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07. März 2017

Finanzamt wirbt für Online-Verfahren

Vorausgefüllte Steuererklärung: Offenburger Behörde hofft auf viele Steuerzahler, die die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen.

  1. Ob mit Smartphone, Laptop oder Tablet – auch ihre Welt wird immer digitaler: Finanzamtschef Klaus Thomas Teufel (r.) mit seinen Abteilungschefs Michael Franz (Einkommensteuer) und Stefan Bauer (l., EDV). Foto: Seller

OFFENBURG. Die Digitalisierung macht auch vor der Steuer nicht halt: Bis 2022 soll möglichst die Hälfte aller 120 000 Steuerpflichtigen im Bereich des Finanzamtes Offenburg ihre Steuererklärung vollständig online bearbeiten. Bestimmte Belege müssen schon heute nicht mehr eingereicht, für den Fall einer Überprüfung aber bereitgehalten werden. Offenburgs Finanzamtschef Klaus Thomas Teufel wirbt für die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung: "Wenn man einmal registriert ist, ist es eine recht einfache Sache."

Am Anfang ist etwas Geduld gefragt. Wie etwa bei der Registrierung fürs Online-Banking wird aus Sicherheitsgründen immer noch auf den Postweg zurückgegriffen. Deshalb kann es alles in allem rund 20 Tage dauern, bis der Registrierungsprozess mit Aktivierungscode und PIN über das Portal "Elsteronline" abgeschlossen ist. "Sicherheit wird bei uns ganz groß geschrieben", sagt Klaus Thomas Teufel. Am Ende steht ein Software-Zertifikat, das zusammen mit einer Pin bei der Datenübermittlung die Unterschrift ersetzt. Das Zertifikat ist eine Datei mit der Endung ".pfx". Stefan Bauer, der beim Finanzamt Offenburg die EDV-Abteilung leitet, gibt als Tipp, das Zertifikat auch auf einem externen Datenträger zu speichern, etwa einem Stick. Dann ist es verfügbar, falls der Computer einmal schlapp macht oder kann mit jedem beliebigen PC verwendet werden. Das Zertifikat gibt es in drei Ausführungen – Elster-Basis, Elster-Spezial und Elster-Plus. Meist genügt das kostenfreie Elster Basis, das vor allem für jene Mehrheit der Steuerbürger geeignet ist, die nur einmal im Jahr eine Steuererklärung abgeben.

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Wer den Registrierungsprozess erledigt hat, profitiert fortan davon, dass alle seine beim Finanzamt gespeicherten Daten und Belege – etwa Lohn, Arbeitslosengeld, Krankenkassenbeiträge, Rentenzahlungen – elektronisch bereitgestellt sind und in die Steuererklärung eingelesen werden. "Ab dem zweiten Jahr ist die Zeitersparnis phänomenal", schwärmt Stefan Bauer. Auch die Daten von Dritten können über zusätzliche Ermächtigungen miteinfließen: Ehepartner oder Kinder müssen also nicht zwingend über einen eigenen Zugang auf Elsteronline verfügen. Allerdings sollte die vorausgefüllte Steuererklärung nicht vor dem 28. Februar des jeweiligen Jahres beantragt werden, weil dann erst die Frist abläuft, bis zu die Arbeitgeber die Lohndaten übermittelt haben müssen.

Beim Einrichten des "elektronischen Finanzamts" geben Broschüren, eine Kurzanleitung sowie Videos auf Elsteronline Hilfestellung, nicht zuletzt sind über die Homepage des Finanzamtes Offenburg auch Experten erreichbar, falls es einmal Probleme geben sollte. Als bisher einziges Finanzamt hat die Offenburger Behörde bislang sogar vier Workshops angeboten, in denen jeweils rund 50 Interessierten das Verfahren erläutert wurde. Die Resonanz war laut Stefan Bauer groß, auch viele Ältere ließen sich die digitale Steuererklärung erläutern.

Ein wichtiger Teil des seit Jahresbeginn geltenden "Gesetzes zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens" betrifft die Belege, etwa über Kapitalerträge oder Spenden. Die bisherige Belegvorlagepflicht wird zur Belegvorhaltepflicht. Es muss also kein Beleg mehr eingereicht werden, für eventuelle Rückfragen des Finanzamtes aber als Nachweis immer greifbar sein: "Wir vertrauen den Steuerpflichtigen so, wie sie ihre Erklärung unterschreiben." Aber: Wo sich bisher ein gründlicher Finanzbeamter möglicherweise auf eigene Entscheidung in wenig ergiebige Details verloren hat, da prüft jetzt ein digitales Risikomanagementsystem, ob plausibel ist, was erklärt wurde. Schlägt dieser Risikofilter an, dann bekommt der Beamte einen Hinweis, gezielt nachzuschauen.

Finanzamtschef Teufel geht nicht davon aus, dass das Steueraufkommen deshalb künftig geringer ausfällt – im Gegenteil: "Wir brauchen die Mitarbeiter, um die Rosinen zu finden." Zu einem Personalabbau soll die Digitalisierung laut Teufel nicht führen, wohl aber zu einer Umschichtung: "Es kann dann durchaus sein, dass auch ein Privatmann mal wieder Besuch wegen seines Arbeitszimmers bekommt."

Der Finanzamtschef hofft, dass sich möglichst viele Steuerzahler registrieren "und in einem halben Jahr feststellen: Es hat sich gelohnt."

Autor: Helmut Seller