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03. Dezember 2008
Ein Boxer, der innere Stärke zeigt
Profi Luan Krasniqi sprach gestern vor Gewerbeschülern und warnte vor Spielsucht und anderen Dummheiten
OFFENBURG. Luan Krasniqi, Europameister und Vizeweltmeister, war gestern in Offenburg. Der Boxprofi wirkte beeindruckend und authentisch, auch wenn er statt Boxhandschuhen und Boxershorts einen Anzug trug. Lotto Baden-Württemberg hatte ihn eingeladen, im Rahmen einer Kampagne gegen Spielsucht vor 350 Berufsschülern zu sprechen. Krasniqi sprach nicht nur über Sucht, sondern beantwortete auch Fragen der Schüler zu den Themen Sport, Angst, Familie und die Wichtigkeit echter Freunde – mit klaren und vor allem pathosfreien Aussagen.
Warum er sich für SOS-Kinderdörfer engagiere, in denen Waisenkinder in Familien aufwachsen? "Weil eine Familie zu haben, das Größte ist", sagt der Schwergewichtler, "sie hält dich fest, wenn du sie brauchst." Ob er oft zu Boden gegangen sei? Krasniqui: "Ich war oft am Boden. Das ist normal im Boxsport. Es gibt pechschwarze Tage, an denen man Prügel bezieht." Da müsse man innere Stärke haben, um nochmals in den Ring zu steigen. Er fühle sich mit den Freunden zu Hause in Rottweil am sichersten: "Die kannten mich, bevor ich groß wurde. Die sind ehrlich." Er spielt auf den anstehenden neuerlichen Comeback-Versuch des 45-jährigen Ex-Weltmeisters Evander Holyfield an. Das sei unvernünftig. "Wenn Holyfield die richtigen Leute um sich hätte, würden sie ihm abraten." Die Gesundheit sei das wichtigste. Er selbst stehe mit 37 Jahren vor der Entscheidung, wie es weitergehe. Der Traum, nochmals den Weltmeister herausfordern zu dürfen, sei da. Aber: "Ich will das in Ruhe überlegen."Werbung
Begonnen habe er als 16-Jähriger, durch seinen Bruder. Obwohl er rasch Erfolge hatte, sei das Profitum für ihn lange kein Thema gewesen: "Erst das Abi – dann die Ausbildung", so der gelernte Großhandelskaufmann, "ich wollte auf der sicheren Seite sein." Profi wurde er nach dem Gewinn der Bronzemedaille 1996 in Atlanta – eine Entscheidung, die er nie bereut habe. "Ich habe unglaubliche Höhen und Tiefen erlebt."
Ob er schon einmal Angst gehabt habe? Krasniqui nimmt das Thema sehr ernst. Angst sei wichtig, sagt er. Sie mache einem klar, auf was man sich einlasse. "Aber sie darf dich nicht lenken." Angst und Respekt lägen nahe beisammen, man müsse die Leistung des Gegners anerkennen. Auch als schlagfertig erweist sich der 1,92-Meter-Mann. "Kaufen Sie mir ein Auto?" fragt einer der Schüler vorwitzig. Krasniqui trocken: "Nein. Das Finanzamt würde die Ausgabe nicht anerkennen."
Sucht – das gebe es in Boxerkreisen gar nicht selten – "nämlich die Sucht, nicht aufhören zu können mit dem Boxen". Mancher Kollege bezahle das mit seiner Gesundheit. Auch die Spielsucht habe er kennengelernt, einmal, beim Spielen an einem Automaten. "Anfangs war das nur Jux und Tollerei. Ich verlor, plötzlich merkte ich, wie es mich packte." Sein Tipp: "Wenn ihr zocken geht, weil ihr das ausprobieren wollt, geht mit ehrlichen Freunden, die euch von Dummheiten abhalten." Man brauche die Stärke aufzuhören – beim Verlieren wie beim Gewinnen. "Du willst aus hundert Euro tausend machen, und aus tausend dann 10 000. Das nimmt doch kein Ende!" Die Informationen des Begleitteams – Mitarbeiter der Lotto GmbH und einer Suchtberatung – kommen an. Statistiken – 265000 Spielsüchtige, die sich bei der Beratung in Stuttgart meldeten – und Originaltöne von Betroffenen zeigen Wirkung: "Zuerst habe ich die EC-Karte meiner Frau benutzt. Dann kam das Sparbuch meiner Tochter dran." Man lacht – und ist schockiert. Die meisten Spielsüchtigen kleben am Automaten. Sportwetten und Lotto rangieren im hinteren Feld. Gerade bei Sportwetten scheinen viele auf ihr Sportwissen zu vertrauen. "Es ist aber überwiegend Glück", so Krasniqui. "Ich kenne mich im Boxen aus. Ich habe ein einziges Mal gewettet – und verloren."
Hilfestellungen bei Spielsucht gibt es unter der Spielsucht-Hotline 0180 577 43 53 oder in Offenburg, Tel. 0781/919 34 80.
Autor: Robert Ullmann
