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15. März 2010 18:04 Uhr

Ausstellung

Bei Rassehunden muss die Optik stimmen

Rassehunde haben eine große Fangemeinde – anders lässt sich nicht erklären, dass 15.000 Besucher zur Hundeschau nach Offenburg geströmt sind. Die BZ hat sich unter Tiere und Menschen gemischt – und drei Videos und eine Reportage mitgebracht.

OFFENBURG. Wenn sich auch der Optimismus von Messechef Werner Bock ("Mit der Hundeschau beginnt der Frühling") nicht ganz bewahrheitet hat: Die Organisatoren der 23. Internationalen Rassehundeschau am Wochenende auf dem Messegelände zeigten sich zufrieden. Ausstellungsleiter Ulrich Reidenbach sprach von einer "sehr harmonischen Veranstaltung", die rund 15 000 Besucher aus ganz Südbaden und den angrenzenden Ländern nach Offenburg lockte.

In der Ortenauhalle geht es zu wie in einem riesigen Frisiersalon. Mit Schere und Kamm wird letzte Hand angelegt, die Vierbeiner sollen schließlich die Wertungsrichter überzeugen. Und da spielen nicht nur Größe, Proportionen und Gesundheitszustand eine Rolle. Auch die Optik muss stimmen. So dürfen die Ponyfranzen des Zwergschnauzers die schwarze Nase nicht bedecken, auch das Bärtchen muss regelmäßig gestutzt werden. "Das ist ja fast wie bei mir", meinte ein älterer Herr lachend im Vorübergehen. Maja, die Zwergschauzerin, ist eine Sporthündin und betreibt mit Frauchen Jessica Bensch das so genannte "Agility", bei dem es darum geht, eine Hindernisstrecke in einer vorgegebenen Zeit fehlerfrei zu bewältigen. Wegen des Schnees, der am Freitag noch das Außengelände des Messeareals bedeckte, mussten Vorführungen dieser Hundesportart abgesagt werden, was Reidenbach bedauert: "Das ist eben höhere Gewalt", so der Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg für Hundewesen.

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2868 Vierbeiner waren gemeldet, 238 Rassen und Varietäten konnten begutachtet werden, hinzu kamen rund 1500 Besucherhunde. Erstmals zeigten die Dackelfreunde ihre Landessiegerschau im Rahmen der Messe. Und die Eurasier, mit deren Züchtung vor 50 Jahren begonnen wurde, feierten den runden Geburtstag der Mischung aus Wolfsspitz und Chow-Chow ebenfalls in der Ortenau. Als "sehr gesunde, junge Rasse", beschreibt Gerhard Port vom Eurasier Klub in Weinheim die "absolut familienfreundlichen Tiere": Während bis zu 90 Prozent der Schäferhunde an Hüftschäden laborieren, taucht dieser Defekt nur bei 0,1 Prozent der Eurasier vor. "Wir machen keine Farbzucht", verweist Port auf das Erfolgsrezept. Eurasier gelten als zurückhaltende und abwartende Tiere, die sich in Wohnungen wohlfühlen, aber auch eine Bergtour packen. Port: "Er möchte dabei sein." Von einem "wir müssen draußen bleiben" hält der Eurasier nichts. Dennis Nehring ist mit Genghis aus Stuttgart angereist. Der schwarze Bouvier des flandres ist 19 Monate alt und bringt 45 Kilo auf die Waage. 60 Kilo seien bei den erwachsenen Tieren durchaus üblich, sagt Nehring, der seinen 19 Monate alten Prachthund mit täglich 1,5 Kilo Fleisch und Gemüse füttert.

Viel Auslauf und nette Leute – was will man mehr?

In Offenburg fühle er sich wohl, versichert der junge Mann, der bereits zum vierten Mal die Rassehundeschau besucht: Die Hunde hätten viel Auslauf, die Leute seien nett. Was will man mehr. Neben den Wettbewerben und den Vorführungen wird in der Baden-Arena alles rund um den Hund geboten. Besonders am Herzen liegt den Veranstaltern die Informationsschau "Welcher Hund passt zu mir?" Die 80-jährige Frau in ihrem kleinen Einzimmerappartement sollte sich einen möglichst kleinen Hund zulegen, dessen kurzes Haar auch mit einem Staubtuch gepflegt werden könne, empfiehlt Dietmar Paul. Der Mann vom Landesverband, der die Rassenpräsentation leitet, denkt dabei an eine französische Bulldogge oder einen kleinen Mops. Wer’s sportlich mag, liegt zum Beispiel mit einem Australian Sheppard richtig, der auch die längere Joggingstrecke locker durchhält.

Und die Familie mit drei kleinen Kindern? Paul zögert nicht lange: "Da würde ich von einem Hund abraten." Die Eltern hätten mit der Erziehungsarbeit der Kinder genug zu tun. Außerdem passiere es immer wieder, dass die kleinen Menschen den Vierbeiner so lang piesacken, bis dieser zuschnappe. Dann doch lieber erst einmal Stofftiere.

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Autor: Gertrude Siefke