Für Offenheit, Achtung und Toleranz

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Sa, 06. Oktober 2018

Offenburg

Elf Offenburger Religionsgemeinschaften unterzeichnen Satzung als Grundlage künftiger Zusammenarbeit /Festakt im Salmen.

OFFENBURG. "Im Bewusstsein, dass sich Religionen kulturhistorisch unterschiedlich entwickelt haben, begegnen wir anderen Sichtweisen und religiösen Überzeugungen mit Offenheit, Achtung und Toleranz". So lautet das erste Ziel einer Satzung, die von elf Offenburger Religionsgemeinschaften unterzeichnet worden ist und mit einem Festakt im Salmen feierlich gewürdigt wurde.

Aktiver Dialog und gemeinsame Veranstaltungen sollen dem besseren Verständnis anderer Religionen dienen, außerdem solle der interreligiöse Dialog verstärkt in die Gemeinden getragen werde. Die Gründung des Arbeitskreises Interreligiöser Dialog geht auf die gemeinsame Friedenserklärung zurück, die am 18. Dezember 2014 von zehn Offenburger Glaubensgemeinschaften unterschrieben worden war. "Bei aller Sehnsucht nach friedlichem Zusammenleben hatten wir den Eindruck, dass Menschen nicht davor zurückschrecken, Terror und Gewalt im Namen von Religion auszuüben" erklärte Karl Bäuerle, einer der Gründungsväter des Arbeitskreises. "Wir wollten eine Friedenserklärung auf dem Weg bringen, die Toleranz und Frieden zwischen den Glaubensgemeinschaften fördern soll", so der katholische Pfarrer und Vorsitzende des Arbeitskreises, Eberhard Murzko, der neben Bernhard Herrmann und Carissima Gießler ebenfalls zum Gründungsteam gehört. Nachdem die Anfangsphase mit verschiedenen Veranstaltungen hauptsächlich dem gegenseitigen Kennenlernen gewidmet war, will der Arbeitskreis jetzt mit Aktionen, Vorträgen und Treffen stärker nach außen aktiv werden. Mit dem Musikstück "Aufstehen, aufeinander zugehen" eröffnete eine interreligiöse Band den Festakts im Salmen, auf historischem Boden, wo 1847 die 13 Forderungen des Volkes bekannt gegeben wurden, wie Moderator Erhard Krumbein erinnerte. Unter anderem heißt es schon dort: "Jedes Glaubensbekenntnis hat Anspruch auf gleiche Berechtigung im Staate." Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, die sich zum feierlichen Anlass eigens die Amtskette umgelegt hatte, bezeichnete den 4. Oktober als einen guten Tag für Offenburg, bei dem mit der abendlichen Veranstaltung die interkulturelle Woche eröffnet und ein Zeichen gesetzt würde für Frieden und gegen Gewalt. "Die Satzung ist mehr als ein Blatt Papier, sie ist ein gemeinsames Bekenntnis der elf Religionsgemeinschaften zu Achtung und Toleranz", so die OB. Dieses Bekenntnis passe zu "unserer offenen Stadt und zu unserer bunten Gesellschaft." Es gebe vergleichbare Satzungen in anderen Städten, was aber das Offenburger Bekenntnis auszeichne, sei die Vielzahl an Religionsgemeinschaften, die gemeinsam an einen Strang zögen, so Schreiner und lud die Religionsvertreter ein, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Mit dem Lied "Wir sind alle Geschwister, drum lasst uns zusammenleben ohne Zorn und Streit", brachte eine türkische Jungengruppe das Anliegen des Arbeitskreises eindrucksvoll auf die Bühne. Erhard Krumbein verlas ein Grußwort aus Villingen-Schwenningen, die Stadt nutzt die Offenburger Friedenserklärung als Anregung und Vorlage für eine eigene Erklärung. Auch aus dem Referat Ökumene/religiöser Dialog des Erzbistums gab es anerkennende Worte. Vier Religionsvertreter äußerten sich über Ziele und künftige Aktivitäten des Arbeitskreises und luden weitere Religionsgemeinschaften ein, sich anzuschließen. Jede Gemeinschaft sei willkommen, die die Aufnahmekriterien erfülle, die Ziele und die Friedenserklärung unterschreibe. Allerdings könne Satzungsverstoß auch zum Ausschluss führen.

Die Religionsvertreter unterschrieben vor den Augen der Festteilnehmer die Satzung (Saher Mirzo vom Jezidischen Kulturzentrum Offenburg war an dem Abend verhindert), wie zur Bekräftigung fassten sich anschließend alle Festgäste an den Händen und sangen das bekannte hebräische "Hevenu Shalem Alechum".

Der Abend habe gezeigt, dass alle Religionsgemeinschaften Interesse daran haben, in Offenburg friedlich miteinander zu leben, freute sich Aysegül Gül, die stellvertretende Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde. Der Arbeitskreis dankte der Stadtspitze für die Unterstützung, Integrationsbeauftragte Regina Wolf bekam zum Dank einen Blumenstrauß überreicht. Der Moderator äußerte die Hoffnung, dass man in nicht allzu ferner Zukunft nicht nur zusammen feiern sondern auch zusammen beten könne. Außerdem wünschte er sich für den Arbeitskreis mit männlicher Überbesetzung mehr Frauen zur Mitarbeit.