Grünen-Fraktion freundet sich mit der Landesgartenschau an

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Fr, 18. Januar 2019

Offenburg

Zwischenbericht des Baubürgermeisters zum Stand der Offenburger Bewerbung für eine LGS im Zeitfenster von 2032 bis 2034 / Spott über Grünen-Kehrtwende.

OFFENBURG (rab). Die Offenburger Grünen haben ihre Haltung zu einer Offenburger Bewerbung für eine Landesgartenschau (LGS) offenbar grundsätzlich überdacht. Hatten sie sich vor Jahresfrist im Gemeinderat noch geschlossen enthalten, als es um eine Machbarkeitsstudie ging, und "drei Bremsklötze" formuliert, die einer schnellen Entscheidung pro LGS aus ihrer Sicht entgegenstanden, so sieht es jetzt anders aus. Grünen-Stadtrat und Pfarrer Norbert Großklaus erklärte am Mittwochabend im Planungsausschuss, wie die Grünen mittlerweile vom LGS-Saulus zum LGS-Paulus geworden sind. Ironische Bemerkungen der anderen Fraktionen ließen nicht auf sich warten.

Großklaus erklärte jetzt, dass die LGS eine Chance für Offenburg sei und die Grünen nicht als "M, M, M" gelten wollten: als "Miesmacher, Mäkler und Motzer". Eine LGS stärke den Zusammenhalt in der Stadt, und "da fließen Gelder nicht nur in die Kinzig", spielte er mit einem Bonmot auf die LGS-Pläne einer Renaturierung der Kinzig an. Aus der Lahrer LGS 2018 ergebe sich die Erkenntnis: "Sinnvoll ist, was dauerhaft bleibt" sowie: Eine Stadt, die die LGS ausrichte, habe bei allen Förderprogrammen des Landes Vorfahrt. Die von der Stadt umfangreich geplante Bürgerbeteiligung – eine erste Bürgerwerkstatt findet am Samstag, 2. Februar statt – findet laut Großklaus das Gefallen der Grünen. Lediglich beim "heiligen Boden" des Karl-Heitz-Stadions, auf dem der OFV in der Vergangenheit glanzvolle Siege feierte und das die LGS-Planer gerne verlegen wollen, sehe man noch Fragezeichen wie auch in etlichen Detailfragen. Aber grundsätzlich stimme man zu.

Man sei "gottfroh", so Thomas Bauknecht von der FDP, dass die Grünenfraktion jetzt "die Kurve gekriegt" habe. Nach zwei gescheiterten, weil eher halbherzig betriebenen LGS-Bewerbungen der Stadt, sei die aktuelle für den Zeitraum 2032 bis 2034 möglicherweise die letzte Chance. Eine einstimmige Befürwortung des Gemeinderats sei wichtig. Und Gerhard Schröder von der SPD merkte ironisch an: "Ja ist denn jetzt schon Weihnachten?! Die Grünen werden positiv und sogar Albert Glatt lobt die Stadtverwaltung." CDU-Fraktionschef Glatt hatte zuvor die LGS als Riesenchance bezeichnet und bekannt, dass der Zwischenbericht von Baubürgermeister Oliver Martini ihm Lust auf die LGS mache.

Gerhard Schröder: "Ja ist denn jetzt schon Weihnachten?!"

Martini hatte zuvor von Gesprächen mit dem Regierungspräsidium über die Kinzig-Renaturierung berichtet. Darin werde versucht, Hochwasserschutz, Gewässerökologie, Naturschutz und Erlebbarmachen des Wassers unter einen Hut zu bringen. "Da ist nicht alles deckungsgleich", so Martini, aber gemeinsam würden Lösungsansätze entwickelt.

Gespräche gebe es auch mit Burda über die Druckerei von 1965 im Winkel zwischen Haupt- und Kronenstraße. Sie soll laut Burda nach 2022 aufgegeben und die Produktion an den Standort Gutenbergstraße zum Druckereineubau von 2005 verlagert werden. Man würde mit dem älteren Werk eine Industrieanlage, sprich Beton, zu Grün umwandeln, was bei der Jury Eindruck machen werde. Die Chance dieses Areal für die LGS nutzen zu können, würde dazu beitragen, die Bewerbung Offenburgs von der vieler anderer Städte deutlich zu unterscheiden. Nämlich durch die große Innenstadtnähe.

Mit dem OFV, dessen Stadion neben der Kinzig aus Sicht der Planer ein Herzstück des LGS-Areals sein sollte, dessen "heiliger Boden" von traditionsbewussten Fans mit Leidenschaft verteidigt wird, sei man ebenfalls im Gespräch über eine mögliche Verlagerung. Laut Martini sei das ein "gemeinsamer Prozess".

Die diesmal wirklich breit angelegte Bürgerbeteiligung, die unter anderem auch eine Kinder- und Jugendbeteiligung vorsieht, wurde von allen Räten gelobt. Albert Glatt von der CDU brachte sogar eine Art LGS-Kommission zur Erarbeitung eines nutzergenerierten Konzepts nach dem Vorbild der erfolgreichen Bad-Kommission ins Spiel. Doch Martini hielt dem entgegen, dass die LGS-Materie doch deutlich komplexer sei als es die Planung des Freizeitbad Stegermatt gewesen sei.