Die Chorfarben passen genauestens

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 11. Dezember 2018

Offenburg

Der Figuralchor begeistert mit tschechischer Kirchenmusik.

OFFENBURG. In der nahezu ausverkauften evangelischen Offenburger Stadtkirche hat der Figuralchor unter der bewährten Leitung von Chordirigent Werner Pfaff aus Karlsruhe ein weihnachtliches Programm aufgeführt. Musik von den tschechischen Komponisten Jan Dimas Zelenka (1679 bis 1745), der ein Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs war, Antonín Dvorák (1841 bis 1904) und Petr Eben (1929 bis 2007) kam zu Gehör.

Pfaff führt den Chor wie gewohnt klar und legt großen Wert auf die Klangdifferenzierung. Das wird bereits im ersten Stück, dem Magnificat in D-Dur von Zelenka deutlich. Der marianische Gesang, hier von Georges Aubert an der Orgel unterstützt und von den Solistinnen Kathrin Müller (Sopran) und Judith Ritter (Alt) von der Empore aus gesungen, erklingt festlich. Der Chorklang ist frisch und füllig, die Sopranistin verfügt, wie sie auch in den Solo-Weihnachtsmotetten von Zelenka unter Beweis stellt, über eine hervorragende Technik, der Ton kommt druckfrei, ohne Luft und ist in der Höhe silbrig hell. Auf einen abrupten Klangwechsel folgt das Altsolo. Die warme, füllige Stimme von Judith Ritter, die auch in der Tiefe offen und tragend ist, gibt eine neue Färbung. Am Ende steht ein groß angelegtes Amen, das als Fuge komponiert ist, hier ist der chorische Gesamtklang besonders schön.

Mit der Messe D-Dur von Antonín Dvorák, die nicht am Stück aufgeführt, sondern mit den Motetten von Zelenka und einem "Moto ostinato" für Orgel von Petr Eben verschränkt wird, kommt ein anderer Charakter zum Tragen, reibende Intervalle im Kyrie, das der Chor singt, das komponierte Traurige in matter Farbe und dann dazu im Gegensatz das strahlende Gloria, mit Verve und Energie gesungen, in sich bewegt und rufend, klagend das "miserere".

Von einer kleinen Instrumentengruppe, Traversflöte (Reinhard Holz), Altbockflöte (Annika Schindler), Cello (Rebekka Hartmann) und Continuo (Georges Aubert) begleitet haben die Motetten von Zelenka eher kammermusikalischen Charakter, je ein Rezitativ und eine Arie für Solosopran und Solo-Alt.

Zeitgenössisch, mystisch, absteigend, aufsteigend, reibend, spielerisch, die Orgel klar registriert, Beharrlichkeit in der Tiefe, ostinato eben und im Inneren bewegt, so stellt sich die Musik von Petr Eben dar. Darauf folgt dann das Credo aus der Messe D-Dur, und hebt sich umso deutlicher ab, mit schönen, weihnachtlich gestimmten Akkorden, präzise vom Dirigenten geschlagen.

Wunderbar gelingt auch die Sequenz von Grablegung und Auferstehung, welche die Ermutigung enthält, heller und strahlender wird es. Am Ende des Credo steht ein rundes Amen. Benedictus, Sanctus und Agnus Dei folgen nach der zweiten Weihnachtsmotette, in der das sorgfältige Vibrato der Altistin auffällt.

Wunderbar durchgängig, warm und weich wirkt das Sanctus, Fülle und Reduktion stehen nebeneinander, dunkel Gefärbtes geht zu Herzen, im Agnus Dei ist das "Miserere" wiederum aus der Emotion des Leides heraus erkennbar gestaltet, so endet die Messe berührend, ganz leise und sacht in einer feinen Stimmung. Ein herzlicher Applaus.