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26. April 2010
"Das Beste daraus machen"
Die Kreisdelegiertenkonferenz der SPD diskutierte die Umsetzung der Werkrealschule und weitere bildungspolitische Fragen.
SCHWANAU-OTTENHEIM. Das Thema Bildung mit dem Schwerpunkt Werkrealschule stand am Samstagnachmittag im Zentrum der Kreisdelegiertenkonferenz der SPD Ortenau zu der die Vorsitzende des Kreisverbandes Offenburg/Ortenau, die Bundestagsabgeordnete Elvira Drobinski-Weiß auch den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Frank Mentrup, als Referenten begrüßen konnte.
Der Ort, dieses derzeit kontrovers diskutierte Thema in Vorträgen und einer Diskussionsrunde zu beleuchten, hätte nicht besser gewählt sein können: die Bärbel-von-Ottenheim-Schule kann sich nach ihrer fast abgeschlossenen baulichen Umgestaltung und der zeitgleich damit einhergehenden pädagogischen Neustrukturierung von der herkömmlichen Halbtagsschule zur offenen Ganztagsschule auch im Vergleich mit größeren Städten sehr wohl sehen lassen.In ihren Grußworten an die rund 30 Delegierten betonten sowohl Friedel Schäfer, die in ihrer Funktion als Stellvertreterin von Bürgermeister Wolfgang Brucker der Einladung gefolgt war, als auch die SPD-Ortsgruppenvorsitzende Dagmar Frenk und Rektor Viktor Witschel die zukunftsweisende Bedeutung der ganztägigen Betreuung von Kindern.
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Der Offenburger Sozialbürgermeister Christoph Jopen gab zum derzeit geltenden dreigliedrigen Schulsystem ein klares Statement ab. Jopen nannte es "schlicht veraltet" und weder im Vergleich mit den Schulsystemen im Ausland noch mit jenen in anderen Bundesländern wert, verteidigt und beibehalten zu werden. Zur derzeitigen, in der Ortenau durchaus gegensätzlich ausgeprägten Praxis um die Frage Festhalten oder Auflösen der Schulbezirke um die neu geschaffenen Werkrealschulen wollte Jopen nicht näher Stellung beziehen, sondern wies darauf hin, dass hier jede Gemeinde ihren eigenen Weg finden müsse, ebenso wie in der Frage, ob das Angebot der Ganztagesschule offen oder gebunden, also verpflichtend, sein solle. Offenburg habe sich für das Konzept der gebundenen Ganztageseinrichtungen entschieden, in die ab 2011 auch die Grundschulen mit einbezogen werden.
Versammlungsleiterin Elvira Drobinski-Weiß gab zwischen den einzelnen Redebeiträgen immer wieder selbst Denkanstöße an die Versammlung weiter. Ihr Impuls zum Thema Werkrealschule lautete: "Wie kann man aus einem an sich schlechten Konzept das Beste machen."
Dieser Frage ging der Hauptredner des Tages, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Frank Mentrup, in seinem ausführlichen Beitrag nach. Seine Wortwahl, um die Vorgehensweise der Landesregierung im Bereich Bildung zu charakterisieren ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: von Missmanagement und Mogelpackungen sprach er, und dies nicht nur auf einen Einzelpunkt bezogen. Als Beispiele führte er den Orientierungsplan des Kultusministeriums für den Elementarbereich an, der individuelle Förderung von Anfang an vorsehe, jedoch nur äußerst unzureichend umgesetzt werde und die Kommunen vor allem bei der Finanzierung alleine lasse. Gleiches gelte für das Konzept der Ganztagesschulen, die Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums (G8) und die Werkrealschule, die keine wirkliche Aufwertung der Hauptschule biete und vielfach die Absolventen vor noch ungünstigere Bedingungen stelle.
Das Thema Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern müsse in dieses Thema auch einfließen.
Für seine Ausführungen erhielt der Referent begeisterten Applaus vonseiten der Versammlung, die im Anschluss an das Referat mit einer angeregten Diskussionsrunde fortgesetzt wurde.
Autor: Ulrike Le Bras
