Die wohligen Tiefen dieser Stimme

Gertrude Siefke

Von Gertrude Siefke

Di, 22. März 2011

Offenburg

Lyambiko überzeugt auch bei ihrem zweiten Offenburg-Gastspiel mit Geschmack und Können.

OFFENBURG. Bereits zum zweiten Mal gastierte Lyambiko in Offenburg – und wer die thüringische Sängerin am Freitagabend in der Reithalle erleben konnte, wird auf einen dritten Auftritt hoffen: Auch wenn sie durchaus Anleihen bei Swing- und Folkgrößen wie Nat Adderley oder Tracy Chapman macht, gelingt es ihr, einen ganz eigenen Sound herzustellen.

Der ist zum einen ihrer wunderbar groovig-souligen Stimme geschuldet, die besonders in den tiefen Lagen beeindruckt; zum anderen der guten Abstimmung mit ihrer Band, die abgeklärt und pointiert zugleich Akzente zu setzen vermag. Mit ihrem siebten Album "Something like reality" hat sie einen überaus homogenen Sound geschaffen, der Dynamisierungen und überraschende Einfälle bereithält. Ob Soul, Rock, Jazz oder Pop – Lyambiko beherrscht die Stile, ohne sich ihnen unterzuordnen. Begleitet von Klavier, Bass und Schlagzeug streifte sie auch ihre sängerische Vergangenheit und präsentierte Stücke aus ihrem ersten Album. Auf die große Show verzichtete sie, wirkte dabei umso authentischer und glaubwürdiger. Auch blieb genug Entfaltungs- und Spielraum für ihre Bandmitglieder, die sich mit brillanten Soli hervortaten, um sich dann wieder auf ihre Rolle im Hintergrund zu besinnen.

Lyambiko wuchs in einer musikalischen Familie auf, ihr Großvater war Mitglied einer Jazzcombo, ihr Vater Sänger in Worldmusic-Bands. Sie selbst nahm Unterricht in Saxophon, Klarinette und klassischem Gesang – und diese fundierte Ausbildung findet ihren Niederschlag in der souveränen Beherrschung der verschiedenen Stile und Ausdrucksmöglichkeiten. Mit 17 Jahren gründete sie ihre erste Band, 1999 zog sie nach Berlin, zwei Jahre später nahm sie mit ihrem Quartett die Konzerttätigkeit auf.

Schmeichelnde Jazzstandards, Originalkompositionen, die ihren Weg in die musikalische Selbstständigkeit bahnten, aber auch immer wieder Coverversionen aus der Rock-Pop-Szene zeigen die ganze Bandbreite auf. Warum Lyambiko trotz der starken eigenen Songs überhaupt covert, erklärt sie selbst: "Wir wählen nur Songs, von denen wir denken, dass sie sich in den Lyambiko-Klang einfügen lassen. Und natürlich um aufzuzeigen, was uns musikalisch beeinflusst." Seit 2007 interpretiertdie Sängerin mit einem Kinder- und Jugendchor afrikanische Musik. Auch diese Tätigkeit schlägt sich in dem neuen Album musikalisch nieder. Anhaltender Beifall.