Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Juni 2017

Das Pferd ist der Therapeut

Reiterverein Bühl bietet mit viel Erfolg Reittherapie für geistig und körperlich Behinderte an / Großes Ziel ist ein Therapiezentrum.

  1. Sie unterstützen die Reittherapie (v.l.): Karl Bähr von der Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg, Edith Schreiner als Vorsitzende der Andreas-Stiftung sowie ihr Kollege Bernhard Schneider und Stadträtin Ingrid Fuchs (r.). Neben ihr stehen Peter Borutta, Vorsitzender des Reitervereins Bühl und seine Frau Silvia Peter-Borutta, die das Projekt ins Leben gerufen haben. Foto: Karin Reimold

OFFENBURG. Seit eineinhalb Jahren bietet der Reiterverein Bühl eine Reittherapie für geistig und körperlich behinderte Menschen an. Der Bedarf ist groß, das Angebot wächst. Deshalb hat die Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg dem Reiterverein nun einen Scheck über 21 420 Euro überreicht. Die Andreas-Stiftung unterstützt den Verein mit 3000 Euro.

Aufsitzen heißt es auf der Koppel. Doch was den meisten der rund 80 Vereinsmitglieder gut gelingt, ist für einige aus eigenen Kräften gar nicht möglich. Umso mehr leuchten dann etwa die Augen von Doris, wenn sie per Rampe auf Hengst Gustav steigen kann. Sie ist eine der an Multiple Sklerose Erkrankten, die hier in Bühl die so genannte Hippotherapie machen. "Natürlich ist MS nicht heilbar, aber durch das Therapiereiten werden die Muskeln trainiert, die auch für das Gehen zuständig sind", erklärt Therapeutin Petra Huschle. Dabei durchfließen die Reflexe des Pferdes den Körper des Reiters, stabilisieren so unter anderem das Becken. "Auch der Rumpf, der bei vielen Patienten bereits gebeugt ist, wird durch den Gang des Tieres wieder in die Aufrechte gebracht. Huschle unterstützt die gerade Haltung zusätzlich durch ihre Hand, während ihre Helferin das Pferd über die Koppel führt.

Werbung


Seit anderthalb Jahren arbeitet sie bereits beim Reitverein, also von Anfang an. Und die Erfolge sprechen für sich. "Wir haben eine Frau, die im Rollstuhl sitzt. Nach dem halbstündigen Reiten kann sie eine kleine Weile wieder stehen", erzählt Huschle. Momente wie die, wenn die Rollstuhlfahrerin glückserfüllt am Zaun steht, rühren die Therapeutin und sie stellt klar: "Der eigentliche Therapeut ist das Pferd." Acht Schulpferde hat der Verein, dringend gesucht wird ein weiteres Therapiepferd. Denn die Nachfrage ist riesig, auch bei Autismus. "Wir werden von Kinderärzten händeringend angefragt", sagt Silvia Peter-Borutta, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Mann und Vorsitzenden des Vereins, Peter Borutta, vorantreibt. Gerade bei hyperaktiven Kindern zeige sich schnell eine Entwicklung. "Die sind nach der Stunde wie umgedreht und zugänglich", erzählt sie.

Ebenso gebe es autistische Fälle, die Zuhause kein Wort mit ihren Eltern sprächen, aber auf dem Rücken des Pferden gar nicht mehr aufhörten zu quasseln, so Borutta. "Wir haben ein ganz großes Ziel. Wir wollen ein Therapiezentrum für Offenburg errichten." Doch damit sich die Träume erfüllen, braucht der Verein finanzielle Unterstützung. Und die hat er nun von der Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg zugesagt bekommen. Karl Bähr, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, freute sich, den Scheck über 21 420 Euro im Reiterstüble in Bühl übereichen zu dürfen. "Ohne die Stiftung hätten wir den Platz nicht auslegen können", bedankte sich Borutta. Der neue Platz ist eine der Maßnahmen zum Aufbau des therapeutischen Reitens. Zusätzliche 3000 Euro bekamen die Reitersleute von der Bürgerstiftung St. Andreas. .

Als nächsten Schritt will der Verein nun einen so genannten Roundpen, eine auf 16 Meter eingezäunte Kreisfläche, schaffen, die das freie Erleben mit dem Pferd ermöglicht. Bereits umgebaut wurden der jetzt barrierefreie Zugang zur Halle und die Schwerbehinderten gerechten Toilettenräume.

Bald soll zudem eine neue Rampe installiert werden, die einmal mehr das Glücksgefühl des Aufsitzens stärken und den Therapieprozess voranbringen wird.

Autor: Karin Reimold