Die Geothermie bleibt umstritten

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Mi, 28. Februar 2018

Offenburg

Zweitägige Fachmesse am Donnerstag und Freitag in der Oberrheinhalle / 3500 Besucher erwartet.

OFFENBURG. Die Welt zu Gast in Offenburg: Zu der nach Angaben der Veranstalter größten Fachmesse für Geothermie in Europa, der Geotherm, kommen am Donnerstag und Freitag, 1. und 2. März, mehr als 200 Aussteller auf das Messegelände. Die Veranstalter rechnen mit 3500 Besuchern aus 47 Nationen. Erstmals findet am Rande der Messe eine grenzüberschreitende Konferenz statt, bei der Bürger und Fachleute sich über die Risiken und Chancen von Geothermie-Projekten am Oberrhein informieren können.

"Wir wollen das Thema Geothermie am Oberrhein stärker in den Fokus setzen", erklärte Messe-Chefin Sandra Kircher bei einer Pressekonferenz im Vorfeld. Die grenzüberschreitende Konferenz am Rande der Fachmesse, die vom Eurodistrikt, dem französischen Geothermieverband AFPG und dem trinationalen Energie-Netzwerk TRION-climate am Donnerstag organisiert wird, soll "Diskussion und Fortschritt ermöglichen".

Die Bedingungen für die Gewinnung von Energie aus Heißwasser in der Erde sind im Oberrheingraben offenbar gut, wie es heißt: Die Temperatur steigt zum Erdinneren hin schneller an als andernorts, in einigen tausend Metern Tiefe ist es bis zu 160 Grad Celsius heiß. Allerdings hat die Geothermie zumindest auf der deutschen Seite des Rheins noch einen schwierigen Stand. Während im Großraum Straßburg aktuell drei Bohrprojekte laufen, wehrt sich in Neuried, aber auch in Kehler Ortsteilen eine Bürgerinitiative gegen geplante Probebohrungen. "Der Trend, Projekte umzusetzen, hat in Frankreich zugenommen", weiß Detlev Rettenmaier von der Firma Geothermal Engineering aus Karlsruhe, "in Deutschland stagniert er". Die Zusammenarbeit mit Frankreich werde weiter ausgebaut und "hoffentlich Früchte tragen".

Auch einer der Stammkunden auf der Geotherm, die Herrenknecht Vertical GmbH aus Schwanau, ist im Elsass an Geothermie-Projekten beteiligt – auf der deutschen Rheinseite konnte die Firma ihre Tiefenbohrer bisher noch nicht einsetzen. "Die Potenziale im Rheingraben werden sich zeigen", sagt Geschäftsführer Ulrich Hahne. Größere Chancen für die Nutzung von Erdwärme sieht er derzeit in München, wo die Stadtverwaltung in Sachen Geothermie aufrüstet. Bei mehreren Bohrvorhaben seien dort Herrenknecht-Geräte zum Einsatz gekommen. Ansonsten richtet sich der Blick des Unternehmers ins Ausland. In den Niederlanden beteilige sich die Firma an einem Projekt, so Hahne, auch in Finnland sei man engagiert. Der Geschäftsführer zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Geothermie sich auch in Deutschland durchsetzen kann: "Wir hoffen und glauben, dass das Potenzial künftig besser genutzt wird."

Damit mehr Bohrprojekte in Deutschland realisiert werden können, scheint jedoch noch Überzeugungsarbeit nötig zu sein: Schadensereignisse wie in Basel oder in Staufen hätten "Schrecken und Verunsicherung" verursacht, erklärte Ingrid Stober vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), warum die Geothermie gerade am Oberrhein noch einen schwierigen Stand hat. In Basel kam es 2007 im Zusammenhang mit einem Tiefengeothermieprojekt zu einem Erdbeben, in Staufen hob sich nach Bohrungen im selben Jahr die Erde. In zahlreichen Gebäuden entstanden Risse. Der Schaden ist groß, das Land half mit Millionenbeträgen. Inzwischen habe man die Technik so weit verbessert, dass solche Schadensfälle nicht mehr auftreten, so Stober, auch Versicherungsfragen seien geklärt. Um mit entstandenen "Missverständnissen" zur Geothermie aufzuräumen, hat das Land Broschüren herausgegeben, die den genauen Ablauf eines Projektes schildern.

An der Hochschule Offenburg beschäftigt sich eine Doktorandin gerade mit dem Thema "Kommunikative Begleitung von Geothermieprojekten", berichtet Detlev Doherr, Professor und Mitglied im Landesforschungszentrum Geothermie. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stünden Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung. Doherr zeigt sich überzeugt, dass langfristig kein Weg an der Geothermie vorbeiführt: Die Umstellung auf die regenerative und umweltfreundliche Energiequelle sei angesichts des Klimawandels "keine Frage des Wollens, sondern eine Frage des Müssens".