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13. Juli 2010
Die Eltern als Schlüssel zum Schulerfolg
Der langjährige Leiter der Europaschule Timmendorfer Strand über "Schulreform von unten".
OFFENBURG. Elterntraining war angesagt, als Adolf Timm in der Aula der Theodor-Heuss-Realschule über die "36 Gesetze des Schulerfolgs" referierte. Die meisten der 120 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich mit Papier und Bleistift ausgerüstet und zückten immer wieder den Stift, um sich Stichworte zu notieren. Etwa die sechs Punkte, die laut Timm erfolgreiches Lernen ausmachen: Gedächtnis, Motivation, Konzentration, Selbstorganisation, Lernstrategien und positive Selbsteinschätzung. Letztgenannter Aspekt sei der wichtigste, betonte der langjährige Schulleiter der "Europaschule Timmendorfer Strand". Wer sich positiv einschätze, werde den Stoff besser bewältigen als jemand, der mit sich hadere. Die Grundlagen für dieses Verhalten werden im Elternhaus geschaffen, davon ist der dreifache Vater überzeugt. Es müssten die Eltern sein, die ihren Sprösslingen etwas zutrauten.
Auf die Idee des Elterntrainings sei er gekommen, als er der Frage nachging, warum so viele Schüler ihre Potenziale nicht ausschöpften. Herkömmliche Auffassung sei, dass die Schule etwas falsch gemacht oder versäumt habe. Timm sieht das anders: "Für mich sind die Eltern der Schlüssel." Werte und Einstellungen würden vorzugsweise in der Familie vermittelt. Er wehrte sich dagegen, Lehrer als die Reparaturarbeiter der Gesellschaft anzusehen. Wenn Anstrengungsbereitschaft und Disziplin zu Hause keine Themen seien, könne die Schule wenig ausrichten: "Schulreform von unten – auf die Eltern kommt es an" lautete das Credo des Abends.
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Sein Konzept hat Timm zusammen mit dem Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann entwickelt und in dem Buch "Die Gesetze des Schulerfolgs" anschaulich dargelegt. Wertschätzende Rückmeldung ist für den Pädagogen ein wichtiger Aspekt.
Mit Lob hingegen sollten Väter und Mütter sparsam umgehen. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich die Kinder auf den Lorbeeren ausruhen. Wie in vielen Bereichen kommt es auch hier auf die Dosis an. Als Kardinalfehler bezeichnete Timm, den eigenen Nachwuchs mit anderen Kindern zu vergleichen. Mit einem "Nimm Dir doch ein Beispiel an Ole" komme man nicht weiter. Es müsse vielmehr darum gehen, die eigenen Fähigkeiten und Neigungen zu unterstützen: "Jeder ist gut in irgendetwas."
Er plädierte für ein partnerschaftliches Miteinander von Eltern und Schule: "Es geht um ein Vertrauensverhältnis." Lehrerschelte sei nicht angesagt. Wenn sich Eltern dann doch zu einem Kritikgespräch entscheiden würden, sollten sie es mit Hirn führen.
Im Vordergrund müssten immer das Wohl und die gute Entwicklung der Kinder stehen. Eine Umfrage unter aufstrebenden Jungmanagern habe ergeben, dass sie durch die Bank ihr Elternhaus für ihren Schulerfolg verantwortlich machten. Untersuchungen in Österreich, den USA und der Bundesrepublik seien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Auf die Frage, ob mit Einführung der Ganztagsschule der Einfluss nicht schwinde, sagte Timm: "Gerade dann brauchen Eltern Zeit und Energie, um den langen Schulalltag aufzufangen." Fordern und fördern sind für ihn zentrale Motive: "Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch", appellierte er an sein Publikum. Wenn auch Erwachsene nicht jede Antwort parat hätten: "Stellen Sie sich den Fragen Ihrer Kinder."
Autor: ges
