Flucht vor Polizei: Im Bärenkostüm gegen Wand gelaufen

Harald Rudolf

Von Harald Rudolf

Mi, 12. September 2018

Offenburg

18-jähriger verletzt bei Reblandtreffen Beamte / Sein Anwalt erhebt vor Gericht auch Vorwürfe gegen Polizei und Richterin.

OFFENBURG. Ein 18-Jähriger ist am Amtsgericht wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Körperverletzung zu 80 Arbeitsstunden verurteilt worden. Der Auszubildende war laut Anklage beim Reblandtreffen im Januar in eine Schlägerei verwickelt und wehrte sich, als die Polizei ihn ansprach. Die Polizeibeamten erlitten bei der Auseinandersetzung Schürfwunden. Bei der Flucht vor dem polizeilichen Zugriff rannte der Angeklagte, der sich beim Reblandtreffen in Rammersweier in einem Bärenkostüm zeigte, gegen eine Wand. Da er zur Tatzeit gegen 23.45 Uhr alkoholisiert gewesen sei und durch den Aufprall eine Gehirnerschütterung davon trug, "kann und wird er nichts dazu beitragen", sagte sein Verteidiger Gregor Strempel.

Der 18-Jährige, der sich vor Gericht so uneinsichtig wie angriffslustig zeigte, wohnt nach eigenen Angaben bei seinen Eltern. Er, so sein Verteidiger, könne nichts dafür, dass sich die Polizisten bei der Aktion verletzt hätten. Strempel plädierte auf Freispruch und legte Berufung gegen das Urteil ein. Nach Aussagen der Beamten war die Polizei beim Zunftabend mit vielen Einsatzkräften tätig. Streifen seien das gesamte Areal abgelaufen. Eine Festwache mit einer "Bearbeitungsstraße" wurde eingerichtet. Dauernd, so die Polizisten, gab es neue Fälle. Polizeibekannte Vorfälle beim Reblandtreffen waren: zwei Widerstandshandlungen, vier Körperverletzungen, einen Hausfriedensbruch und eine sexuelle Belästigung. Neun Platzverweise wurden laut Polizei ausgesprochen.

"Festwache" muss ständig neue Fälle bearbeiten

Bei der Landjugend hatten gerade zwei Pärchen einen Streit, als die Nachricht von einer Schlägerei in der Haupthalle die Polizisten erreichte. Eine Streife eilte dorthin. Der Angeklagte hatte den oberen Teil seines Bärenkostüms heruntergezogen und stand im T-Shirt und mit blutiger Hand vor Ort. Über Funk, so die Polizisten, sei ihnen mitgeteilt worden, der Schläger trage ein Bärenkostüm. "Aber das hatten viele an." Der 18-Jährige habe auffällig reagiert und sei angesprochen worden. Da, so die Polizisten, sei er schon weggerannt – gegen die Wand. Ein Beamter konnte ihn noch halb festhalten. Es entstand ein Gerangel, bei dem der junge Mann seine Hände unter dem Körper versteckte. Drei Polizisten waren nötig, um ihn in den Griff zu bekommen. "Es war sehr anstrengend, ihn zu schließen." Dabei verletzten sich die Beamten. Anschließend brachten sie den 18-Jährigen auf die Festwache und übergaben ihn den Sachbearbeitern. Die dem Vorfall vorausgehende Schlägerei konnte nicht aufgeklärt werden. Das Opfer war zu betrunken, um den Schläger zu identifizieren. Laut Staatsanwaltschaft hat der Verteidiger im Nachgang der Verhandlung Strafanzeige gegen Richterin Ute Körner und die Polizeibeamten gestellt. In einem Schreiben bat er die Staatsanwaltschaft, Ungereimtheiten in den Aussagen der Polizisten zu überprüfen. Richterin Körner hätte sich zudem nicht korrekt verhalten. Der Verteidiger regte an, die von ihm erhobenen Vorwürfe zu überprüfen. Dies, so die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, Miriam Kümmerle, werde als Strafanzeige gewertet. Üblich, um dem Vorwurf der falschen Verdächtigung zu entgehen, ist auch die anwaltliche Bitte um eine Überprüfung. Die Staatsanwaltschaft selbst hat ein Verfahren gegen einen vom Angeklagten benannten Zeugen wegen falscher uneidlicher Aussage eingeleitet. Strittig war der Zustand des 18-Jährigen. Laut Verteidigung wurde er von den Polizisten aus der Halle geschleift, laut Polizei konnte er noch gehen und wurde lediglich geführt.