Gezupfter Pointilismus

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Fr, 15. November 2013

Offenburg

Das Gitarrentrio Cuadro sur sorgt mit impressionistischer Spielweise für schönstes Kopfkino.

OFFENBURG. Drei akustische Gitarren auf einer Bühne – da fällt einem sofort die "Friday Night In San Francisco" mit Al di Meola, John McLaughlin und Paco di Lucia ein. Am Sonntag in Offenburg hießen die drei Gitarrenzauberer Armin Krüger, Thomas Vogt und Wolfgang Schubart alias "Cuadro Sur". Statt Rockjazz boten sie vor allem im ersten Teil Gitarrenmusik der spanischen Romantik – und es war super-superschön!

Wer hierzulande kennt schon Federico Moreno-Torroba? Das Trio spielte von diesem spanischen Komponisten sechs "Estampas", musikalische Skizzen, wie Armin Krüger erläuterte, in diesem Fall aus dem ländlichen Leben. Das war gnadenlos stimmungsvoll. "Remanso – Flussaue" ist die erste dieser Skizzen bezeichnet. Sie entsteht wie von selbst vor dem inneren Auge, diese Aue. Da ist das Gefühl von Stille, ausgedrückt in zart getupften Akkorden und Linien, ganz zerbrechlich. Dann ist der Fluss zu ahnen, sanftes Wellen, da und dort eine perlende Stromschnelle, dann ein Vogelruf. Zum Seufzen schön! Was das Besondere ausmacht, ist diese Transparenz, das Feingliedrige, Klänge die ruhig, fast schon sphärisch fließen, sich ineinander weben, verschmelzen, sich wieder lösen und erneut finden, um ein anderes, neues Klangornament zu bilden. Manchmal springen Tonfolgen nach oben weg, silbrig und flatternd, verschweben im Raum. Oder eine Bassfigur murmelt eine dunkle Beschwörung. Diese Mischung aus dichtem Geflecht bei vollkommener Durchsichtigkeit ist es, was fasziniert. Eine "Ernte" wird musikalisch skizziert, fröhliches Schaffen, in der Melodik ist so etwas wie ein Worksong ahnbar. Dann der "Camino del Molino", der Mühlenweg, sechs Achtel-Rhythmus, der zum Rhythmus des sich drehenden Mühlrads wird, je näher der Hörer der Mühle kommt.

Nicht minder schön: Die "Impresiones Intimas" eines Federico Mompou, kleine stimmungsvolle Klavierstücke, arrangiert für drei Gitarren von Thomas Vogt. Das Trio fügt Klangstäubchen zu Stimmungen, die immer zurückhaltend sind. Da ist manches leicht und melancholisch zugleich, wie ein Blick in eine weite Landschaft. Anderes ist geradezu tänzerisch, mit eleganten, anmutigen Gitarrenfiguren.

Ein Knaller war natürlich die Suite aus der Oper "Carmen" von Bizet. Da lassen die drei es Krachen mit dem Torero-Marsch, der fetzigen Habanera. "Carmen groovt", lautet die Botschaft!

Nach der Pause wird es moderner, unter anderem mit Pat-Metheny-Arrangements von Thomas Vogt und einer Uraufführung: Das von Vogt komponierte Werk "Lejana" ist eine Hommage an den Tango nuevo, in der immer wieder das Thema Erinnerung aufschimmert. Der Titel bedeutet "Ferne", und tatsächlich kommt die Musik wie aus einer anderen Zeit, als etwas Vergangenes, wobei im Nachspüren des Komponisten sinnliche Tangomomente an die Oberfläche treiben.

Der Abend war ein Beleg für die Impulse, welche die Musikschule, wo die Drei unterrichten, im Kulturleben der Stadt setzt. Tolles Debüt!