Hetzeresistente Stadt

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 29. Dezember 2018

Offenburg

Ein Rückblick in Bildern auf ein bewegtes Jahr 2018 (Teil 1) /.

2018 war in jeder Hinsicht ein heißes Jahr. Es war ein Jahr der Extreme. Extrem gut, aber auch besorgniserregend. Der Sommer begann bereits am 23. April mit erstmals 30 Grad. Es folgte ein Jahr, heißer als 2003. Stark- oder Dauerregen verhagelten lediglich den Vatertag oder das White Dinner in der Innenstadt am 25. August. Im August hatte bereits die Weinlese begonnen, deren Ergebnisse, begleitet von höchsten Erwartungen, derzeit in den Kellern heranreifen. Offenburgs Finanzbürgermeister Kopp konnte sich am positiven Extremismus der Stadtfinanzen erfreuen, die sich in diesem Treibhausklima bestens entwickelten: Die Offenburger Wirtschaft floriert und spült 2018 voraussichtlich rund 74 Millionen Euro an Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Das sind 16 Millionen mehr als erwartet und liegt deutlich über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre von 52 Millionen Euro. Alles bestens also in Offenburg 2018?

Als am 9. Februar Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (61) erklärte, dass sie nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wiederwahl antritt, war klar, dass dies politisch kein Jahr wie die vorherigen 16 werden würden. Alles, was bis zum Wahltag am 14. Oktober passieren würde, hatte damit das Zeug zum Wahlkampfthema. Und damit ging’s gleich los. Am 21. Januar berichtete das Polizeirevier, dass Offenburg es zu einer der kriminellsten Städte in Baden-Württemberg gebracht hatte. Was die Häufigkeitszahl anging, also die Zahl der Straftaten in einer Stadt, bezogen auf 100 000 Einwohner, war Offenburg auf Augenhöhe mit Freiburg. Als dann am 28. April ein aus Zentralafrika stammender Geflüchteter eine afrikanischstämmige Deutsche beim Freiburger Platz vergewaltigte, war das schrecklich. Aber auch weil die AfD sofort ihre Anti-Merkel-Flüchtlinge-Propaganda-Maschine anwarf, was sie übrigens bezeichnenderweise nicht tat, als am 12. Mai ein türkischstämmiges Ehepaar einen türkischstämmigen 43-Jährigen in der Oststadt erschoss.

Dann der größte Schock des Jahres: Am 16. August 2018 wurde ein Offenburger Arzt, der sich für Geflüchtete engagiert hatte, von einem 26-jährigen Somalier erstochen. Doch dazu mehr in Teil zwei unseres Jahresrückblicks am Montag.