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22. Juli 2010 14:37 Uhr

Kunstprojekt am Wochenende

Graffiti soll in Offenburg die Generationen verbinden

Mit Graffiti eine Brücke zwischen den Generationen schlagen: Das will das Kunstprojekt "Lebensspuren" in Offenburg. Heute und morgen wird im Bürgerpark gesprüht – generationenübergreifend, versteht sich.

  1. Renate von Heimburg und Raphael Lieser (Mitte) im Gespräch mit dem Sprayer Hannes Kramer (rechts). Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Dass Jung und Alt ausgerechnet über Spraydosen, Rap und HipHop zueinander finden, mag erstaunen. Das Innenstadtzentrum im Bürgerpark war Anfang Juli nauf jeden Fall gut gefüllt, als der zweite Part des dreiteiligen Projekts von Raphael Lieser stattfand: Im Mai gab es bereits einen Graffiti-Workshop – und am Freitag, 23. Juli, sowie Samstag, 24. Juli, soll im Bürgerpark eine Fläche künstlerisch gestaltet werden. Wer sich hierfür interessiert, kann sich im Stadtteilzentrum Innenstadt (Tel. 0781/93228611) oder im Seniorenbüro (Tel. 0781/822222) anmelden. "Wir möchten in das Thema eine gewisse Ernsthaftigkeit hineinbringen", sagte die frühere Kunsterzieherin Renate von Heimburg, die im Seniorenbüro engagiert ist und mit Lieser das Projekt betreut.

Bernd Künzig, der selbst vor 16 Jahren eine Graffiti-Ausstellung organisiert hatte ("einigen war das damals ein rotes Tuch"), wählte einen kunsthistorischen Ansatz und ging bis zu den Wandkritzeleien im Pompeji der alten Römer zurück. Sex, Politik und Ich-bin-der-Größte seien schon immer die Themen gewesen, die bis in die Pop-Kultur der Moderne weitergetragen wurden.

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Während die Sprayer im Amerika der 1960er Jahre noch anonym und illegal wirkten, habe es Graffiti mittlerweile vom "Underground" zum "Overground" geschafft – gemäß dem Motto: "Ich spraye, also bin ich." Andreas Ernst alias Zoolo, Graffitikünstler und langjähriger Kenner der Szene, erinnert daran, dass die Offenburger Graffiti-Subkultur in der Passage neben der alten Stadthalle Ende der 1980er Jahre ihren Anfang nahm. Die Kunstschule bot früh schon Workshops an, die sehr erfolgreich waren. Ernst selbst, inzwischen Lehrer in Bühl-Stadt, nahm 1994 in der alten Kaserne auf dem Ihlenfeldareal an einer Graffiti-Ausstellung teil, gemeinsam mit Breakdancern, Rappern und Sprühern: "Man hat sich gerochen und gefunden."

Jene wilde und bunte Zeit vor der Konversion, als das heutige Kulturforum erst in der Planung steckte, hat Gisela Harff-Schüppert mit der Kamera festgehalten: Ihre Fotos zeigen den damaligen Jugendtreff "Blendwerk", der mit Graffiti eingedeckt war. Weitere Szene-Orte waren das Hinterhaus des damaligen Keilbach-Kaufhauses, die Wand gegenüber dem Schlachthof an der alten Spinnerei und die Kinzigbrücke bei Burda.Dass es die Spraydose bis in etablierte Kreise geschafft hat, zeigen Bilder der Offenburger Künstlerin Jutta Spinner, die ebenfalls im Innenstadtzentrum ausgestellt waren: Ihre kunstvollen Spray-Paintings haben mit den Straßengraffitis kaum mehr als das Malwerkzeug gemein.

Gefördert wird das Projekt über "Stärken vor Ort", ein Programm des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, das mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gespeist und durch die Stadt Offenburg koordiniert wird.

Autor: ges