Ein Trio kämpft fürs Grundeinkommen

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Von ges

Mo, 24. September 2012

Offenburg

Interessengemeinschaft unterstützt Idee von DM-Gründer Götz Werner / Zwei Filmabende.

OFFENBURG (ges). "Man kriegt, was man braucht. Und dann leistet man, was man kann": Uta-Maria Klingenberger hat eine prägnante Formel fürs bedingungslose Grundeinkommen gefunden. Die Gewerbeschullehrerin tat sich mit Gleichgesinnten in der Ortenau zusammen, um für diese Form der staatlichen Existenzsicherung zu werben. Noch heute und morgen wird im Forum-Kino ein Dokumentarfilm zum Thema gezeigt.

Die Gruppe nennt sich IG BGO, Interessengemeinschaft Bedingungsloses Grundeinkommen Ortenau. Geburtsstunde des lockeren Bündnisses war der Vortrag von Götz Werner im Februar dieses Jahres. Der Gründer der Drogeriekette dm hatte im Salmensaal mit Witz und querdenkender Tiefe die Idee von der an nichts gekoppelten monatlichen Zahlung und das damit verbundene Menschenbild vorgestellt.

Wer will, ist ganz anders motiviert als wer muss

Der Mensch, so lautet Werners Überzeugung, werde sich aufgrund der materiellen Grundsicherung erst so richtig entfalten können. "Wir wollen das Thema bekannter machen und ins Gespräch bringen", nennt Christina Hamann das Anliegen der IG. Die Kinderkrankenschwester hat beruflich viel mit Burnout zu tun. Immer mehr Männer und Frauen hätten Schwierigkeiten, ihren Platz zu finden. Mit dem Einkommen für alle sei der Druck weg. "Der Mensch ist nicht kreativ, wenn er immer nur muss."

Die 52-Jährige sieht Unterbezahlung und Überforderung als weit verbreitete Phänomene, hinzu komme die Bedrohung durch Renten- und Altersarmut. Das Grundeinkommen könnte hier Abhilfe schaffen, es gebe keine Bittsteller mehr, die im Grundgesetz proklamierte Würde des Menschen sei hergestellt. Wobei die Monatszahlung nicht nur als Sozialleistung zu sehen sei, da sie ja allen Bundesbürgern zu Gute komme. Von einer utopischen Forderung will der Kreis nichts wissen. "Wir würden jetzt nicht hier sitzen, wenn wir nicht an eine mögliche Umsetzung glaubten", so Hamann. Das Thema sei präsent bis in den Bundestag hinein: "Da passiert zurzeit ganz viel." Gerade auch junge Leute fühlten sich angesprochen, weiß Klingenberger aus ihrem Schulalltag. Die 37-Jährige, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt, hat zudem die Erfahrung gemacht: "Schüler, die wollen, sind ganz anders motiviert als Schüler, die müssen." Würde sich der Staat die ganzen Transferleistungen sparen, seien die Kosten von 800 Euro pro Monat und Einwohner durchaus zu stemmen.

Für Heike Hügle ist es wichtig, Ideen in die Gesellschaft zu tragen. Die 44-Jährige, die seit Jahren im Wechsel mit Joachim Fischer das etwas andere Kinoprogramm im Forum zusammenstellt, hat in dem Schweizer Daniel Häni einen Kooperationspartner gefunden, der den von ihm konzipierten Streifen kostenlos zur Verfügung stellt. Der Filmessay "Grundeinkommen – ein Kulturimpuls" will zeigen, wie die Idee Wirklichkeit werden kann. Eingegangen wird auf die verschiedenen Modelle, die Finanzierung und die Konsequenzen für die Gesellschaft.

Der Eintritt ist frei, die Karten sollen dennoch wie gewohnt reserviert und an der Kasse abgeholt werden. Die Veranstalterinnen hoffen auf angeregte und anregende Diskussionen nach dem Abspann.

Heute und morgen wird der Film zum Grundeinkommen im Forum gezeigt.

Kartenreservierung unter http://www.forumoffenburg.de Kontaktadresse: IGBGO@gmx.de.