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29. Dezember 2009
Eine prima Premiere
Peter-Oehler-Band gastierte am Sonntag in der Reithalle / Begeistertes Publikum
OFFENBURG. Zig Rock-, Pop- und Soul-Konzerte hat er mit seinen Gitarrenkünsten schon veredelt. Jetzt agierte Peter Oehler erstmals als Bandleader unter eigenem Namen – und tat beim Konzert am Sonntag in der Reithalle etwas, was den 500 Besuchern größten Respekt abnötigte: Er ließ den zwölf Kolleginnen und Kollegen größtmöglichen Freiraum. Sie nutzten ihn blendend. Viele Gäste dürften sich bereits die nächsten Termine notiert haben.
Der Name kann nur Programm sein. Wenn sich eine Musikgruppe Peter-Oehler-Band nennt, wäre es eine Mogelpackung, würde nicht die E-Gitarre dominieren. So war’s zu erhoffen, als Peter Oehler zur Weihnachtskonzert-Premiere seiner neuen Combo in die Reithalle lud. Der Wunsch ging in Erfüllung. Immer wieder griff der jung gebliebene 58-er – nicht Jahrgang – mächtig in die Saiten, inszenierte perlende Läufe oder einfach nur mächtige Ausrufezeichen. Zwar hat er über Jahre hinweg auch "nette" Musik gemacht, etwa mit Leuten wie Costa Cordalis, doch tief in seinem Herzen ist er Rockmusiker. Es macht einfach Laune, seinem virtuosen Spiel zu folgen. Sein Können konnte er in den vergangenen Jahren nur selten aufblitzen lassen, etwa bei den Januar-Konzerten von "Jimmy’s Soul Attack". Im Rampenlicht standen dort andere. Er sagte adieu, gründete was Eigenes – und kann sich jetzt ausleben. Kurz die Einarbeitungsphase. "Insgesamt gab es nur drei Proben", räumt Oehler ein, "die gesamte Band hatte gar nur eine." Hie und da ist das nicht zu überhören; die Einsätze kamen nicht immer exakt rüber, nicht alle Texte saßen.Werbung
Doch Nörgeln ist nicht erlaubt. Wichtig ist, was unterm Strich rauskommt, sagte schon ein Bundeskanzler. Der tosende Applaus, Tanzeinlagen und "Zugabe"-Rufe sprachen am Sonntagabend eine eindeutige Sprache. Man wollte sie einfach mal wieder hören, die Heroen aus den 80er, 70er oder gar 60er Jahren.
Man nehme nur Pit Köther, der mit Connubial Act auf Achse war und auch bei den "Heeds", "Starlighters" und kurz auch bei "Escorial" trommelte. Oder Bernd Wetzel, dieser toppe Keyboarder, einst bei "Look & Listen" und "Face Control" im Einsatz. Oder Mario Reinfarth, der den Bass-Teppich schon bei "Secret Combination" und der "Soul Attack" mit stoischer Ruhe legte. Zur Original-Band gehört auch Soul-Dame Moni Siegler, früher Frontfrau der Baracudas.
Dazu lud sich Peter Oehler weitere Freunde ein: Jess Haberer, einst bei den Shatmen, bei Pföne Mupfel und Megaphon; Bodo Schopf aus Stuttgart, vielleicht einer der besten Schlagwerker der Republik und Oehler-Spezi aus dessen München-Stuttgart-Mannheimer Profi-Zeiten; dazu Top-Tastenmann Harald Fahrner ("Child’s Anthem") und Werner Möschle und Schwester, durch "Ultimo" längst ein Begriff: Andrea – klein, aber oho! – hat gar das Zeug zur Entertainerin.
Die Musik? Querbeet, nicht selten betagt, aber knackig und lange nicht mehr im Ohr: Santana ("Oye como va"), Steely Dan ("Do it again"), Lady Marmelade "Voulez-vous coucher avec moi?") oder Sting ("Brand new day"). Dazwischen ein kurzes, aber höchst hörenswertes Intemezzo von Joe Killi (Gitarre), Heike Merz (Gesang) und Marlon Grieshaber (Cajon).
Das Projekt "Peter Oehler Band" bleibt keine Eintagsfliege. Gerockt wird bereits wieder am 15. Januar im Casa Verde in Hofweier und im März im Pfiffedeckel in Schutterwald. Da dürfte auch wieder "Nordrach" zu hören sein – ein Titel, um den Oehlers Ex-Combo Jud’s Gallery mit Gary Moore dauerprozessierte – weil dieser ihn klaute und als "Still got the blues" einen Welterfolg landete.
Autor: Hubert Röderer
