Protest in Offenburg

Bühler sorgen sich um Dorfcharakter und machen gegen Großklinikum mobil

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Di, 15. Januar 2019 um 19:38 Uhr

Offenburg

Ein geplantes Klinikum mit etwa 40000 Patienten pro Jahr macht einige Menschen in Offenburg Angst. Sie machen nun gegen den vorgeschlagenen Standort am Holderstock mobil.

"Wir wollen möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger von unserer Meinung überzeugen und dafür gewinnen, mit uns gegen den Standort Holderstock zu kämpfen", stellte Karl Schmider, der 30 Jahre dem Ortschaftsrat angehörte, klar. Zusammen mit Rolf Anti, zehn Jahre Mitglied im Ortschaftsrat, und weiteren Mitstreitern hatte er dazu aufgerufen, alle Kräfte zu mobilisieren, um den von der Stadtverwaltung favorisierten Standort Holderstock für das neue Großklinikum zu verhindern.

Vielen sei nicht bewusst, dass die Standortfrage in den nächsten Monaten getroffen und der konkreten Planung zugrunde gelegt werde. Den favorisierten Standort werde der Kreistag im Mai benennen. Die bislang von Seiten der Stadtverwaltung herausgegebenen Informationen seien zu dürftig, um der Bevölkerung die Dimensionen und Auswirkungen des geplanten Projekts bewusst zu machen. Er befürchte, dass der Ortschaftsrat zwar, wie geplant, im weiteren Verlauf des Verfahrens beteiligt werde, jedoch zu einem Zeitpunkt, wenn sich für die Entscheidungsfindung verwertbarer Beitrag nichts mehr beisteuern ließe, weil die Weichen dann längst gestellt seien.

Auch Ortsvorsteher Georg Schrempp sagte, er vermisse bei den bisherigen Standortkriterien die Auswirkungen auf den Ortsteil und die Bewohner und wies darauf hin, dass die für das Großklinikum geplante Gesamtfläche von 20 Hektar in etwa der Wohnbebauung von Bühl entspreche. Rolf Anti listete zu befürchtenden Auswirkungen für den Ortsteil Bühl in drei Bereichen auf: Belastungen, Ortsentwicklung und künftige Entwicklung.

Teilnehmer: "Diese Laus muss aus unserem Pelz raus".

Unter den Belastungen, die mit dem Klinikum mit etwa 40 000 Patienten pro Jahr bei 1000 Betten anfallen würden, nannte er den Flugverkehr, ein eigener Helikopter für den Landkreis sei im Gespräch. Einsatzfahrzeuge, Notfallambulanz, Mitarbeiter-, Besucher- und Lieferverkehr von Kehl über Griesheim und Bühl nähmen deutlich zu, die Kehler Straße sei schon heute stark belastet, eine Überschreitung des Lärmgrenzwertes für Bühl besteht bereits jetzt. Weiter nannte er die Lichtemission, die Pflanzen, Tiere und Menschen beeinträchtige, die Luftemission und die Sicherheit der Radfahrer.

In Puncto Ortsentwicklung würde die Bebauung nach Flächennutzungsplan fraglich, es gebe kaum noch Flächen, die bebaut werden könnten. Der im Ortsentwicklungskonzept hinterlegte Grüngürtel gehe verloren, ebenso der Ortscharakter und die dörfliche Struktur, was den Ortsteil für junge Familien unattraktiv mache. Deutlich wies Anti darauf hin, dass die angegebenen 20 Hektar und vier Hektar Erweiterungsfläche für das Großklinikum nicht zukunftsorientiert seien, bei dieser Fläche würde es nicht bleiben. Zu erwarten seien optionale Einrichtungen wie Reha-Klinik, Seniorenzentrum, Patientenhotel auf möglicherweise 46 Hektar Gesamtfläche. Bühl, Bohlsbach und Offenburg würden verschmelzen.

Die anschließenden Wortbeiträge blieben weitgehend sachlich. Zur von den Offenburger Grünen erneut vorgebrachten Forderung, den Standort Ebertplatz für den Klinikneubau zu prüfen wurde angemerkt, die Stadt hätte daran wohl kaum Interesse, denn sie wolle auf dem Areal Wohnraum schaffen. Auch der Vorwurf, es werde nach Kapital entschieden, nicht nach Zweckmäßigkeit stand im Raum. "Diese Laus, die man uns in den Pelz gesetzt hat, muss raus", formulierte ein Diskussionsteilnehmer drastisch.

Es ginge nicht darum, den Klinikstandort nach dem Sankt Florians-Prinzip anderen zuzuschieben", erklärte Schmider, sondern den "denkbar ungeeigneten Standort Holderstock" zu verhindern. Dazu wolle man Bürgerbeteiligung aktivieren und Griesheim sowie Bohlsbach mit ins Boot zu holen. Gemeinderat, Oberbürgermeister und Landrat sollten zum Gespräch eingeladen werden. Als weitere Möglichkeit wurde eine Unterschriftenaktion in Erwägung gezogen.