24. April 2009
"Bauminister lässt die Häuslebauer total im Stich"
OFFENBURG. Alle reden von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Auch für die Hersteller von Fertighäusern wird 2009 "ohne Zweifel ein schwieriges Jahr", sagte gestern in der "Sonne" in Offenburg Achim Hannott, der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, anlässlich einer Pressekonferenz der Messe Offenburg-Ortenau.
Allerdings, fügte Hannott hinzu, habe die deutsche Bauindustrie – ganz im Gegensatz zur Automobil- und Metallindustrie – "ihren Crash bereits drei Jahre hinter sich". So sei 2006 zunächst die Eigenheimzulage abgeschafft und gleich danach die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent angehoben worden: "Diese beiden Effekte haben innerhalb eines einzigen Jahres dafür gesorgt, dass die private Bautätigkeit bis heute um etwa 30 Prozent niedriger liegt als in all den Jahren zuvor." Wenigstens bei der Eigenheimzulage sehe man einen kleinen Silberstreifen am Horizont, zumal Bayerns Ministerpräsident deren Wiedereinführung öffentlich nicht ausgeschlossen hat. Natürlich sei dies nach wie vor eine politische Forderung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, "zumal sich die Bundesbürger ja das Eigenheim wünschen". Allerdings bekomme man diesbezüglich von der ganz großen Politik keine Rückendeckung: "Der Bundesbauminister lässt die Häuslebauer total im Stich." Er wisse auch nicht, sagte Hannott im Beisein von Vertretern zahlreicher deutscher Fertighausunternehmen, "ob jemand von Ihnen in Verbindung mit Bauen über Wolfgang Tiefensee was Gutes sagen kann". Offensichtlich sei die Zahl von rund 80 000 Häuslebauern (1- oder 2-Familienhäuser) für den Minister eine zu kleine Lobby.
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Die Fertighausunternehmen waren auf Einladung der Messe zusammengekommen. Immerhin steht seit 1983 auf dem Messegelände eine Fertighaus-Ausstellung, die Jahr für Jahr an Exemplaren zugelegt hat. Heute präsentieren auf mehr als 6000 Quadratmetern zwölf Unternehmen 13 wohnlich eingerichtete Häuser, darunter mit Weber-Haus, Schwörer-Haus, Okal, Bien-Zenker oder Kampa auch mit die renommiertesten ihrer Zunft. Das Offenburger Areal am südlichen Ende des Messeplatzes "ist eine der schönsten Fertighausausstellungen in der Republik". Und immerhin gebe es in Deutschland rund 20 größere Fertighaus-parks. Offenburg genieße auch den Vorteil, im Dreiländereck zu liegen. Auch die Umsätze, die über das Offenburger Ausstellungsgelände erzielt werden, seien respektabel. "Sie liegen im Vergleich mit anderen Parks nach wie vor im oberen Drittel", so Hannott. Insgesamt zeige die Entwicklung, dass deutsche Fertighäuser gerade im Ausland immer stärker nachgefragt werden. Die Schweiz sei inzwischen sogar schon der wichtigste Exportmarkt des Fertighausbaus. 2007 hätten deutsche Firmen dort 143 Fertighäuser errichtet. Lediglich ein Bruchteil davon seien nach Frankreich geliefert worden. Man habe das Gefühl, war aus der Runde zu vernehmen, als seien deutsche Unternehmen dort nicht wirklich gern gesehen. Bundesweit wurden 2008 rund 7100 Fertighäuser gebaut. Dass der Fertighausbau gerade in Baden-Württemberg im Trend liegt, belegen die aktuellen Zahlen. Im Ländle ist laut Statistik bereits jedes vierte neue Einfamilienhaus ein Fertighaus. Immer beliebter werden die Häuser, die in Holz-Fertigbauweise und besonders energiesparsam errichtet werden. Die Zeiten, da Fertighäuser gleichzusetzen waren mit schnell errichtet, aber billig und langweilig, seien längst vorbei, so Achim Hannott. Das Fertighaus sei heute nicht mehr günstiger als das konventionell errichtete, aber gerade in Sachen Wärmedämmung und Energiesparen sei es kaum zu schlagen. Im Übrigen würden in der Regel Festpreisgarantien von bis zu einem Jahr gemacht. Und ob Farbe oder Architektur, "wir können heute alle Wünsche erfüllen".
Autor: Hubert Röderer





