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23. Mai 2008

Der Geist ihres Erbauers sorgt nachhaltig für Kunst in der Villa

Die Ärztin Perin Dinekli bespielt seit zehn Jahren die Villa Simmler mit Ausstellungen und Konzerten / Am Wochenende startet ein besonderes Festprogramm

  1. Perin Dinekli wohnt und arbeitet in der Villa, die der Künstler Franz Simmler 1886 erbauen ließ. In seinem Geist öffnet sie seit zehn Jahren das Haus der Kunst und ihren Freunden. Foto: Peter Heck

OFFENBURG. Mit Ausstellungen und Konzerten feiert die Villa Simmler in der Offenburger Franz-Volk-Straße 47 ihr zehnjähriges Bestehen als Galerie und Veranstaltungsort. Bei der Vernissage am Samstag, 24. Mai, 18 Uhr, stellt der Lahrer Künstler Dieter Biegert unter dem Titel "Schriftbilder" jüngste Arbeiten vor. Der Abend wird musikalisch umrahmt durch den Liedermacher Mario Nuzzone. Der Grafiker und Designer André Rößler, Karlsruhe, führt in Biegerts Werk ein. Biegert war 1998 der erste Künstler, der in der Villa Simmler ausstellte.

"Kunst gehörte von klein auf zu meinem Leben", erzählt die Ärztin und Homöopathin Perin Dinekli. Sie hat in die unter Denkmalschutz stehende Villa moderne Kunst und meist auf folkloristischen Traditionen fußende Musik gebracht. "Mein Vater ist Architekt, wir hatten immer Kontakt mit bildenden Künstlern und mit Musikern." Dinekli, die selbst Gitarre spielt, ist väterlicherseits türkischer Abstammung, aber in Deutschland aufgewachsen. Nach dem Abitur lebte sie für ein Jahr in der türkischen Metropole Istanbul: "Um Türkisch zu lernen. Bei uns daheim wurde fast nur Deutsch gesprochen."

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Sie studierte danach Medizin und beschäftigte sich eingehend mit Homöopathie. Sie betrieb eine Praxis in Oberschopfheim, 1997 zog sie in die Villa Simmler um. Dinekli: "Das Gebäude war damals nicht als Wohnhaus genutzt. Ich hatte es durch Zufall entdeckt und mich sofort in seine Atmosphäre verliebt."

Das 1886 durch den Offenburger Kirchenkünstler Franz Simmler errichtete Gebäude mit seinem schönen Park ist noch immer in Familienbesitz. Perin Dinekli als Mieterin wollte es der Öffentlichkeit präsentieren. Aber es war auch die Prägung häuslicher Gastlichkeit, die sie inspirierte und die zur Reihe "Kultur in der Villa Simmler" führte.

Auch als Künstlerin im eigenen Haus tritt Perin Dinekli gelegentlich auf
In der bildenden Kunst reicht das gezeigte Spektrum von abstrakter Malerei über farbenfrohe Pop-Art bis zum Sakralen. In der Musik ist das Programm von "stromlosen" Konzerten bestimmt. "Es muss zur Atmosphäre des Hauses passen", sagt Perin Dinekli. In der Regel handelt es sich um Musiker, die Kulturen und Traditionen mit dem Heute verbinden, ob es sich um Weltmusik, Obertongesang oder Jazz handelt. Zum Teil stammen sie aus dem Umkreis des Harfenisten Rüdiger Oppermann, den man in Offenburg durch sein Klangwelten-Festival kennt. "Mittlerweile ist es so, dass die Künstler, die hier gastierten, das Haus weiterempfehlen", erzählt Perin Dinekli.

Dennoch bemüht sie sich nach wie vor um neue Impulse. So wird im Herbst eine Gruppe junger, avantgardistischer Musiker auftreten, die unter dem Namen "Seine Verspätung" Nietzsche-Texte vertonen. Am Donnerstag, 19. Juni, tritt das Trio "Saranga" auf. Die Gruppe präsentiert in der Besetzung Harmonium, Violine und Tabla alte und neue mystische Musik des indischen Subkontinents. Am Samstag, 21. Juni, gastiert die Sängerin und Songschreiberin Carola Nief. An beiden Abenden werden in der Galerie Werke von Gabriele Bührer zu sehen sein. Bei gutem Wetter wird die eine oder andere Veranstaltung in den Park verlegt. Am 16. August, 21 Uhr – einer Vollmondnacht – erzählt Sigrid Voigt im Park der Villa Vollmondmärchen für Erwachsene.

Auch als Künstlerin im eigenen Haus tritt Perin Dinekli gelegentlich auf, dann singt sie mitunter traditionelle türkische Lieder zur Gitarre.

Autor: Robert Ullmann