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11. April 2014

Geschichten, die auf der (Einkaufs-)Straße liegen

Jutta Bissinger widmet ihr neues Buch "Läden & Leute" den Traditionsgeschäften in Offenburg / BZ startet dazu sechsteilige Serie.

OFFENBURG. Schon die Resonanz auf ihr erstes Offenburg-Buch war toll: Inzwischen ist bereits die dritte Auflage von "Um fünf am Stadtbuckel" erschienen, einem lesenswerten Band, in dem Jutta Bissinger Geschichten und Anekdoten aus ihrer Heimatstadt zusammengetragen hat. Jetzt hat die 49-jährige Journalistin und Autorin nachgelegt. "Läden & Leute" heißt ihr jüngstes Werk, das Traditionsgeschäften in Offenburg gewidmet ist und von Jutta Bissinger erstmals im Selbstverlag herausgegeben wurde. Das hat am Ende zwar doch mehr Arbeit gemacht, als anfangs erwartet, gesteht die Autorin. Aber es hat auch mehr Spaß beschert: "Man lernt sehr viel dabei – und das Gefühl am Schluss ist ein ganz anderes."

Seit wenigen Tagen ist der 94 Seiten starke, hübsch gestaltete, reich bebilderte und wertig gebundene "Band 1" auf dem Markt – was schon die Botschaft enthält, dass er nicht der letzte sein wird. In zwölf Kapiteln stellt Jutta Bissinger Läden und Leute vor, die in Offenburg Tradition haben und seit mindestens 50 Jahren familiengeführt sind – oder waren.

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Als Beitrag zur Offenburger Stadtgeschichte wurde das Werk auch von der Kulturstiftung Offenburg und der Bürgerstiftung St. Andreas unterstützt. Und Oberbürgermeisterin Edith Schreiner stellt in einem Vorwort klar: "Unsere Stadt braucht unverwechselbare Läden, um sich als Einkaufsstadt von anderen Innenstädten unterscheiden zu können."

OB: "Unsere Stadt braucht unverwechselbare Läden."

Wie wahr eine solche Aussage gerade auch in Zeiten austauschbarer Ladenketten und anonymer Einkaufszentren ist, wird bei der Lektüre von Bissingers Buch mehr als deutlich. Der Autorin ist es erneut gelungen, Geschichte und Geschichten mit lustigen Anekdoten und persönlichen Erinnerungen so zu mixen, dass daraus kurzweiliger Lesestoff und zugleich ein wertvolles Zeitdokument geworden ist. So ist kaum vorstellbar, dass heute noch an Feiertagen das Schaufenster vom Wäsche- und Miedergeschäft Schönle bei der Dreifaltigkeitskirche verhängt wird, um die Gefühle der Christen beim Kirchgang nicht zu verletzen. Und so ganz nebenbei erfährt der Leser nicht nur, was ein Pfipfer ist, sondern auch, wo früher Adalbertle verkauft wurden und was es mit dem "Seichhafe" der vornehmen Kunden im Porzellangeschäft auf sich hat. Dass in Bissingers Geschichten immer wieder auch die Burdas auftauchen zeigt, welche Bedeutung die Verlegerfamilie einst für Offenburg hatte.

"Ich erzähle gerne Geschichten über Menschen und hatte die Idee zu diesem Buch schon länger im Hinterkopf", sagt Jutta Bissinger. Ihr war aufgefallen, dass immer mehr der inhabergeführten Geschäfte aussterben – mangels Nachwuchs, aber auch wegen der Konkurrenz durch Ketten oder das Internet. "Solche Läden machen aber das Flair der Stadt aus und fehlen dann", sagt Bissinger und fügt hinzu: "Da bin ich nostalgisch." Kein Wunder, dass bei ihren Gesprächen mit den Geschäftsleuten auch die geplante Einkaufsgalerie sorgenvolles Thema war.

Auch wenn sie im Ruhrgebiet geboren wurde, fühlt sich Jutta Bissinger längst als "Ur-Offenburgerin". Seit 1974 lebt sie hier, kam mit neun in die vierte Klasse der Waldbachschule und hat später in Offenburg auch ihre beiden Kinder großgezogen. Eher Zufall ist es, dass auf dem Titelfoto von "Läden & Leute" die Stadtkirche zu sehen ist. Ihren Vater dürfte es dennoch freuen: Der heute 83-jährige Hermann Bissinger, der in Bohlsbach lebt, war viele Jahre evangelischer Stadtpfarrer.

"Läden & Leute – Traditionsgeschäfte in Offenburg" (15 Euro) ist zu beziehen über Tel. 0781/2037440 oder http://www.jutta-bissinger.de. In einer Serie stellt die BZ Auszüge aus dem Buch vor. Eine Signierstunde mit der Autorin gibt es diesen Samstag, 12. April, 10.30 Uhr in der Buchhandlung Roth. Seite 24

Autor: hsl