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30. März 2010

Bürkle springt in Gengenbach ein

Dekan und früherer Vikar ersetzen freigestellten Stadtpfarrer.

  1. Dekan Matthias Bürkle Foto: privat

OFFENBURG. Die katholische Kirche kommt nicht zur Ruhe. Nach dem früheren Pfarrer von Oberharmersbach wurden jetzt auch gegen den amtierenden Stadtpfarrer von Gengenbach Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe erhoben. Der Vorwurf, den der Mann bestreitet, bezieht sich auf seine frühere Tätigkeit in Freiburg vor etwa 30 Jahren. Der Pfarrer wurde bis zur Klärung von seiner Tätigkeit freigestellt. Der Offenburger Dekan Matthias Bürkle sowie der frühere Gengenbacher Vikar Thomas Ochs haben dessen Aufgaben vorläufig mitübernommen.

Der Gengenbacher Stadtpfarrer war schon öfter in den Schlagzeilen. So etwa vor gut zehn Jahren, als er sich mit umstrittenen Predigten gegen den Bau einer Moschee stark gemacht hatte. Doch der jetzige Vorwurf stellt diesen bei weitem in den Schatten. Wie jetzt bekannt wurde, gibt es laut Matthias Bürkle, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Offenburg-Ost und Dekan des katholischen Dekanats Offenburg-Kinzigtal "seit kurzem" einen Vorwurf wegen "sexuell übergriffigen Verhaltens" gegenüber einem Jugendlichen. Der Vorwurf sei allerdings nicht neueren Datums, sondern beziehe sich auf jene Zeit, da der Gengenbacher Stadtpfarrer noch seelsorgerlich in der Freiburger Dompfarrei gewesen war. Also Mitte der 70-er Jahre. In Gengenbach ist er seit rund 21 Jahren tätig. Damals soll sich der Geistliche an einem Jungen vergriffen haben; dieser habe nun laut Dekan Bürkle die Verantwortlichen der Erzdiözese in Freiburg über den damaligen Vorfall informiert. Laut Dekan Bürkle bestreite der Gengenbacher Stadtpfarrer die Vorwürfe: "Es steht nun Aussage gegen Aussage." Erzbischof Robert Zollitsch habe ihn dennoch "entsprechend der Regularien" bis zur Klärung der Vorwürfe freigestellt. Bürkle hat am Samstag die Verantwortlichen in Pfarrei und Seelsorgeeinheit Vorderes Kinzigtal über den Vorgang informiert. Die Katholiken der Pfarrgemeinden Gengenbach, Ohlsbach, Ortenberg und Berghaupten wurden am Palmsonntag in Kenntnis gesetzt. Bürkle betonte, dass der Stadtpfarrer bereits seit längerer Zeit Symptome des Burnout-Syndroms aufweise, durch den schweren Vorwurf habe sich sein gesundheitlicher Zustand weiter verschlimmert.

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Bürkle selbst hat die Leitung der Seelsorgeeinheit übernommen, doch weil er selbst als Pfarrer in vier Gemeinden tätig ist, sei es eine glückliche Fügung, dass mit dem früheren Gengenbacher Vikar Thomas Ochs, heute Leiter des Priesterseminars in Freiburg, ein kompetenter Geistlicher sich bereit erklärt habe, sowohl an Ostern als auch am Weißen Sonntag Gottesdienste zu halten.

Vor dem Hintergrund der Debatte über sexuellen Missbrauch gewinnt die "Selbstverpflichtung für ehrenamtliche Verantwortliche" auch bei der Ausbildung junger Gruppenleiter an Bedeutung. Dekanatsjugendreferentin Yvonne Horzel wies gestern auf Anfrage darauf hin, dass das Thema "Schutz vor sexueller Gewalt" bei den entsprechenden Kursen stark thematisiert wird. Man wolle den angehenden Gruppenleitern einimpfen, dass sie die Persönlichkeit und Würde der ihnen anvertrauten Jugendlichen zu respektieren haben. In dem 7-Punkte-Papier heißt es unter anderem: "Individuelle Grenzen von anderen respektiere ich. Dies bezieht sich insbesondere auf die Intimsphäre von Kindern und Jugendlichen." Das Papier soll von allen, die in der Erzdiözese Verantwortung in der Kinder- und Jugendarbeit übernehmen, "unterzeichnet und gelebt werden".

Weitere Infos unter Tel. 0781/925041 oder unter www.schutz.kja-freiburg.de

Autor: Hubert Röderer