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05. Februar 2010 09:40 Uhr

Publizistischer Ritterschlag

Die New York Times widmet Stefan Strumbel eine zweiseitige Homestory

"Voll krass!" Stefan Strumbel ist merklich beeindruckt. Fortuna meint es gut mit dem Jungen, der von Offenburg auszog, um es vom illegalen Sprayer jetzt mit 30 Jahren zum Shooting-Star der Street-Artisten und zum Darling der Kunstszene zu bringen.

  1. Stefan Strumbel in Berlin beim Lesen des New-York-Times-Artikel Foto: oliver rath

  2. „Des Uhrmachers Heim“ ist der Artikel über Stefan Strumbel in gewollt altertümlicher Diktion im Online-Auftritt der New-York-Times überschrieben. Foto: Screenshot: BZ

  3. Karl Lagerfeld posiert mit Strumbel-Kunst Foto: galerie

Die New York Times, immer noch eine der einflussreichsten Tageszeitungen der Welt, hat eine zweiseitige Homestory über den Spraydosen-Michelangelo aus Offenburg und sein Heimat-Thema gedruckt.

Strumbel in der New York Times – das hat auch Verleger Hubert Burda beeindruckt, der von München nach Offenburg gekommen war, um anlässlich seines 70. Geburtstags am kommenden Dienstag Journalistenfragen zu beantworten. Selbstverständlich besitzt auch er Werke seines Offenburger Mitbürgers, die um das von Strumbel intensiv beackerte Heimat-Thema kreisen.

Dieses Thema war es auch, das NYT-Deutschland-Korrespondentin Gisela Williams im fernen Berlin auf den Offenburger aufmerksam werden ließ.

KUCKUCKSUHR-OBJEKTE UND SCHWARZWALD-KLISCHEES

Wie Strumbel etwa in seinen Kuckucksuhr-Objekten Schwarzwald-Klischees mit Street-Art-Kraftmeierei kreuzt, wie er das Thema lokale Identität und globalisierte Existenz witzig ironisiert, ist ja mehr als Kommunikationsstrategie denn als Kunst im klassischen Sinn universell einleuchtend und damit erfolgreich.

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"Die haben mich entdeckt und angeschrieben", erzählt Stefan Strumbel von der ersten Kontaktaufnahme. Da es ihr ums Thema Heimat ging, wollte die US-Journalistin eine Homestory schreiben. Einen Tag reiste sie nach Offenburg und ließ sich von Stefan Strumbel durch seine Heimatstadt führen. Am nächsten Tag kam Fotograf Andreas Meichsner. Sie besuchten Strumbel zu Hause in seiner fast schon spartanisch, mit wenig erlesenen Kunstobjekten möblierten 100-Quadratmeter-Wohnung in der Friedrichstraße, schlenderten mit ihm durch die Stadt zu Strumbels Freund, Schöllmanns-Wirt, Willi Schöllmann, und organisierten ein Fotoshooting in dem Restaurant über den Dächern Offenburgs. Eine kleine Diashow im NYT-Online-Auftritt, wo der Artikel – Internetzugang vorausgesetzt – leichter zugänglich ist als in der Printausgabe, zeigt die schönsten Fotos.

Der Artikel erläutert sehr wohlwollend Strumbels künstlerischen Ansatz und beschreibt seine Wohnung. Dort hängt auch eine Collage mit dem Foto seines Onkels, auf den wohl das künstlerische Talent Stefan Strumbels zurückgeht. "Er war Künstler, hat aber den Freitod gewählt noch bevor ich geboren wurde", zitiert der Artikel den Neffen.

In der gedruckten Ausgabe ist das Strumbel-Porträt der Aufmacher der sich über zwei Seiten erstreckenden Home-Section der Zeitung, was in deutschsprachigen Raum den mit "Modernes Leben" übertitelten Teil der Zeitung meint. Eine bessere kostenlose Propaganda kann sich ein Künstler kaum wünschen.

Der Erfolg zieht weitere Kreise. Im März erscheint ein äußerst aufwändig gemachter bibliophiler Bildband im Kunstverlag Edition Braus über Werk und Konzept des jungen Meisters. "Voll krass!"

Der Artikel im Online-Auftritt der NYT: www.nytimes.com

Autor: Ralf Burgmaier