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16. Januar 2012
Die Nummern zeigt auch die Kuppel
Die Nummerngirls Steffie und Julia drehen ihre Runden und erhalten mehr Beifall als die Boxer.
OFFENBURG. Über das ganze fünfeinhalb Stunden dauernde Programm des Abends in der Baden-Arena verteilt, hatten sie wohl den meisten Beifall von allen: die Nummerngirls Steffie und Julia. Doch das bekamen die Zuschauer an den Bildschirmen draußen im Land gar nicht mit, die mussten sich in den Ringpausen von Henry Maske und Waldemar Hartmann den Kampf im Ring sowie das Geschehen in der blauen und der roten Ecke erklären lassen. In der Halle gab es statt dessen jedes Mal Gejohle, vor allem, wenn die Favoritin der Massen, Steffie, mit einer Nummerntafel die nächste Runde ankündigte.
Drei Hammerschläge auf Holz kündeten den Boxern im Ring das nahe oder rettende Ende der Runde an. Das ist zugleich das Signal für Julia oder Steffie, sich bereit zu machen. Jetzt tritt Andreas in Aktion. Der Berliner im Smoking hat an diesem Abend mutmaßlich das schönste Amt. Er schnappt sich eines der von Runde eins bis zwölf durchnummerierten Schilder. Dann trägt er Julia oder Steffie Arm und Geleit an. Denn die fünf Stufen zum Ring sind für die beiden mit Zwölf-Zentimeter Stilettos zu erklimmen. Bei Steffies 185-Zentimeter-Gardemaß ein rechter Balanceakt. Andreas schafft mit Hand und Fuß routiniert eine Lücke in den Ringseilen, um die junge Frau durchschlüpfen zu lassen. Er übergibt das Nummernschild, und der einminütige Rundlauf kann beginnen. Immer im Gegenuhrzeigersinn durch den quadratischen Ring. An jeder Seite des Quadrats wird das Publikum durch Hochhalten des Schildes über die Nummer des nächsten Runde informiert. Das ist vollkommen überflüssig, denn die Projektionskuppel über dem Kampfplatz tut das auch, aber – im Vertrauen – darum geht es gar nicht. Man darf davon ausgehen, dass für das mehrheitlich männliche Boxpublikum die Themen Autos und Mädchen keine Randerscheinung des Interessensspektrums sind. Das zeigt auch die Dekoration der VIP-Lounge in der benachbarten Ortenau-Halle mit zwei roten Nobelhobeln. Und auch die Funktionskleidung eines bekannten Sportartikelherstellers, welche die Nummerngirls tragen, ist nicht ausschließlich auf die erforderlichen geschmeidigen Bewegungsabläufe hin optimiert.
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Spätestens die Publikumsreaktionen enthüllen den Zweck der Übung. Interessant, dass diese immer am heftigsten beim Stopp vor der Nordtribüne ausfallen, wo die Boxfans am weitesten vom Ring entfernt sitzen. Was Fantasie alles bewirkt! Die ist aber gar nicht notwendig. Julia aus Leipzig und Steffie aus Berlin erfüllen das Anforderungsprofil. Dieses legt übrigens auch fest, dass Nummerngirls keine Nachnamen haben. Steffie ist einfach Steffie und Julia, die am Samstag ihren ersten Auftritt als Nummerngirl absolvierte, ist einfach Julia. Steffie gibt lediglich preis, dass sie im richtigen Leben nicht modelt, sondern Betriebswirtschaftslehre studiert. Zum Ausgleich bleibt in diesem Bericht auch Andreas einfach nur Andreas.
Autor: Ralf Burgmaier
