Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Oktober 2015

Eine gute Idee ist die Hauptsache

BZ-UMFRAGE: Was machen Offenburger Hochschulabsolventen nach dem Bachelor- oder Master-Examen?.

  1. Die BeJapys sind jetzt nur noch zu dritt. Foto: julia trauden

  2. Dominik Gerspacher Foto: jtr

  3. Carolin Sexauer und Florian Pfeiffer Foto: jtr

Von Julia Trauden

OFFENBURG. 442 Studenten hat die Hochschule Offenburg im Frühjahr mit Bachelor- und Masterzertifikaten verabschiedet. Was machen sie nach ihrem Studium in Offenburg? Schritt in die Selbstständigkeit oder ein paar Jahre Arbeitserfahrung bei einem Unternehmen? Die BZ hat einige Ex-Studenten gefragt, wie es bei ihnen nach dem Studium weitergegangen ist.



Die Blackbox

Carolin Sexauer und Florian Pfeiffer haben ihr Studium an der Hochschule Offenburg im Februar 2014 abgeschlossen, auf ihre Geschäftsidee, die "Blackbox", arbeiten sie aber schon länger hin. Carolin, die den Bachelor in "Medien und Informationswesen" gemacht hat, hat ihre ersten Gehversuche 2011 als Hochzeitsfotografin gemacht. "Anfangs muss man sich als Studentin erst mal behaupten", sagt die 24-Jährige. Nach und nach seien immer mehr Aufträge gekommen, heute macht sie Babyfotos, Porträts und Hochzeitsbilder. Die Idee zur "Blackbox" kam ihr zusammen mit ihrem Freund Florian, der den Bachelor in Logistik gemacht hat. Es ist eine mobile Fotobox, die Direktdrucke macht. Auf einem Bildschirm können die Kunden ein Layout auswählen und selbst den Auslöser drücken, wie in einer Fotokabine, bloß im Freien.

Werbung


Derzeit gastieren Carolin und Florian mit ihrer Box auf Hochzeiten und bringen Requisiten für die Gäste mit: Bärte zum Ankleben, Brillen oder Hüte. "Die Fotos sollen ein Erlebnis sein", erklärt Carolin, "und der Vorteil ist, dass jeder eines mit nach Hause nehmen kann." Was nicht heißt, dass die Arbeit nach der Feier vorbei ist: Zu Hause angekommen, bearbeitet Carolin die Fotos und packt sie auf eine CD, die sie dem Hochzeitspaar zukommen lässt. Für die Besuche der Veranstaltungen und die Nachbearbeitung geht üblicherweise ein Wochenende drauf, "aber uns macht die Arbeit ja Spaß", sagt sie.

Die Hochzeitstermine sollen nicht die einzige Geldquelle sein, erklärt sie: "Wir wollen die Blackbox auch auf großen Firmenfeiern und Veranstaltungen etablieren." Neben dem selbstständigen Projekt arbeiten sie und ihr Freund unter der Woche in Vollzeitjobs: Sie im Online-Marketing bei Burda und er in einer Logistikfirma. "Die Urlaube verschieben wir auf die Zeit nach der Haupt-Hochzeitssaison", sagt Florian. "Und während des restlichen Jahres entspannen wir halt abends mit einem Glas Rotwein – das reicht auch."

Gründerstipendium

Vor einem Jahr machte das Video von drei Hochschulstudenten aus Offenburg die Runde um die Welt: In der Freiburger Fußgängerzone setzten sie sich neben einen Obdachlosen, stellten einen Hut auf und sangen ein Lied. Passanten blieben stehen, warfen Geld für den Obdachlosen in den Hut. Als die drei weiterzogen, blieb er verdutzt zurück. Über 20 Millionen Klicks hat das Video bei Youtube inzwischen. Julian, Andreas, Peter und Yannick (J.A.P.Y.) wollten Menschen inspirieren, mit kleinen Dingen Gutes zu tun. Und das hat das Video wohl getan.

