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10. Juni 2010 17:41 Uhr

Demo in Offenburg: Metall-Jugend geht auf die Straße

Südbadens IG-Metall-Jugend ist in Offenburg auf die Straße gegangen, um gegen die ihrer Meinung nach verfehlte Bildungspolitik zu demonstrieren. Bis auf ein kurzes Sitz-Intermezzo gab es keine Zwischenfälle.

  1. Rund 1000 Demonstranten sollen heute an der Kundgebung der IG Metall teilgenommen haben. Foto: hrö

  2. Mit gelben Bällen für eine neue Bildungsoffensive Foto: hrö

  3. Die Demo zog von der City zur Reithalle. Foto: hrö

  4. Mit Radau gegen die aktuelle Bildungspolitik Foto: hrö

  5. Operation Übernahme: mehr Chancen für junge Leute nach der Ausbildung Foto: hrö

Nach Veranstalterangaben zogen am Donnerstag rund 1000 Personen Fahnen schwingend in einem Protestzug von der Innenstadt zur Reithalle. Die Polizei sprach von halb so viel Teilnehmern.

Bereits im Vorfeld hatte die Demonstration für Aufregung gesorgt. In der Nacht zum Donnerstag wurden in Offenburg sieben Männer und Frauen festgenommen, die Gebäude, Blumenkübel, Mülleimer, Straßenflächen und Verkehrsinseln mit Demo-Parolen verschmiert hatten. Selbst auf zwei Polizeiautos stand "Operation Übernahme". Dies mussten die Festgenommenen an Ort und Stelle wieder abwaschen. Zudem hat die Polizei ihnen Sprühdosen und eine Schablone abgenommen, mit der sie die Schriftzeichen aufgesprüht hatten.

Die Polizei hatte die Kundgebung zunächst als unproblematisch eingestuft. Doch kurzfristig musste sie sich verstärken. Die Offenburger Demo war nämlich in einer Reihe von Veranstaltungen zu sehen, bei deram Mittwoch in Freiburg sogar Bahngleise besetzt wurden. Doch die Offenburger Demo verlief harmlos, sieht man von einer kurzen Sitzblockade auf der Weingartenstraße ab.

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Laut Ahmet Karademir, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall in Offenburg, seien rund 1000 – vorwiegend junge – Leute angereist, gut zwei Drittel aus jenen Städten und Gemeinden, die zu den Verwaltungsstellen Offenburg und Freudenstadt gehören, die übrigen aus Freiburg, Lörrach und Villingen-Schwenningen: "Das war ein richtiger Schritt, den unsere Jugendlichen da unternommen haben. Wenn das der einzige Weg ist, den die Bevölkerung und die Politik versteht, wenn es darum geht, auf Sorgen und Nöte aufmerksam zu machen, werden wir noch öfters auf die Straße gehen."

So sahen es auch Jennifer Flaig aus Schramberg und Selina Matt aus Welschensteinach, beide 22 und Industriekauffrauen bei Hansgrohe in Schiltach. Die eine ist zudem Betriebsrätin, die andere Jugend- und Auszubildendenvertreterin. Unisono sagten sie: "Wir finden es toll, dass die Jugend sich für die eigene Zukunft einsetzt." Die Kundgebung sei ein gutes Symbol dafür, "dass die Jugend nicht schläft". Die Politik müsse endlich einsehen, dass es dringend geboten ist, allen jungen Menschen ein faires Bildungsangebot zu unterbreiten. Jeder Jugendliche müsse einen Ausbildungsplatz erhalten, forderte denn auch Bianka Hamann von der IG Metall in Offenburg, alle müssten nach Ausbildungsende übernommen werden – unbefristet. Leiharbeit dürfe ebenso wenig ein Thema sein wie eine "prekäre" Beschäftigung, die Rente mit 67 oder Niedriglöhne. Diese Forderungen erhob auch Eric Leiderer, Bundesjugendsekretär im IG-Metall-Vorstand: Politiker und Unternehmer, die dies ignorierten, hätten die rote Karte verdient.

Ähnliche Aktionen im Land fanden am Donnerstag auch in Aalen, Stuttgart, Friedrichshafen und Rastatt statt. Gelbe Gummiwasserbälle, auf denen die Jugendlichen ihre Zukunftswünsche schreiben konnten, dienten als Blickfang , wurden aber auch – angesichts der heute beginnenden WM kein Wunder – als Fußbälle zweckentfremdet.

Autor: hrö