Früher war sogar die Zukunft besser

Armin Krüger

Von Armin Krüger

Di, 27. Februar 2018

Offenburg

In Ohlsbach hat der Verein Technisches Erlebnismuseum Offenburg am Wochenende sein "Zukunftsmuseum" eröffnet.

OHLSBACH/OFFENBURG. Über Ohlsbach strahlte die Wintersonne. Für Wärme sorgte eine gut funktionierende Heizung und ein Gläschen Winzersekt. Die herzliche und geistreiche Begrüßung des Vorsitzenden des Vereins Technisches Erlebnismuseum Offenburg, Frank Leonhardt, tat ein Übriges zur gelösten Atmosphäre im neu eröffneten "Zukunftsmuseum", und das Jazzduo Zipflo Reinhardt und Maiki Adel spielten edlen Standard -Jazz dazu.

Grußworte kamen vom Ohlsbacher Bürgermeister Bernd Bruder und von Offenburgs Kulturfachbereichsleiterin Carmen Lötsch, die in Vertretung der Oberbürgermeisterin erschienen war. Letztere wähnte man augenzwinkernd bei der Konkurrenzveranstaltung in Rust, der Wahl zur Miss Germany, was jedoch von Carmen Lötsch dementiert wurde. Ihre Grußworte ergänzte sie durch kurzweilige Betrachtungen über das synergetische Verhältnis von Kultur und Technik und schloss mit ihrem rednerischen Talent ganz nebenbei die Lücke im Programm, die aufgrund der Erkrankung des Gastredners Winfried Lieber, entstanden war.

Der Hausherr Hans Peter Möschle verwies auf die segensreiche Verbindung von Wirtschaft und Forschung in der Region und die nicht zu unterschätzende Präsenz hiesiger Firmen auf dem Weltmarkt wie zum Beispiel die Firma Meiko oder Herrenknecht. Martin Herrenknecht persönlich habe laut der Organisatoren die Museumseröffnung eigentlich mitfeiern wollen, aber auch in seinem Fall gab es Mutmaßungen über die Bevorzugung der Veranstaltung in Rust.

"Früher war sogar die Zukunft besser." Dieses paradoxe Bonmot des genialen Karl Valentin war seiner Zeit wohl an die ewig gestrigen Stammtischler und Fortschritts-Pessimisten gerichtet doch in Bezug auf die präsentierten Exponate im Zukunftsmuseum Ohlsbach lässt es sich auch ganz ohne Spott interpretieren. Die futuristischen Designs längst überholter Technikinnovationen, Commodore Computer und Haushaltsgeräte, die wie Ufos aussehen, belegen anschaulich die Faszination die dem Brandneuen obliegt. Die Zukunft wurde immer wieder aufs Neue erfunden und und in neuen Produkten bildhaft erschaffen. Doch die Welt des Analogen endet ein Stück weit mit dem Digitalzeitalter. Die Neuerungen präsentieren sich heute als Datenströme und 0-1-Zahlenkolonnen, die museal schwieriger darstellbar sind. So gesehen war die Zukunft früher schon besser. Und daher lohnt sich ein Besuch des Museums. Gerade für junge Menschen, den Digital Natives, deren Vorstellung von Fortschritt sich in den Begriffen i Phone 5 bis 8 erschöpft. Anschluss an die Gegenwart findet der technikbegeisterte Besucher in Form eines 3 D-Druckers, dem man während bei der Arbeit zusehen kann, sowie den preisgekrönten Energiesparvehikeln namens "Schluckspecht" die mit einem Liter Benzin die Distanz von 1800 Kilometern überbrücken können. Es sind Leihgaben der Fachhochschule Offenburg.

Das Museum sieht sich auch als Adresse für Schulklassen. Noch besser wäre natürlich ein Standort in Offenburgs Innenstadt, stellt Vorstandsmitglied Reinhard Braun fest. Das Ohlsbacher Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Die Suche nach einem geeigneten Haus im Zentrum läuft.

Das Technische Zukunftsmuseum in der Carl-Benz-Straße 30 in Ohlsbach ist jeden Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Infos und Anmeldung zu Führungen für Schulklassen unter http://www.temopolis.de