Inzwischen ist BeJapy gewachsen, war in Talkshows zu Gast und hat sich mit anderen wohltätigen Organisationen im In- und Ausland vernetzt. Mehr als 180 000 Nutzer folgen dem Verein bei Facebook. Die Anfangskonstellation habe sich seit den Anfängen ein wenig geändert, erzählt Peter: Julian und Yannick könnten nicht mehr so viel Zeit in den Verein investieren, daher seien sie jetzt zu dritt: er selbst, Andreas und Lukas, der in Offenburg Wirtschaftsingenieurwesen studiert und neu dazugestoßen ist. Eigentlich studieren die Jungs alle noch in Offenburg, sagt Peter, aber der Verein nehme sehr viel Zeit in Anspruch: "Vier Tage in der Woche sind für BeJapy reserviert." Gerade sind er und seine Vereinskollegen in Hamburg, wo sie ein siebenmonatiges Gründerstipendium bekommen haben und lernen, eine Non-Profit Organisation zu managen. Der Unterricht ist kostenlos, alles andere müssen die Jungs selbst zahlen. "Wir jobben alle nebenher, sonst wäre das Ganze gar nicht finanzierbar", erklärt Peter. Sein Ziel sei es, mit BeJapy seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Über konkrete Alternativen denkt er noch nicht nach.

"Wir fokussieren uns gerade voll darauf, den Verein besser zu strukturieren, damit er wachsen kann", erzählt der 28-Jährige. So soll es bald möglich sein, Mitglied im Verein zu werden. Bisher tragen den Verein die vier Jungs. In einem Co-Working Space könnten in Zukunft mehrere die Arbeit unter sich aufteilen und die Abläufe so effektiver machen.

Für Freelancer

Für Dominik Gerspacher stand schon vor dem Studium fest, dass er sich selbstständig machen will. Bevor er nach Offenburg kam, um "Medien, Gestaltung, Produktion" zu studieren, hat er eine Ausbildung als Print- und Screen-Designer gemacht. "Da habe ich festgestellt: Ich will mein eigenes Ding machen, meine Ideen verwirklichen und mich nicht in etwas hereinzwängen lassen", sagt der 27-Jährige.

Um sich nach der Ausbildung möglichst breit und praktisch weiterzubilden, absolvierte er bereits vor und während des Studiums diverse Praktika: beim Verlag, beim Radio, in der Druckerei, in einem Tonstudio und weiteren Betrieben in Offenburg. "Ich wollte in jede Mediengattung wenigstens mal reinschauen ", sagt der 27-Jährige. Entschieden hat er sich letztlich für die Gestaltung von Werbung in Form von Print- und Screendesign, Animationen und Luftbildaufnahmen. Schon nach dem ersten Studiensemester machte er sich mit diesen Leistungen unter dem Namen "Dom@Design" selbstständig. Für die Hochschule und die Messe Offenburg-Ortenau hat er unter anderem schon gearbeitet sowie für eine Werbeagentur in Gengenbach und Offenburg.

Im August 2014 hat Dominik seine Bachelorarbeit an der Hochschule Offenburg abgegeben und ist zurück nach Konstanz in seine Heimat gezogen. Gerade erst hat er dort mit Partnern das Onlineportal "Freelancer-Bodensee" eröffnet, welches Selbstständige und Auftraggeber in der Bodenseeregion zusammenbringen und das Netzwerk unter Freelancern rund um den Bodensee fördern soll.

Sein neuestes Projekt, mit dem er einen Schritt in die organisierte Selbstständigkeit machen will, ist "MediaLab": ein Co-Working-Space für Freelancer, der für Kunden aber als Full-Service-Werbeagentur funktioniert.

Die Grundidee ist Thema der Bachelorarbeit gewesen: Die Agentur nimmt Aufträge von Unternehmen an und verteilt einzelne Aufgaben an selbstständige Fachleute. Diese können sich für die Bearbeitung einen Schreibtisch im Co-Working Space anmieten. Die Agentur streicht eine Provision ein, dafür sind die Aufgaben nach Kompetenz verteilt, und die Freelancer haben trotzdem Gelegenheit, weitere, externe Aufträge anzunehmen. Für ihre Idee haben Dominik und weitere Gründungsmitglieder schon einen Investor gefunden. Beim lokalen "Elevator Pitch BW" in Konstanz, einem Gründerwettbewerb in ganz Baden-Württemberg, wurde dieser im November auf die Idee aufmerksam. Drei Minuten hatten Dominik und seine Kollegen dort Zeit, ihr Konzept vor offenem Publikum und einer Jury vorzustellen – und haben offensichtlich überzeugt. "Wenn alles gut läuft, können wir demnächst die Räumlichkeiten beziehen und im November die Türen öffnen", sagt er.

Autor: jtr