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15. November 2017

"Bunte Republik Deutschland"

Die "Menschen"-Zeitschrift aus dem Medienhaus Burda kann 2018 ihren 70. Geburtstag feiern / Erinnerungen des Verlegers.

  1. Seltener Anblick: vier frühere und der aktuelle Bunte-Chefredakteur (v.l.): Lothar Strobach (1987-1989), Beate Wedekind (1992-1993), Verleger Hubert Burda (1976-1986), Patricia Riekel (1996-2016) und Robert Pölzer (seit 2016) Foto: Hubert Burda Media

OFFENBURG/MÜNCHEN (BZ). Die Wiege stand in Offenburg, doch gefeiert wurde jetzt in München: Mit einem "Editor’s Lunch" wurde an das 70-jährige Bestehen der "Bunten" erinnert.

Auf Einladung von Burda-Vorstandsmitglied Philipp Welte fand anlässlich des Jubiläums von Bunte ein Editor’s Lunch statt. Europas größtes People-Magazin ("Menschen") feiert 2018 nämlich sieben Jahrzehnte "Leidenschaft für Menschen", wie es in einer Mitteilung aus dem Offenburg-Münchener-Verlagshaus heißt. Bei der Veranstaltung in München wurde der 335 Seiten starke Bildband "Bunte Republik Deutschland" präsentiert, den die ehemalige Chefredakteurin Patricia Riekel als Herausgeberin maßgeblich gestaltet hat. An dem Mittagessen nahmen neben Verleger Hubert Burda auch Vorstandsmitglied Paul-Bernhard Kallen, der aktuelle Bunte-Chefredakteur Robert Pölzer sowie Geschäftsführer und Chefredakteure teil, außerdem prominente Weggefährten wie Uschi Glas, Axel Milberg und Nina Eichinger. Hubert Burda erinnerte in einer emotionalen Rede an seinen Vater, den legendären Senator Franz Burda, der in Offenburg den Grundstein für den Bunte-Erfolg gelegt habe. In der Nachkriegszeit suchte dieser neue Aufträge und bemühte sich um die Lizenz für ein Magazin namens "Das Ufer". "Mein Vater musste bei der französischen Kommandantur vorsprechen, um die Genehmigung dafür zu bekommen. Dass er sehr gut Französisch sprach, half natürlich, und der zuständige General Schmittlein und er wurden schnell Freunde."

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Und aus dem "Ufer", das eine Art Erziehungsprogramm sein sollte, wurde ein lebensbejahendes Magazin. "Mein Vater erkannte schnell, dass die Menschen sich nach dem Krieg nach Unterhaltung und bunten Geschichten sehnen, und nannte die 1948 gegründete Illustrierte 1954 in ’Bunte’ um." Ein kreatives Vorbild für Hubert Burda war der Künstler Andy Warhol, der einst in Offenburg ein Porträt von Aenne und Franz Burda anfertigte. "Mich interessierte Warhols Pop-Art, in der er Werbung und Medien und Kunst zusammenbrachte. Warhol hat verstanden, was Lifestyle bedeutet. Mit seinem Magazin ’Interview’ war er auch Verleger. Und Lifestyle ist einer der größten Märkte für Burda. Mit Andy Warhol kam quasi der Lifestyle von New York in die Bunte."

Hubert Burda erinnerte sich in seiner Rede an die Zeit von 1976 bis 1986, in der er selbst Bunte-Chefredakteur war und Menschen wie Udo Jürgens, Mireille Matthieu und Uschi Glas berühmt machte: "Anfangs dachten alle, ’was will das Büble?’, aber ich habe mich durchgesetzt. Und wenn ich zurückblicke, gibt es keinen schöneren Job als Chefredakteur." Und der Verlegersohn, der dann selbst ein erfolgreicher Verleger wurde, betonte: "Ohne das, was der Senator gemacht hat, stünde ich heute nicht hier."

Was damals gegolten habe, so Hubert Burda, gelte heute auch noch. So erklärte er das Bunte-Erfolgskonzept mit einem Hinweis auf den Netflix-Gründer Reid Hastings. Der sagte: "Du musst den Content machen, mit dem die Leute gerne ihre Zeit verbringen." Das Geheimnis dahinter beschreibe auch Georg Franck, Autor des Buches: "Die Ökonomie der Aufmerksamkeit". Daraus zitierte Hubert Burda ganz besonders folgende Sätze: "Was ist angenehmer als die wohlwollende Zuwendung anderer Menschen? Was wohliger als ihre teilnehmende Einfühlsamkeit? Was wirkt so inspirierend wie begeisterte Zuhörer? Was ist so fesselnd wie das Fesseln ihrer Sinne? Was gibt es Aufregenderes als einen Saal von gespannter Blicke, was Hinreißenderes als der Beifall, der einem entgegentost?" Die Aufmerksamkeit anderer Menschen, so Franck, sei die unwiderstehlichste aller Drogen: "Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz."

Bambi-Verleihung

An diesem Donnerstag, 16. November, findet die Bambi-Verleihung des Burda-Medienhauses zum wiederholten Mal im Stage-Theater am Potsdamer Platz in Berlin statt. Offenburgs OB Schreiner und ihr Mann werden als Gäste vor Ort sein. Aus der Pressestelle heißt es: "Ihr Mann wird Smoking tragen, und sie wird sich kurz vor der Abreise relativ spontan unter drei Modellen langer Abendroben entscheiden. Da die Accessoires kompatibel sind, wird das Wohlfühlkleid gewinnen." Davor waren auch Düsseldorf oder Wiesbaden Schauplatz der Gala, 2008 war es Offenburg. Der Bambi ist der älteste und einer der wichtigsten deutschen Medienpreise.  

Autor: bz

Autor: bz