Die Vermarktung einer Idee ist oft schwerer als deren Entwicklung

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Sa, 10. Februar 2018

Offenburg

Marktplatz der Innovationen: Vor der Gründerinitiative Ortenau können zwölf junge Firmen ihr Geschäftsmodell vor potenziellen Investoren präsentieren.

OFFENBURG. An der Schnittstelle zwischen Start-up-Gründern-Gründern und potentiellen Abnehmern und Geldgebern arbeitet Start-up-Connect. Die Gründerinitiative der Ortenau ist ein Projekt der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau GmbH (WRO) mit Sitz im Technologiepark Offenburg. Hier haben in dieser Woche zwölf junge Firmen ihr Geschäftsmodell in Kurzform vorgestellt. Die Adressaten waren Entscheider aus dem 160 Firmen umfassenden WRO-Netzwerk.

Start-up-Connect bietet ausgewählten Gründern ein sechsmonatiges Förderprogramm, den Accelerator (Beschleuniger) als Hilfe zur Erreichung der Marktreife. Es ist für Teilzeit-Gründer ausgelegt ("Part-Time"), das heißt, die Teilnehmer haben einen Brotberuf oder studieren noch. An ihren Konzepten und Produkten arbeiten sie nach Feierabend und am Wochenende. Wie aber kommen sie nun an Kunden heran, ohne die alle Arbeit umsonst ist? Wie erreichen sie Kapitalgeber, die bereit sind, Anlaufinvestitionen zu finanzieren? Die Vermarktung ihrer Geschäftsidee ist für Gründer oft viel schwieriger als deren Entwicklung. Viele scheitern in dieser Phase. Zwei der zwölf vertretenen Start-ups nehmen am Accelerator teil.

Alexander Feldberger hatte, wie alle Teilnehmer, drei Minuten Zeit, den Zuhörern sein Konzept verständlich zu machen. "Amigo" ist aus Sicht der Nutzer zunächst eine App, die für Familien die individuell passenden "Standortfaktoren" vor Ort ermittelt. Gefüttert mit Strukturdaten der Familie wie Alter, Geschlecht, Interessen liefert Famigo Informationen wie Lage und Ausstattung von Spielplätzen, Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen und dergleichen. Dahinter verbirgt sich ein datenbankbasiertes System, das im Austausch mit den Gemeinden die erforderlichen Informationen einsammelt, aufbereitet und aktuell hält.

Ebenso im Accelerator vertreten sind die Gründer von "Falcon A.I.", einem Assistenzsystem für Personalentscheider, das der Vermeidung von Fehlentscheidungen dienen soll. Das Nutzenargument geht von der Annahme aus, dass in einem Drittel aller Fälle die falschen Leute eingestellt werden. Falcon A. I. gibt Entscheidungs-Hilfen, die aus den personalrelevanten, oft immensen Datenmengen ("Big Data") des betreffenden Unternehmens generiert werden.

Der Anwendernutzen wurde auch beim mobilen 3-D-Laserscanning der dotscene GmbH transparent, das Geschäftsführer Nicolas Trusch präsentierte. Trusch und seine mittlerweile sieben Mitarbeiter scannen Gebäude und Landschaften und erzeugen aus den Daten 3-D-Modelle, die vielfältigen Zwecken dienen, zum Beispiel als Gebäudeaufmaß für Leistungsverzeichnisse oder für Fluchtwegeplanungen. Kunden sind unter anderem Industrie und Immobilienunternehmen, die ihren Gebäudebestand kartieren wollen. Diese drei Start-ups seien hier aus Platzgründen stellvertretend für die anderen Teilnehmer genannt. Alle Firmen präsentierten anschaulich und informativ ihr Konzept. Die in der Gründerszene als "Elevator Pitch" bekannte kompakte Veranstaltungsform verlief unter der erfahrenen Moderation von Florian Schwer entsprechend zügig. Von den jeweils zwei Minuten, die für Fragen zur Verfügung standen, machte das Publikum diszipliniert und rege Gebrauch. Im Anschluss bestand bei bester Verpflegung Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen und Austausch von Visitenkarten.

Informationen zum Accelerator-Förderprogramm für Existenzgründer finden sich unter www.Start-upconnect.rocks/accelerator/. Postadresse: Start-up Connect, In der Spöck 10, 77656 Offenburg, Ansprechpartner Florian Appel.