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10. Februar 2012

Ein startender Kampfjet

E-Gitarrenstar Samantha Fish bei der Bluescaravan.

  1. Samantha Fish ließ ihre Telecaster ungemein virtuos krachen. Foto: rob

OFFENBURG. Die Band der diesjährigen Blues Caravan war fast dieselbe wie vor einem Jahr: Drummer Denis Palatin als Quotenmann sowie drei "Girls with Guitars": Die extrem expressive Samantha Fish, die soul-eske Dani Wilde plus die neue Bassfrau Victoria Smith. Trotzdem war es am Mittwochabend in der Offenburger Reithalle ein völlig anderes Konzert als vor einem Jahr.

Samantha Fish, knapp über zwanzig, lange blonde Haare, Telecaster um die Hüften, stand diesmal im Zentrum. Sie ist diejenige, die in die Gitarrenposen geht, die als Sängerin wie als E-Gitarristen rotzt, motzt, greint, wütet, schluchzt, bettelt, protzt – alles was den Blues ausmacht. Zum Beispiel ihr Stück "Wait a Minute". Das beginnt mit einem rollenden Rumba-Rhythmus, die Drums swingen, der Bass flauscht auf, zieht die Noten zu kleinen Stöhnern. In das Break dann der schnoddrige Gesang: "I say it now, baby . . . " Es geht um einen von oben herab gegebenen Ratschlag an den Lover, die Beziehungstür nicht so schnell zuzuwerfen – denn sie würde sie nicht wieder öffnen. Der flockige Rhythmus unterstreicht die großspurige Attitüde. Zwischen den Zeilen gibt es kleine Rhythmus-Füllstücke auf der Gitarre, die helleren, schwebenden von Dani Wilde, die dunkel-breiten von Samantha Fish. Dann das Solo, zunächst stotternde Triolen und hochgezogene Stöhner, die aufreizend tremolieren. Dann pendeln die Gitarrenlinien über die Breaks drüber, werden immer aufreizender. Am Ende des Stücks bricht der Rhythmus los, geht über in einen Boogie, und die beiden Ladies hauen sich mit ihren Telecastern in bester Jam-Band-Manier die Soli um die Ohren.

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Samantha Fish taucht gern ab in die Bluesrock-Historie, bietet eine ganz zurückgenommene Version des Klassikers "I put a spell on you", eine Männerphantasie von einem Typ, der seine untreue und unwillige Frau mit Voodoo behext. Meist wird das sumpfig-düster dargeboten oder schräg-absurd wie vom New-Orleans-Voodoopriester Screaming Jay Hawkins. Fish macht das völlig anders. Der Rhythmus schleicht, die Gitarre flüstert, da und dort bricht ein einzelner Ton aus, wie ein Stöhnen, das entschlüpft. Ihr Gesang ist halblaut, flehend – bis die Fassade der Beherrschheit zerbricht, mit spitzen Schreien, wüsten Drohungen und einem doppelten Telecaster-Sound, der an einen startenden Kampfjet erinnert. Gewaltig!

Ab und zu muss die blonde mit dem kessen Ringel-Mini rauslassen, dass sie tief in das Genre hineingesurft ist. "Drinkin’ Muddy Water", von den Yardbirds aus den 1960er-Jahren, kennen nicht viele, die knapp über 20 sind. Jimmy Page war der Gitarrenschwinger des Originals.

Dani Wilde nahm sich leider zu sehr zurück, gab eher die Introvertierte. Sie ist eine tolle Gitarristin, filigran, feingliedrig, die auch mal den Boogie lostreten kann. Und sie ist eine großartige Sängerin mit einer Soulstimme, geschult an Otis Redding. Es gab Rock’n’Roll à la Little Richard und Countryrock-Anleihen im Stil von Tom Petty. Bei dem virilen schnoddrigen Shuffle "Runaway" zog Samantha Fish ihr Hyper-Hi-Heels auf und beendete einen starken Bluesabend mit einem Sprung von der Bühne ins Publikum.

Autor: rob