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11. November 2008

Das Auge hört mit

Eine Klanginstallation mit Musik von Martin Frankl zum Rilke-Gedicht "Der Panther"

  1. Wie Rainer-Maria Rilkes Panther hinter Gittern, die Macher der Klanginstallation: Larissa Wunderlich, Julius Holder und Dirk Kienle. Foto: Britta Bieberbach

OFFENBURG. Eine Klanginstallation als Publikumsrenner gibt es nicht alle Tage. Vielleicht lag es daran, dass Gitarrist Martin Frankl, einer der jungen Stars der Jazz-Szene daran beteiligt war. Vielleicht ist Hören ganz einfach in. Auch trug studentische Neugier mit dazu bei, dass sich mehr als 100 Gästen am Freitagabend im Offenburger KiK einfanden.

Larissa Wunderlich, Initiatorin der 17-minütigen Klanginstallation "Der Panther" nach dem gleichnamigen Rilke-Gedicht, ist Studentin im Fachbereich Medien und Informationswesen an der Hochschule Offenburg. Das Auge hört mit, weshalb Wunderlich und ihre Partner und Studienkollegen Julius Holderer und Dirk Kienle mit Bauzäunen eine Käfig-Situation schufen. Eine Leinwand nahm Farbprojektionen auf und legte die Blick- und damit auch die Hörrichtung fest.

Wunderlichs Installation verbindet Impression mit Realismus bis in die Detailtreue. So wurde ein Teil der Geräusche in Straßburg aufgenommen, um mit dem französischen Sprachklang auch das richtige Kolorit zu haben. Schließlich befindet sich der Panther aus Rilkes Gedicht im Jardin des Plantes zu Paris. Die Sprachmelodik in Wunderlichs Installation wirkt somit authentisch, auch wenn die Worte nicht zu verstehen sind. Die Installation beginnt mit Geräuschen, die typisch sind für einen Park. Ferne Kinderstimmen, Schritte auf Kies irgendwo, die Klänge eines Orchestrions wehen herüber. Es verklingt, und ferner Verkehr von außerhalb wird als diffuses Grundrauschen hörbar. Eine akustische Gitarre legt sich über das Rauschen, glasklar im Klang und nicht von dieser realistischen Welt.

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Dann das Knurren einer Raubkatze, sehr nah und unmittelbar. Aufflatternde Vögel, Rabenkrächzen, dann knirschen Schritte im Kies, jemand schlägt gegen das Käfig-Gitter, für einen Moment ergeben die Schläge einen Rhythmus. Das Geräusch bricht ab, die Gitarre wiegt sich in einem bittersüßen Samba.

Dann eine Stimme aus dem Off, jenseits des Geschehens, spricht die ersten Zeilen des Gedichts. Wunderlich setzt den Sprecher wie einen Kommentator ein. Auf der Leinwand fließen derweil meditativ warme Farben ineinander. Mittels realistischer Geräusche, die den Hörer im Dolby-Surround-System umgeben – Schritte gehen rechts an einem vorbei, Vögel flattern auf und entfernen sich – erschafft die Installation eine "realistische" Atmosphäre. Die Farben und die Musik hingegen erschaffen Stimmungen. Das Knurren des Panther ist auf der Grenze, "real" und zugleich Impression.

Die Musik, komponiert und gespielt von Martin Frankl auf der akustischen Gitarren ist wunderbar. Der Ton ist in Momenten glasklar bis zur Sprödigkeit, so dass man glaubt, der Ton müsse zersplittern. Anderswo ist Frankls Spiel weich, murmelnd und summend. Melodien kaskadieren wie kleine Schauer, verspinnen sich in Melancholie und zerfließen, werden aufgesogen von Parkgeräuschen.

Frankl ist Schüler von Wolfgang Muthspiel, der bekanntlich oft mit dem Offenburger Bassisten Dieter Ilg arbeitet, und zugleich ein Klassenkamerad von Wunderlich. Beide stammen sie aus dem bayerischen Weilheim. Abgerundet wurde der Abend durch Ambient Jazz mit dem Drummer Jan Schwinnig und dem Gitarristen Paolo Thorsen, ebenfalls Muthspiel-Schüler und Schulkamerad von Wunderlich. Infos http://www.panther5punkt1.de

Autor: Robert Ullmann