Die SWR 1-Hitparade eigenständig und live interpretiert

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Fr, 28. Dezember 2018

Offenburg

Das fast schon traditionell zu nennende Vorweihnachtskonzert der Offenburger Cover-Rock-Institution Mainstreet in Weier war eine große Mitsingparty.

OFFENBURG. Um 20.30 Uhr ist die im neu renovierten Glanz erstrahlende Festhalle im Ortsteil Weier schon richtig gut gefüllt. Kurz vor der allgemeinen Besinnlichkeit Weihnachtsfeiertage will man sich hier ganz offensichtlich noch mal so richtig die Ohren durch pusten lassen. Nicht zum ersten Mal steht die Offenburger Formation Mainstreet am Samstag vor Weihnachten hier auf der Bühne. Fast kann man schon von einer Tradition sprechen.

Und auf den Punkt füllt sich der Raum nicht nur mit Menschen, sondern auch mit einem der bekanntesten Intros der Rockgeschichte. "Money for Nothing" im Original von den Dire Straits, allerdings mit einem pink-floydesken Synthesizerbett unterlegt, auf welches die rollenden Drums und der typische Mark-Knopfler-Gitarrenriff bereits für die ersten Verzückungen beim Publikum sorgen. Bekannte Radiohits, live und handgemacht interpretiert, sind seit Jahrzehnten die Spezialität der Offenburger Coversong-Veteranen von Mainstreet.

Sängerin Michéle Adler legt das dezente "I love my MTV" unter das ober erwähnte Intro bis Armin Hertle im typischen Mark-Knopler-Timbre mit dem Text einsetzt. Klaus Bayers Gitarre hat wesentlich mehr Wah-Wah-Effekt in dieser Version als das Original und macht an dieser Stelle schon einmal deutlich, dass Mainstreet mit eigener Note covert. Das Publikum ist textsicher und die Stimmung geht von null auf hundert in 30 Sekunden.

Beim Rockkracher "It’s only Love" von Tina Turner und Brian Adams kommt auch schon das erste Duett von und Michèle Adler mit Klaus Bayer, der bei Mainstreet nicht nur traditionell die Gitarre bedient, sonder auch singt und Adams’ rauen Ton gut trifft. Michèle gibt Turners Part eine andere Klangfarbe – was vernünftig ist, denn Turners Fußstapfen sind furchteinflößend groß. Im Zusammenklang mit Bayer passt es perfekt. Das folgende Stück ist von einer, der wohl unterschätztesten Bands der Siebziger Jahre: "The Sweet". Wer diese vier Herren immer leichtfertig in die Glam- und Glitterbox gesteckt hat, tat dies zu Unrecht, wie die Mainstreet-Interpretation des Welthits "Ballroom Blitz" mit seinem schnellen harten Sound, den Breaks und den fast gerappten Textzeilen beweist. Großartiger Mistsingrefrain.

Die weitere Setlist ist ein Who-is-Who bekannter und beliebter Rock- und Pophits der vergangenen 40 Jahre. Ein Fundus, in dem man sich Band und Publikum musikalisch so richtig austoben können. Egal ob bombastische Synthesizerpassagen wie bei Totos "Hold the Line", "Radar Love", "Heavy Cross" und Mother’s Finest "Baby Love" oder knarziger Rock’n’Blues wie bei den Stücken"Civilized Men" von Joe Cocker,"Bed of Roses" von Bon Jovi oder auch "Verdammt lang her" von BAP. Auch hier setzt die Band ganz eigene Akzente, aber der Grundton der Stücke – die Wiedererkenn- und Mitsingbarkeit bleibt immer erhalten. Mainstreet hat alles im Gepäck, was zu einer ordnungsgemäßen rockigen Vorweihnachtsparty gehört.

Eine Hitperle reiht sich an die andere, und da müssen – um das SWR 1-Hitparaden-Feeling komplett zu machen – unbedingt auch"Stairway to heaven" und "Hotel California" kommen. Alle, Musiker und Gäste haben sich auf diesen Abend offensichtlich gefreut, und aus so einer Melange wird aus "Rocking Around the Christmas Tree" mehr als nur ein Songtitel.