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22. Oktober 2009

Entstanden aus Aurora und Badenia

VEREINS-LEBEN: Der Mandolinen- und Gitarrenverein 1919 feierte seinen 90. Geburtstag / Mitspieler sind willkommen

  1. Mandolinenverein Offenburg Foto: privat

OFFENBURG. Im Jahresprogramm der Offenburger Kultur ist das Konzert des Mandolinen- und Gitarrenvereins 1919 e. V. eine feste Größe. Die Atmosphäre des Vinzentius-Gartens, wo diese Auftritte stattfinden, und der leise, wispernde Mandolinen-Klang schaffen eine mediterrane Stimmung. Es klinge schon immer ein wenig "italienisch", gesteht Rainer Pohlmann, seit zehn Jahren künstlerischer Leiter des Ensembles. Aus Anlass des 90. Geburtstag des Vereins gab es jüngst ein Konzert im Salmen.

Mit 15 Aktiven ist der traditionsreiche Verein noch passabel besetzt. Entstanden ist er 1919 durch den Zusammenschluss zweier Offenburger Mandolinen-Clubs, der eine mit Namen "Aurora", der andere hieß "Badenia". 50 aktive Spieler hatte das vereinigte Orchester. Das sind Zahlen, die von den fünf aktuell existierenden Ortenauer Vereinen – Appenweier, Auenheim, Zell am Harmersbach sowie Offenburg und Zell-Weierbach – nicht mehr erreicht werden. Der Mandolinenverein Auenheim 1922 unter Jean Philipp Hummel ist seit Jahrzehnten mit den Offenburgern verbunden und war Gast beim Salmen-Auftritt. Entstanden sind die Mandolinenvereine aus der Naturfreunde-Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts, die auch eine Bewegung hin zu einer romantischen Naturbetrachtung war. Hier kam ein "italienisches" Ideal mit ins Spiel, und so entstanden Mandolinen-Clubs, die mit den Naturfreunden verbunden waren.

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Den Nazis war die Bewegung ein Dorn im Auge. Sowohl die Naturfreunde wie auch die Mandolinen-Orchester wurden nach der Machtübernahme 1933 verboten. Das betraf auch die Offenburger. 1947 lebte der Verein mit Zustimmung der französischen Besatzer wieder auf. Aktueller Vorsitzender ist Karlheinz Geiser. Wie viele Vereine hat auch der Mandolinen- und Gitarrenverein Nachwuchssorgen. "Mit 15 Aktiven ist eine effektive Jugendarbeit nicht leistbar", sagt Pohlmann. Dazu komme, dass die Mandoline zwar ein klangschönes, aber kein spektakuläres Instrument sei. Es finde zwar Verwendung in der Folklore, sei ansonsten wenig bekannt. In den 1950er Jahren habe der Verein gerade im Gitarrenbereich großen Zulauf gehabt. Ausgelöst durch das Elvis-Presley-Fieber wollten viele Jugendliche Gitarre lernen. Pohlmann hofft auf einen Schub, ähnlich wie das im Bereich Akkordeon durch den Film "Die wunderbare Welt der Amélie" geschehen ist. Der Offenburger Verein hat sich stark der folkloristischen Musik verschrieben: Italienisches, Spanisches, auch mal ein Tango. Selbst wenn ein Marsch gespielt wird, klingt es doch immer irgendwie leicht und italienisch-romantisch. Pohlmann selbst liebt den zarten zirpenden Klang seines Instruments. Er löste 1999 Rudi See als Dirigent ab, der das Amt 40 Jahre inne hatte und viele Arrangements schrieb. Sehr gerne lässt sich der Verein von Gesangvereinen einladen. "Das harmoniert wunderbar zusammen", sagt Pohlmann.

Mitspieler sind willkommen, sollten aber ein paar Vorkenntnisse mit einem Zupfinstrument mitbringen. Geprobt wird donnerstags ab 20 Uhr im Rathaus Rammersweier. Infos und Links zur Zupfmusik im Land unter www.zupfmusik-bw.de

Autor: Robert Ullmann