertrude Siefke
