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01. Februar 2012

Eine Schulsekretärin aus dem Bilderbuch

Bärbel Fuchs wird heute 75 Jahre alt / Als "Grimmels-Mama" bekannt und als "Preußin" in der Ortenau sesshaft geworden.

  1. Bärbel Fuchs Foto: peter heck

OFFENBURG. Schön, mal wieder etwas über unsere "Grimmels-Mama" zu erfahren, werden ehemalige Schülerinnen und Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums bei der heutigen Zeitungslektüre sagen und in Gedanken Bärbel Fuchs, der unvergesslichen Sekretärin, zum 75. Geburtstag alles Gute wünschen. Ihr Einsatz während der sechsjährigen Tätigkeit war beispielhaft. Allerdings sei ihr anfänglich Sekretariatsarbeit vollkommen fremd gewesen, gesteht die Seniorin.

Sie studierte in Freiburg und München Volks- und Betriebswirtschaft, brach aber nach ihrer Heirat im Jahr 1959 das Studium ab. Die Erziehung ihrer Kinder Jochen und Gisela ließen den Wunsch nach einem Beruf in den Hintergrund treten. 1962 zog die Familie nach Offenburg, wo der Familienvater die Leitung der Planungsgemeinschaft Mittelbaden übernommen hatte. Einige Jahre später, nach der Scheidung, war Bärbel Fuchs auf Arbeitssuche und bewarb sich mit Erfolg bei der Stadtverwaltung. Am 1. Januar 1975, trat sie ihre neue Stelle im Sekretariat des Grimmelshausen-Gymnasiums an, und es brauchte viel gutes Zureden von Seiten des damaligen Schuldirektors Buchholz, dass sie nicht aufgab. Ein Schreibmaschinenkurs und ihre schnelle Auffassungsgabe machten die Arbeit bald zum Vergnügen. "Der Beruf, das war mein Leben", sagt sie und erinnert sich gerne an die hervorragende Zusammenarbeit mit ihrem Chef. Frau "Füchschen", wie sie auch genannt wurde, hatte für alle Zeit, konnte zuhören, half bei der Lösung von Problemen und bei der Beschaffung von Theaterkleidern. Sie konnte auch streng sein, wie sie einräumt; dass jemand Kaugummi kauend ins Sekretariat kam, duldete sie nicht. Sie behielt die Nerven, wenn es beim Abriss des alten Schulgebäudes und während des Neubaus organisatorisch rund ging und sie die Pausen mit der großen Glocke aus dem Fenster des alten Kapuzinerklosters heraus einläuten musste, weil kein Strom da war.

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Das anfänglich gute Arbeitsklima unter dem späteren Direktor der Schule verschlechterte sich zusehends, so dass sich Bärbel Fuchs schweren Herzens gezwungen sah, einen Versetzungsantrag zu stellen. Die Waldbachschule II war ihr nächster Arbeitsplatz, auch das Sekretariat der Musikschule hat sie mitbetreut. Als sie von der frei werdenden Sekretariatsstelle im Schiller-Gymnasium erfuhr, bewarb sie sich in letzter Minute und wurde eingestellt. Der neue Chef, Direktor Werner Tolz, habe ihre mitunter außergewöhnliche Hilfsbereitschaft toleriert, so auch, als eine ratlose Schülerin mit ihrem Hund, der ihr unbemerkt gefolgt war, im Sekretariat erschien. Nach kurzem Aufenthalt packte Bärbel Fuchs den Überraschungsgast ins Auto und fuhr ihn nach Hause.

Nach insgesamt 22 Jahren im Schulsekretariat ging sie mit 60 Jahren in Rente, war jedoch bereit, noch für drei Monate eine Vertretung an ihrem geliebten "Grimmels" zu übernehmen, gerührt über die spontane Begrüßung: "Die Grimmels-Mama ist wieder da". Sie bleibt "ihrer" Schule durch den Förderverein verbunden, 16 Jahre lang als Kassenverantwortliche und bis heute im Vorstand.

Bärbel Fuchs, geborene Detering, wurde in Bochum als "echte Preußin" geboren. Sie ist mit drei Geschwistern aufgewachsen, von denen nur noch die Schwester lebt. Bei ihr in Hagen wird die Seniorin ihren Geburtstag feiern mit der ganzen Familie, zu der auch zwei Enkelkinder gehören. Dass ihr anfangs das Leben in ländlicher Umgebung – erst Zunsweier dann Zell-Weierbach – schwer fiel, verhehlt sie nicht, sie sei eben ein Großstadtkind gewesen. Ihre Kinder hatten keine Probleme, davon konnte sich die Mama überzeugen, als sie erfuhr, dass ihr Sohn regelmäßig, bevor er in den Kindergarten ging, bei der "Ochsen"-Wirtin in Zunsweier frühstückte.

Langweilig war es Bärbel Fuchs im Ruhestand bis jetzt noch nicht. Vor einigen Tagen hat sie die Seniorenfasnacht des CDU-Ortsverbandes Zell-Weierbach organisiert, in dessen Vorstand sie seit 2004 vertreten ist. Vor 33 Jahren trat sie in den Stadtverband ein, war im Kreisvorstand engagiert und hat acht Jahre lang die Frauen-Union geleitet. Bridge-Spielen, Betreuung der Bücherei im Schulmuseum, Singen im örtlichen Gesangverein, Leiterin des Liturgiekreises der Kirchengemeinde, das sind einige der Beschäftigungen der agilen Seniorin.

Das Wochenende verbringt sie mit ihrem in Ettlingen wohnenden Lebensgefährten, der sich ebenfalls bei der CDU engagiert und wie seine Partnerin gerne reist. Als "Christo-Fan" war Bärbel Fuchs fast überall, wo dessen Verhüllungsaktionen zu bewundern waren. Seine signierten Bilder haben im Wohnzimmer einen Ehrenplatz.

Autor: Rosel Kesel