Fast zum Heulen schön

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 15. Januar 2019

Offenburg

Das Cuarteto SolTango.

OFFENBURG. "Schreiben Sie was Schönes", baten mehrere Konzertbesucher die Rezensentin. In der Oberrheinhalle spielte das Cuarteto SolTango im Rahmen der Kammermusikreihe des Kulturbüros. Das Publikum war restlos begeistert.

Vom ersten Moment an spielen die vier Musiker, Thomas Reif (Violine), Karel Bredenhorst (Violoncello), Andreas Rokseth (Bandoneon) und Martin Klett (Klavier) voller Emphase und man ahnt schon gleich, dass dieser Abend ein Besonderer wird. Die Programmstruktur folgte einem klassischen Tango-Abend, bei dem meist drei gleichartige Stücke zu einer Tango-Tanda zusammengefasst werden, bevor eine kleine Pause den Wechsel bringt. Das Programm war ein Querbeet durch den argentinischen Tango.

Das Spiel der vier Musiker ist durch hervorragendes Zusammenwirken gekennzeichnet, die wellenförmige Musik, hinein in den Schritt und wieder heraus, ist tief empfunden, fast zum Heulen schön. Das Schmachtende in den Stücken "Maria" und "Yo te bendigo" von Anibal Troilo (1914 bis 1975) kommt zum Ausdruck. Es folgen zwei Milongas, die rhythmisch dynamischer sind, in der Dynamik aber gleichmäßiger, der Bogen des Geigers tanzt mit Freude, sehr spielerisch.

Dann folgen schwermütigere Stücke von Osvaldo Pugliese (1905 bis 1995), eine Pastorale, bei der die Musik schwer in den tiefen Schritt fällt, und zum ersten Mal auftaucht, was die Musiker besonders gut können und mehrfach an diesem Abend demonstrieren: Die letzte Note des Stückes zart entfliehend hinhauchen, als wenn nichts gewesen wäre.

Natürlich fehlt auch Astor Piazzolla (1921 bis 1992) nicht, der Schöpfer des Tango Nuevo. Hier wird es konzertanter, ruhig schreitend, eine Figur wiederholt sich permanent, gedämpft und dicht, das Glissando auf der Geige lässt Grillen zirpen hören, Zwischentöne prägen das feine nachdenkliche Stück.

Nach der Pause gibt es Tango-Walzer, sinnlich, rasant mit zartem feinen Spiel. Der Abend ist, obwohl in viele kleine Stücke gegliedert, einheitlich wie ein Schauspiel mit dramaturgischem Faden. Am Ende steht was Geheimnisvolles, Perlenketten im Klavier, dann übernimmt die Geige, ein schnelles Tempo und große Intensität im Spiel erinnern an Hummelsurren. Das Publikum will den Abend verlängern, die Musiker lassen sich nicht lumpen und geben Zugaben.